Fr, 7. April 2017

Es ist nie vorbei!

Catastrophe & Cure im Interview

Sagt euch gemeinsam mit Catastrophe & Cure von inneren Verpflichtungen und Konventionen los und begebt euch auf eine Reise, nur um schlussendlich wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Was zählt, sind die Erfahrungen, Begegnungen, Beziehungen und Reflektionen dazwischen. Den passenden Soundtrack aus minimalistischen, doch eindringlichen Arrangements liefern sie heute mit ihrer neuen EP ‘Blank Spots’. VOLUME hat mit Johannes und Max über die Harmonie in der Melancholie nachgedacht.

Wieso habt ihr euch für diesmal ‘nur’ für eine EP entschieden? 

Johannes: Zum einen finde ich dieses 10-Inch-Vinyl-Format von der Haptik her sehr schön. Zum anderen gab es nicht diese Entscheidung, dass wir definitiv nur eine EP machen wollen. Wir haben im Prinzip einfach angefangen Songs zu schreiben, die relativ schnell geschrieben und aufgenommen waren. Diese sechs Songs waren eine abgeschlossene Einheit. Sie hatten einen roten Faden, ein inhaltliches Soundkonzept – in Wahrheit sind diese sechs Songs ein geschlossenes Album. 
Max: Mit einem sehr gelungenen Spannungsbogen. Die Anordnung der Songs auf diesem Mini-Album funktioniert sehr gut und die neue Arbeitsweise war sehr interessant. 
Johannes: Genau, diese sechs Songs hat es gebraucht – keinen weniger und keinen mehr. Ob man das jetzt EP, Mini-Album, Album, 10-Inch, oder wie auch immer nennt, ist uns, ehrlich gesagt, relativ egal. Es macht einfach als eine ästhetische und künstlerische Einheit Sinn – und das ist das Wichtigste.

Und welche Blank Spots gilt es jetzt damit zu füllen?

Johannes: Das Schöne war, dass wir relativ flott arbeiten konnten. Normalerweise hast du gerade als Musiker immer das Problem, dass du dir selber immer ein bisschen davonläufst. Zu dem Zeitpunkt, zu dem du ein Album rausbringst, sind die Songs meistens ungefähr zwei Jahre alt. Sprich, sie reflektieren überhaupt nicht mehr, wo du gerade in deiner künstlerischen und geistigen Entwicklung bist. Wir wollten deshalb jetzt etwas machen, das uns zum derzeitigen Zeitpunkt reflektiert. Die neuen Songs sind alle höchstens ein Dreivierteljahr alt. Wir haben damit sozusagen unsere persönlichen Blank Spots gefüllt. Es geht auch um die Sehnsucht nach Veränderung. Von wo weg zu wollen, dorthin, wo man möglicherweise auch noch nicht war. Am Schluss kommt man aber wieder dorthin zurück, wo man angefangen hat.
Max: Die Songs auf der Platte symbolisieren die einzelnen Stationen – das war zwar nicht der Hintergedanke, aber hat sich dann schön so ergeben. Man geht diese ganzen Stopps durch und steht dann am Ende (mit dem ‘Outro’) genau wieder dort, wo man am Anfang war.

Ist die Produktion in Eigenregie auch mit diesem Gefühl des ‘Loswollens’ verbunden?

Johannes: Ja, die Intention war aus diesem Album-Single-Rad gewissermaßen auszubrechen. Hauptsächlich geht es uns ja auch nicht darum, super berühmt zu werden oder viel Kohle zu verdienen. Das ist uns am Ende des Tages eigentlich egal. Wir wollen einfach das machen, was uns derzeit Spaß macht. Wir wollen eben los! Außerdem ist der Prozess des Albummischens teilweise ein bisschen mühsam, weil du dem Mischer deine Ideen vermitteln musst. Früher konnte ich das nicht. In dem Fall war ich aber so weit, das selber zu machen. Dadurch war auch der ganze Entstehungsprozess nicht so zersplittert.
Max: Es war eine Bewegung, ein Moment, ein Guss.
Johannes: Im blödesten Fall kann es dir nämlich passieren, dass du einen Song schreibst, den du Monate später dann aufnimmst und noch mal Monate später kommt er erst zum Mischen. Zwischen diesen Stationen hat sich auch möglicherweise deine eigene Einstellung und dein Empfinden zu diesem Song verändert, sodass etwas hingemischt wird, was vorher gar nicht da war.
Max: Das war beim letzten Album so. Als das rausgekommen ist, war das für uns alle so: abgegeben, fertig, Hausaufgabe gemacht. Wir haben uns natürlich auf die Release-Shows gefreut, aber für mich persönlich war das Album mehr so Catastrophe & Cure 2014/15 Revisited. Das hat alles so lange gedauert, dass der Bezug zu dem Album dann ein bisschen gefehlt hat. Natürlich nicht völlig, aber der letzte Punkt an dem wir wirklich anknüpfen konnten, war das Artwork, mit dem wir das ganze Ding noch einmal in eine andere, für uns passende Richtung gelenkt haben. 
Johannes: Mit diesen Problemen kämpft vermutlich jeder Musiker und Künstler. Wir haben aber diesmal einfach aktiv beschlossen, etwas dagegen zu tun – und wir sind sehr glücklich damit.

