Do, 13. Februar 2020
Maskenmänner ohne Masken

Maskenmänner ohne Masken

Hollywood Undead im Interview

Hollywood Undead haben ein ganz besonders Valentinsgeschenk für euch: Am 14. Februar erscheint ihr neues Album „New Empire, Vol. 1“, welches sie eineinhalb Wochen später sogleich im Gasometer in Wien präsentieren. George Ragan aka Johnny 3 Tears hat uns dazu noch ein paar Fragen beantwortet und unter anderem geklärt, wieso man die Maskenmänner in letzter Zeit so häufig ohne Maske antrifft.

„New Empire, Vol 1.“ erscheint am 14. Februar. Ein willkürliches Datum oder seid ihr einfach hoffnungslose Romantiker?

Definitiv das Letztere. Wir sind in einer Liebesbeziehung mit unseren Fans und wollten dieses besondere Datum mit ihnen feiern.

Wie würdest du das „New Empire“, das ihr mit eurem neuestem Album einleitet, beschreiben?

Ich denke, es geht darum, zum Jahr null zurückzukommen. Wir versuchten weniger auf das Fundament unserer vorhergegangenen Arbeit zu bauen, sondern eher an die neue Platte heranzugehen, als hätten wir noch nie zuvor eine aufgenommen. Das war zumindest die Mission.

Mit euren letzten Veröffentlichungen konntet ihr große Erfolge verbuchen. Wieso ist jetzt die richtige Zeit, für eine neue Hollywood Undead Ära?

Einfach, weil wir es aufregend finden. In einer Band zu sein, kann leicht iterativ werden. Wir wollen Musik aus einer für uns weniger vertrauten Position machen, weil uns das mehr fordert … und auf gar keinen Fall wollen wir das gefühlt selbe Album zweimal machen.

Mit „New Empire Vol. 1“ wendet ihr euch im Vergleich zu „Five“ eher einem härteren, rockigeren Sound zu – wieso das?

Ich glaube nicht, dass es unsererseits eine bewusste Entscheidung war, in diese Richtung zu gehen. Das war eher einfach der Ort, wo wir uns emotional befanden, während wir „New Empire“ geschrieben haben. Diese Energie war da, also haben wir uns von ihr treiben lassen. Es sind immer noch einige dunkle, melodische Balladen auf dem Album vorhanden, aber die Platte im Ganzen ist etwas härter – was jedoch weniger ein Entschluss war, mehr eine natürliche Entwicklung.

Können wir mit „Vol. 1“ im Titel bereits in näherer Zukunft einen zweiten Teil erwarten?

Absolut, „New Empire Vol 2.“ sollte bereits in Kürze folgen. Sie sind beide auf unterschiedliche Weise besonders, aber großartig. Obwohl ich zugeben muss, dass ich persönlich „Vol. 2“ bevorzuge.

Wir sind gespannt. Kannst du uns schon mehr darüber verraten? Und wieso habt ihr euch entschieden, „New Empire“ als Doppelalbum zu veröffentlichen?

Wir hatten schlicht und einfach zu viele Songs, die wir nicht streichen wollten. Wir schreiben immer wahnsinnig viel Material und grenzen es dann ein. Dieses Mal war nach diesem Prozess immer noch zu viel vorhanden, um alles auf einem Album zu veröffentlichen. Also haben wir das mit dem Label besprochen und sie waren einverstanden, es so zu versuchen. Ich bin eigentlich sogar sehr aufgeregt – ich wollte schon länger ein Doppelalbum rausbringen.

Auf „New Empire, Vol. 1“ sind keine für euch typischen Party-Songs vorhanden. Hat Hollywood Undead abgeschlossen mit „Wine, Women and Fucking Around“ oder erwarten uns diese Songs eher auf „Vol. 2“?

Nein, beide Platten haben keine Songs dieser Natur. Es liegt aber weniger daran, dass wir damit durch sind … im Moment haben wir einfach mit dem Schreiben über solche Themen abgeschlossen. Ich für meinen Teil habe aber schon immer das Schreiben von Songs mit mehr Introspektion bevorzugt.

Mir ist aufgefallen, dass ihr eure Masken im Video zu „Already Dead“ gar nicht aufhabt. Werden wir euch trotzdem noch damit sehen oder sind sie Teil eurer Vergangenheit?

Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher. Im Moment haben wir keine Pläne für sie. Uns sind einfach die kreativen Ideen für die Verwendung der Masken selbst ausgegangen. Dass sie für immer von der Bildfläche verschwunden sind, glaube ich jedoch nicht. Ich weiß, dass viele Fans enttäuscht sind, dass wir sie im Moment nicht verwenden, was ich auch verstehe. Mir ist bewusst, dass viele die Masken mit der Band assoziieren, aber für uns lag unsere Identität immer in der Musik.

Wieso seid ihr euer eigener schlimmster Feind? Und wie geht man damit um?

Meiner Meinung nach sind wir als Individuen der Quell all unseres Glücks oder auch unseres Unglücks. Die überwiegende Mehrheit der Probleme werden von den Menschen selbst kreiert. Zumindest in meinem Fall wurde die Großzahl der schlechten Situationen, in denen ich mich wiedergefunden habe, von niemand anderen als mir selbst verursacht. Damit geht man am besten um, in dem man akzeptiert, dass wir alle Fehler haben und auf unterschiedliche Weise verloren sind, und sich nicht selbst dafür bestraft. Ich habe versucht, mich mit mir anzufreunden und aufzuhören, mich als so negativ zu sehen.

„I just wanna live before I die“ – Was müsst ihr noch unbedingt machen, bevor euch das Zeitliche segnet?

Es gibt noch so viele Dinge, die wir erreichen wollen, bevor wir sterben. Aber in Bezug auf diese spezielle Zeile reden wir nicht von professionellen Zielen. Ich glaube, wir alle haben eine höhere Bestimmung und die versuchen wir zu finden. Es war ein spirituelles Statement mehr als irgendetwas anderes.

Was ist euer schlimmster Albtraum?

Henry David Thoreau hat es als „a life of quiet desperation“ formuliert. Mein Leben ohne eine Stimme wäre mein schlimmster Albtraum. Das ist der Grund, wieso Musik mir so viel bedeutet.

„Compare me to none“ – Stützt sich vor allem die Musikindustrie zu oft auf Vergleiche und Gegenüberstellungen?

Ich denke, die gesamte Gesellschaft ist von Vergleichen besessen – die Musikindustrie ist da nicht anders. Auf Hollywood Undead bezogen liegt es vermutlich einfach daran, dass man uns nicht wirklich eine Schublade stecken kann. Ich weiß selbst nicht, wie man unsere Musik genau beschreiben soll. Es gibt sowieso viel zu viele Regeln, die Menschen in der Musikbranche anwenden. Musik sollte Freiheit herbeiführen und nicht an eine wahnsinnige Liste an ausgedachten Regeln gebunden sein.

Da stimmen wir dir absolut zu! Danke fürs Gespräch.