Hinter der Maske

Hinter der Maske

In Flames im Interview

Trotz 13 Alben im Regal und beinahe 30 Jahren am Bandbuckel werden In Flames bis heute nicht müde, sich einerseits mit jedem neuen Langspieler selbst herauszufordern, anderseits das Weltgeschehen immer wieder kritisch und prägnant für ihre Fans zu kommentieren, ohne dabei ihren melodisch-aggressiven Trademark-Sound aus den Augen zu verlieren. On top veranstaltet die schwedische Metal-Institution nun auch ein eigenes Festival. Neben diesem und der aktuellen Platte „I, The Mask“ war natürlich auch das Wiedersehen am diesjährigen Nova Rock Festival Thema im sympathischen Gespräch mit Gitarrist Björn Gelotte.

Glückwunsch zu „I, The Mask“, ein starkes Album mit einem bedeutungsvollen Titel. Wann trägst du eine metaphorische Maske?

Ich schätze, fast immer. Die meisten Leute tun das. Sogar jetzt beantworte ich zum Beispiel deine Fragen nur so weit, wie ich will. (lacht) Diese Maske kann gut und schlecht sein. Es ist eine Art Schutz, aber gleichzeitig auch ein Hindernis für zwischenmenschliche Beziehungen.

Sollten wir unsere Masken deshalb loswerden?

Ich bin mir nicht sicher, ob das besser wäre. Ohne Masken würden wir bestimmt in einer ehrlicheren Welt leben, aber einer mit mehr Konfrontationen. Ich denke, bis zu einem gewissen Grad brauchen wir eine Maske – als soziales Werkzeug und persönlichen Selbstschutz.

„I, The Mask“ ist euer 13. Langspieler und nächstes Jahr feiert ihr euer 30-jähriges Bandjubiläum. Wie hält man nach so langer Zeit die interne Bandliebe frisch?

Wir lieben einfach das, was wir tun. Das ist das Wichtigste! Die Musik, die wir machen, und die teilweise auch sehr ernsten Themen, die wir in unseren Texten behandeln, tun uns gut.
Gleichzeitig sind wir keine Band, die ihren Fans vorschreiben will, wie sie zu leben haben. Wir wollen sie eher von ihren Problemen ablenken – auch wenn es nur für eine Stunde während unserer Shows ist. Unsere Musik soll eine Art von Erholung für die Menschen sein. Solange wir das schaffen und dabei die Musik spielen, die wir lieben, ist es eigentlich ganz einfach für
uns. (lacht)

Wie schwierig ist es, sich weiterzuentwickeln, aber dennoch euren typischen Sound beizubehalten?

Wir haben so eine gute Zeit beim Schreiben unserer Musik und auf der Bühne, dass wir uns darüber keine Gedanken machen. Man weiß vorher sowieso nie, was die Leute wollen oder wie sie reagieren werden. Sicherstellen können wir nur, dass wir die Musik mögen, die wir spielen. Es gibt also keinen Plan, kein „versuchen wir, so oder so zu klingen“. Wir machen einfach das, was sich richtig anfühlt.

Heuer findet euer eigenes Festival Borgholm Brinner zum zweiten Mal statt. Was hat euch dazu inspiriert, dieses Event ins Leben zu rufen?

Letztes Jahr gab es einfach keine Festivals, die wir in Schweden spielen konnten, also haben wir uns gedacht: „Wieso nicht einfach ein eigenes veranstalten? Lass uns ausprobieren, was
passiert, einfach um zu sehen, wie schwer es ist, wie lustig es ist.“ Schlussendlich war es einfach wunderbar, beinahe magisch. Das wollen wir dieses Jahr natürlich wiederholen!

Wieso habt ihr das Schloss Borgholm, eine eher kleine Location, gewählt? Gibt es Pläne, auszubauen?

Wir haben schon vor einiger Zeit ein Auge auf das Schloss geworfen und uns hat das Konzept dort wirklich gut gefallen. Es gibt nur eine Bühne, sodass die ganze Action und die gesamte Aufmerksamkeit auf einen Punkt konzentriert ist. Wer weiß, vielleicht veranstalten wir in Zukunft auch mal woanders ein Festival. Doch in dieserVersion können wir nicht wirklich ausbauen. Es ist ein Schloss – es passen leider einfach nicht
mehr Fans rein. (lacht)

Was macht ein Festival in deinen Augen perfekt?

Für uns als Band geht es vordergründig um die Verbindung zwischen Musiker und Fan. Es können dir 200 oder 50.000 Menschen zusehen – solange jeder mitsingt und eine gute Zeit hat, ist es toll. Für Besucher sind es, meiner Meinung nach, viele grundlegende Dinge, über die sie gar nicht mehr nachdenken: gute allgemeine Organisation, ein guter Geländeplan, saubere WC-Anlagen und so weiter. Die meisten Festivals sind diesbezüglich schon sehr gut aufgestellt. Wenn das Grundlegende läuft, dann ist das Wichtigste für einen Festivalbesucher, einfach die bestmögliche Zeit zu haben.

In Österreich spielt ihr heuer wieder am Nova Rock. Was assoziierst du mit diesem Festival?

Wir waren schon mehrmals dort und es war bis jetzt immer großartig. Österreich war immer schon sehr gut zu In Flames. Aus welchen Gründen auch immer, mögen die Leute hier sehr, was
wir machen – was natürlich fantastisch für uns ist. (lacht) Denn wenn wir in Österreich spielen, dann fühlt sich das immer ein bisschen wie Heimkommen an.

Das Nova Rock feiert heuer seinen 15. Geburtstag. Wie lauten deine Glückwünsche?

Ich wünsche dem Nova Rock auf jeden Fall mindestens weitere fünfzehn Jahre sowie tolle Erfahrungen und Erinnerungen, sowohl für die Bands als auch für alle Besucher. Ich wünsche den Leuten, die dort arbeiten, dass alle immer richtig gut drauf sind, dass die Organisation immer gut funktioniert und immer schönes Wetter. In den letzten Jahren war es großartig dort, also hoffe ich, dass es noch lange so weiter geht.

Hast du zum Schluss noch ein paar Festivaltipps für eure Fans?

Oh Gott, es ist schon lange her, dass ich selbst Festivalbesucher war. Ich kann mich nur noch dunkel an ein Zelt und strömenden Regen erinnern. (lacht) Ich würde aber sagen: Haltet eure Hände sauber, trinkt genug, vorzugsweise Bier, und plant voraus!

Machen wir! Wir sehen uns in Nickelsdorf!