Wie viel Harmonie findet ihr in der Melancholie? 

Johannes: Ich finde traurige Musik einfach super! Ich war nie der Typ, der auf fröhliche Partymusik steht. Ich werde es wahrscheinlich auch nicht mehr werden. Am Ende vom Tag ist das Glas für mich halb voll. Das kann man jetzt so oder so sehen, aber das ist einfach ein emotionaler Grundstatus, den man hat oder nicht hat.
Max: Wenn man sich rückblickend aber so einen Track wie ‘Debbie Debris’ anschaut, erkennt man einen sehr zerstörenden Text gepaart mit eher fröhlicher Musik. Man kann dazu tanzen und muss sich nicht deswegen die Pulsadern aufschneiden.
Johannes: Wir machen also nicht nur reine Owezahrer-Musik.
Max: Ich finde die Gegensätze so interessant. Ich bin doch eher eine optimistische und gut gelaunte Natur, im Vergleich zu Johannes. Bei mir ist das Glas nicht nur halb voll, sondern voll!
Johannes:
Schlecht gelaunt bin ich deswegen aber auch nicht. 
Max: Natürlich nicht, aber es ist eben innerhalb der Band auch unterschiedlich und diese gegensätzlichen Einflüsse verbinden sich in der Musik. 

Wer ist diese Debbie Debris eigentlich? 

Johannes: Keine konkrete Person. Zuerst war einfach nur dieser klingende Name da. Auf Oberösterreichisch wäre das vielleicht die Trümmer Traudel oder der Scherben Stefan. Egal, es geht eigentlich um das alte Thema der Hassliebe. Menschen, von denen du nicht die Finger lassen kannst, obwohl du genau weißt, es funktioniert nicht. Die treten in dein Leben und hinterlassen ein Schlachtfeld. Der Song behandelt dieses Thema spielerisch und mit Augenzwinkern.
Max: Vor allem ist es ein Thema, das jeder kennt. 
Johannes: Es gab also keine konkrete Debbie. Es geht uns soweit allen sehr gut in unseren Beziehungen.
Max: Wir sind stabil, ja!

Aber wieso ist es nie vorbei?

Johannes: Es ist grundsätzlich immer relativ schwierig, mit Sachen abzuschließen. Selbst wenn man glaubt, mit etwas abgeschlossen zu haben – hat man das wirklich, tut man das wirklich, wann passiert es? Ich glaube, ganz schließt man nie ab, aber das finde ich auch ganz schön. Es sind ja alles Teile von dir selbst, die bei dir bleiben. Insofern ist das meiste nie vorbei. Damit beziehe ich mich auf alles – egal, ob das Erfahrungen, Sinneseindrücke, Freundschaften, Liebe oder Ähnliches ist. 
Max: Der Kreis schließt sich immer wieder. Du kommst immer wieder dort an, wo du mal warst, und reflektierst, was dazwischen passiert ist. Das können Beziehungen, aber auch Gewohnheiten sein. Und genau das sollen die Hörer in unserer Musik so interpretieren, wie sie möchten. 
Johannes: Es ist also nie vorbei!

Wunderschöne Schlussworte, vielen Dank! Wir sehen uns heute im Flex!

Weitere Live-Termine:

  • 06.05.2017 | Steyr, kv roeda
  • 18.05.2017 | Graz, p.p.c.
  • 19.05.2017 | Linz, Posthof
  • 24.05.2017 | St. Pölten, frei:raum