Ein Festival, das in Erfüllung geht

New Hot Shit #70

Wünsche sind wie teurer Schampus – meistens bekommt man nicht, wonach man gelechzt hat, sondern nur Rotkäppchen und Kopfweh. Wenn man sich aber bestellen dürfte, was man will, dann würde der Tropfen Moët heißen und der Schwips wäre ein himmlischer. Ein ebensolcher Traum wäre ein FM4 Frequency Festival nach Wunsch. Nicht, dass die realen Line-ups nicht schmecken würden – ganz im Gegenteil, die haben Veuve- Qualität. Auch diesmal: Gorillaz, Macklemore, Imagine Dragons, wow! Wenn man es sich aber einschenken könnte, wie man möchte, dann würden eventuell diese Kandidaten auf der Getränkekarte stehen. Prost!

Love Good Fail

Melancholischer Elektropop

Auf der heimischen Bühne des Dream-Come-True-Festivals würden sich die Bands nur so tummeln. Ja, man bräuchte bestimmt drei Bühnen, um alle Wünsche wahr werden zu lassen. Vielleicht gäbe es auch eine extra Newcomerstage. Dort würden dann Love Good Fail spielen – zur besten Stunde, wenn die Sonne gerade untergegangen ist, ein leichter Nebelschleier über der beginnenden Nacht liegt und die Lichter intensiver werden. Denn dann käme ihr markanter Sound so richtig zur Geltung: frische, kluge Beats, sparsame Instrumentierung und ein Gesang, der das Trio von allen anderen Bands abhebt. Maria Tunner, Johannes Pobitzer und Johanna Prechtl kommen aus Wien und haben im Juni ihr Debütalbum „We Met at Night“ vorgelegt. Darauf hat das Love Triangle gleich mal alles untergebracht, was eine junge Truppe mit Zeug zu mehr vorweisen muss: Stil, Charisma, moderne Synthies und ein sicheres Händchen für eine ausdrucksstarke Soundästhetik, produziert von Sofa Surfer Wolfgang Schlögl. Ein stilvoller Auftritt!

Für Fans von The Cardigans, Ibeyi, CocoRosie
Link www.facebook.com/LOVEGOODFAIL
Aktueller Release „We Met At Night“

MEUTE

Techno Marching Band

Dem Newcomer-Status gerade entwachsen, jedoch den meisten noch eher unbekannt: die akustische Techno-Cover-Band um Thomas Burhorn, die eine Lücke füllt, von der man nicht wusste, dass sie existiert. Hypnotisch, transzendent, orgiastisch und gerne noch ein paar Superlative obendrauf, dann kommt man mit der Beschreibung dem Live-Gefühl am nächsten. Zurück zu den Wurzeln, hat sich der studierte Jazztrompeter Burhorn gedacht und seiner MEUTE den alleinigen Gebrauch von echten Instrumenten verordnet, mit extra Wumms auf die Eins. Auf der Wunsch-FQ-Aftershow-Party spielen die Hamburger ihre Versionen von Techno- und House- Klassikern wie „Rej“ von Âme, Nummern von Trentemøller oder Laurent Garnier mit einer Tuba, einer Posaune, zwei Trompeten, drei Saxofonen, drei Schlagzeugen und einer Marimba. Und wenn dann der Strom ausfällt, ist das gar nicht schlimm! Generator kaputt, Regen ins Mischpult? Macht nix, MEUTE hauen auch so rein! Da wird der letzte Tanzmuffel zum Mover. It‘s a Groove Thang!

Für Fans von LaBrassBanda, Too Many Zooz, Hot 8 Brass Band
Link www.meute.eu
Aktueller Release „Tumult“

Warmduscher

Englisch-irrer Garagenrock

Aus dem Londoner Moloch kommt die Truppe, die für den Gitarrensound auf unserem Freilos-Frequency zuständig ist! Assige Typen mit coolen Namen: Clams Baker Jr, Lightnin’ Jack Everett, The Saulcano, Mr. Salt Fingers Lovecraft und The Witherer. Saulcano praktiziert auch in der Fat White Family und zeichnet somit den deolosen Drogenchic vor. Doch zurück zu den Warmduschern: Ihre Musik klingt nach Bauarbeiterdekolleté mit Plastikglitzerarmband, richtig geil! Wie in frühen Beck-Nummern wird wild gekreuzt: Gitarrenriffs mit souligen Anklängen, Groove mit schrägen Backing Vocals, verzerrter Gesang mit rumpelnder Rockkulisse. Was die Sleaford Mods für den Hip-Hop sind, ist diese Prolo-Avantgarde für den Garagenrock. Skurril ist auch die Aufmachung der Band, was sie zu einem noch größeren Live-Magneten macht. Wenn sich Sänger Clams Baker Jr gekonnt hysterisch inszeniert, während die restliche Band Funk- und Fifties-Genre-Klischees schlachtet.

Für Fans von Fat White Family, The Black Lips, MC5
Link www.warmduscher.co.uk
Aktueller Release „Whale City“

The Internet

Funky Synth-R’n’B-Kollektiv

Die Band mit Basis in L.A. gibt es schon seit 2011, deswegen ist sie streng genommen zu alt f+r den „New Hot Shit“. Da Album Numero 4 aber frisch auf dem Plattenteller liegt, kriegen die California Boys und das Girl ausnahmsweise einen Slot auf unserem Festival der Träume. „Hive Mind“ ist ausgereift: abgehangener Synth-Funk mit beeindruckender Gitarren- und Bassarbeit. Jeder der Fünf ist ein Genie am Instrument: Schlagzeug – eine Bank! Produktion – auf Zack! Syd am Gesang macht klar, wie Soul 2018 zu klingen hat. Gerade der Zusammenschluss unter dem Dach der Odd Future Gemeinschaft zeigt, wie cool einzelne Talente zu einer Einheit verschmelzen. Dass es eine derartige Band so nicht noch mal gibt, wird schnell klar. Auch ihr Support für Vielfalt fällt nur positiv auf die Hip-Hop- und R’n’B-Gemeinde zurück, denn mit der lesbischen Syd und dem schwulen Steve ist selbstverständlich auch deren Sichten aufs Leben in die Szene eingezogen.

Für Fans von Frank Ocean, The Weeknd, The Roots
Link www.internet-band.com
Aktueller Release „Hive Mind“