Di, 19. Dezember 2017

VOLUME Jahrescharts 2017: The Flatliners 'Inviting Light'

Amys Album des Jahres

Es wird kälter, die Tage werden kürzer und die Releases pro Woche werden immer weniger. Es ist also an der Zeit, das musikalische Jahr Revue passieren zu lassen, und aus all den wunderbaren Veröffentlichungen die besten Platten noch einmal aufzulegen. Jede Woche präsentiert euch ein Mitglied der VOLUME Musikredaktion sein/ihr Album des Jahres 2017. The Flatliners ließen Amys Punk-Rock-Herz in diesem Jahr höher schlagen.

They came to take our precious breath away … mit einer Platte, die ein gereiftes, reflektiertes Quartett am Rande des dunklen Melodic-Punk-Highway ins richtige Licht rückt. Denn was auf ‚Dead Language‘ bereits ansatzweise durchschimmerte, erstrahlt nun unüberhörbar auf dem fünften Langspieler der Toronto-Punks. Angeführt von einer der besten Stimmen der Szene beleuchten sie die hintersten Ecken der dunklen Punkrockseele und bringen Licht in Form von harmonisch-melancholischen Mid-Tempo-Arrangements dorthin, wo die Gefühle noch echt und wahrhaftig sind.

Auch wenn sie ein gewohnt düsterer Grundtenor weiterhin wie die schützende Dunkelheit umhüllt, war der Silberstreif am Horizont musikalisch selten greifbarer. Der melancholische Status-Quo barg selten so viel Hoffnung auf bessere Zeiten. Und es gab noch nie derart viele abwechslungsreiche Ebenen und durchdachte Kleinigkeiten auf einer Flatliners-Platte zu entdecken wie auf ‚Inviting Light‘. Mit viel Liebe zum Detail akzentuieren sie dafür ihren gewohnt feinsinnigen Melodic-Punk mit ungewohnt sanften Indie-Rock-Elementen und scheuen sich nicht davor, an mancher Stelle die grellen Scheinwerfer des Punk-Rocks auf die niedrigste Stufe zu dimmen.

Der Anspruch, sich selbst ständig aus der eigenen Komfortzone zu pushen, äußert sich nach 15 Jahren Bandgeschichte in unglaublich reflektierten Kompositionen – instrumental, lyrisch und gesanglich. Vor allem Chris Cresswell kennt seine Stärken als Sänger und Songschreiber mittlerweile ganz genau und lotet deren Grenzen immer wieder bis aufs Äußerste aus – nur um dann vielleicht noch ein bisschen weiter zu gehen, als man es von ihm erwarten würde. Während die Zwanziger noch zum Machen da waren, sind die Dreißiger eine Phase des Nachdenkens – wie uns der Meister selbst im Interview erklärte. Und das hört man … in jedem Song, in jeder Zeile und jedem Riff dieser Platte, die Licht und Schatten gleichermaßen feiert und damit wohl auch das anspruchsvollste Punkerherz höherschlagen lassen dürfte. Unconditional love dafür <3  Alles, was man über ‚Inviting Light‘ noch wissen muss, erklärt euch Chris hier höchstpersönlich!