Di, 16. Februar 2016

Liebe ist...

Get Well Soon im Interview

Eben ging die Welt noch unter – zumindest beim letzten Werk von Get Well Soon. Im nächsten Moment erhebt sich Konstantin Gropper wie ein Phönix aus der Asche, um sich auf Album Nummer Vier dem größten Motiv der Popkultur, wenn nicht dem größten Thema der Menschheitsgeschichte überhaupt, zu widmen: Liebe! Aber gibt es nicht schon genug Love Songs? VOLUME hat nachgefragt.

Nach dem wunderschönen Weltuntergang am letzten Album sprichst du jetzt vom Überleben. Wieso überlebt man erst nach dem Ende?

Einerseits habe ich das offensichtlich nicht besonders gut durchdacht, denn auch wenn man am dritten Album den Weltuntergang besingt, muss es ja trotzdem irgendwie weitergehen. Anderseits ist es doch folgerichtig. Es geht ums kreativ werden und die Dinge vielleicht doch konstruktiv anzugehen, indem man auf die Ruinen etwas aufbaut, anstatt den Weltuntergang heraufzubeschwören.

Mit dem großen Thema „Liebe“ hast du dir selbst eine Herausforderung geschaffen.

Definitiv, aber das mache ich immer! Ich gehe die Sache immer ein bisschen sportlich an. Bei diesem Album habe ich mir sogar mehrere Herausforderungen auf einmal geschaffen: Zum einen das Thema, zum anderen bin ich diesmal auch anders ans Schreiben herangegangen. Früher suchte ich mir immer Motive, die weit weg waren. Diesmal habe ich mir das große, unendliche Spektrum „Liebe“ vorgenommen, um mich eins zu eins mit Pop beschäftigt. Ich habe aus Pop einfach Pop gemacht.

Gibt es nicht schon genug Songs über die Liebe?

Das ist gerade die Herausforderung. Da setzt wieder mein sportlicher Ehrgeiz an. Es ist das größte Thema überhaupt, deshalb ist es vielleicht auch die größte Herausforderung, zu versuchen da noch etwas dazu zu sagen. Natürlich nicht mit dem Anspruch etwas zu sagen, das noch keiner gesagt hat – das habe ich auch nicht versucht. Ich habe es mir in der Hinsicht eher bequem gemacht, denn es ist ein emotionales, subjektives Gefühl – dabei kommt sowieso etwas Eigenes raus, auch wenn es schon zehn Leute davor gesagt haben.

Die Platte enthält viele Erinnerungen. Kannst du dich auch privat schwer von Erinnerungsstücken trennen?

Ja, wenn man mein Zimmer anguckt, kann man definitiv sagen: Da müsste einiges weggeschmissen werden. Es geht in dem Song „Eulogy“ auch darum, dass ein völlig belangloser Gegenstand durch ein Ereignis auf einmal einen großen emotionalen Wert hat. Liebe ist ein Thema, das ganz stark von Erinnerungen lebt. Man spricht bei Beziehungen auch immer von „baggage“ – das man quasi das Gepäck der letzten Beziehung mit sich rumschleppt. Das stimmt! Aus Erfahrung und Erinnerung entsteht die Art, wie man in eine Beziehung reingeht und was man für ein Mensch in einer Beziehung ist.

Was bedeutet Liebe für dich?

Das ist die große Frage, der ich nachgegangen bin. Liebe lässt sich nicht richtig greifen. Man kann vielleicht sagen, was einem in der Liebe oder in einer Beziehung wichtig ist: Sicherheit Vertrauen, Ehrlichkeit, Loyalität. Einen Satz wie „Liebe ist …“ – den gibt es nicht. Das ist vielleicht auch die Kernaussage des Albums.

Das Gemälde auf deinem Albumcover stammt von Friedrich Gauermann, einem Vertreter der Biedermeier-Epoche. Wie passen Get Well Soon und Biedermeier zusammen?

Der Begriff „Biedermeier“ ist mir ein bisschen um die Ohren geflogen, denn ich habe eigentlich mehr die Überepoche „Romantik“ damit gemeint. Biedermeier klingt immer so negativ – ist es auch irgendwie: familiär, beschaulich, unpolitisch…das wollte ich nicht. Meine Idee war ganz einfach: ein romantisches Motiv, das relativ einfach aussieht, aber in das man sehr viel reinlesen kann. So auch der Ansatz des Albums: dass es ein bisschen einfacher klingt, aber wenn man will, hat es trotzdem noch Dimensionen.

Wo befindet sich dein liebster Rückzugsort?

Im Wald! Als Kind habe ich am Waldrand gewohnt und der Wald ist für mich eine Idylle, ein Idealzustand. Ich benutze fast schon zu oft Wald- und Naturgeräusche in meiner Musik. Der Wald ist für mich, auch heute noch, ein Rückzugsort, der auch eine gewisse Unschuld in sich trägt.

Was haben Heiratsschwindler mit Liebe zu tun?

Da wird’s ja interessant – vor allem in psychologischer Hinsicht. Denn einerseits behaupten diese Heiratsschwindler oft, dass bei ihren Täuschungen durchaus Liebe im Spiel war. Anderseits gibt es die Dimension, dass man Liebe ausnützt, um daraus wirtschaftlich Profit zu schlagen. Nicht im Sinne von körperlicher Liebe wie bei Prostitution, sondern tatsächlich mit der Emotion. Das finde ich sehr spannend!

Österreich und Get Well Soon passen hervorragend – siehe zum Beispiel FM4 Charts. Ist das Liebe?

FM4 ist tatsächlich relativ wichtig für mich. Ich bin in der Nähe des Bodensees aufgewachsen, der noch in das Sendegebiet fällt. Ich habe als Jugendlicher immer FM4 gehört, was für meine musikalische Sozialisation nicht irrelevant war. Es gibt keinen ansatzweise vergleichbaren Sender in Deutschland, der diese Qualität an Musik spielt.

Wenn Paris die Stadt der Liebe ist, dann ist Wien die Stadt …

… der Musik!