"Um es mit einem meiner Songs zu sagen: Ich würd's wieder tun!"
Andrea Berg im VOLUME-Interview
Viele sagen, sie sei das Sympathischste, das die Schlagerwelt je hervorgebracht hat. Andere sagen, sie sei eine Legende. Meine Omi sagt, „sie ist einfach nur fantastisch“. Jedenfalls würde niemand behaupten, sie nicht zu kennen, auch wenn man sich sonst so gar nicht im berüchtigten Schunkel-Genre rumtreibt. Beim Interview mit Schlagerstar Andrea Berg hat sich VOLUME musikrichtungstechnisch weit aus dem Fenster gebierzeltet. Für die August-Termine in Österreich. Und für eine herzenstreue Fangemeinde, die mindestens drei Generationen umfasst.
Andrea, du stehst seit über drei Jahrzehnten an der Spitze. Wenn du heute dein 1995er-Album „Gefühle“ hörst: Welchen Ratschlag von heute würdest du der Andrea von damals geben, die gerade erst merkte, dass „Die Gefühle Schweigepflicht haben“?
Ich würde ihr sagen: Mach alles ganz genau so, geh deinen Weg und höre dabei immer auf dein Herz. Das war mir immer wichtig. Oder um es mit einem meiner Songs zu sagen: Ich würd’s wieder tun! Und das Schöne ist ja, dass Gefühle in unseren Konzerten der letzten über 30 Jahre niemals Schweigepflicht hatten.
Worauf dürfen sich die Fans bei deinem Auftritt am 18. August auf der Seebühne in Mörbisch besonders freuen?
Wir haben eine ganz neue Show für unsere Sommer-Open Airs gebaut. Ich habe meine Band mit dabei und meine Tänzerinnen und Tänzer. Wir freuen uns riesig darauf, mit den Fans einen unvergesslichen Abend zu genießen, voller Emotionen, Lebensfreude und natürlich mit allen Hits, die uns seit drei Jahrzehnten miteinander verbinden. Mir ist wichtig, dass die Menschen nach Hause gehen und sagen: Das war nicht nur ein Konzert, sondern ein Erlebnis, das mich berührt hat. Und die Seebühne versprüht ohnehin immer eine ganz besondere Magie.
Mit auf unserer Setlist haben wir ganz viele der Songs, die wir für die neue Edition meines Best Of-Rekordalbums in den Sound der heutigen Zeit transportiert haben. Ihr dürft gespannt sein …
Apropos See. Nach dem Auftritt in Mörbisch und den weiteren Sommer Open Airs steht Ende September die „Andrea Berg Cruise 2026“ auf dem Programm. Warum glaubst du, suchen die Menschen gerade heute so sehr nach dieser heilen Welt und der Gemeinschaft auf einem Schiff? Ist Schlager heute mehr Eskapismus oder mehr Lebenshilfe?
Die Sehnsucht nach dem Meer hat mich seit unserer ersten Cruise 2024 nicht mehr losgelassen. Diese besondere Mischung aus Freiheit, Gemeinschaft und all den berührenden Momenten war einfach etwas ganz Besonderes. Ich habe unzählige Erinnerungen mit nach Hause genommen: herzliche Gespräche, wunderbare Konzerte und das Gefühl, dass wir diese Reise alle miteinander erlebt haben. Und deshalb freue ich mich jetzt riesig darauf, schon bald wieder gemeinsam in See zu stechen und neue Erinnerungen zu schaffen.
Zu Ihrer zweiten Frage: Ich möchte mit meinen Songs die Sonnenseiten des Lebens in den Vordergrund rücken und den Menschen gute Laune bereiten, ihnen aber auch in schwierigen Situationen mit meiner Musik und meinen Texten Halt geben.
In deinen Texten geht es oft um das ganz große Glück in den kleinen Momenten. Wenn du zwischen den Mega-Shows in Aspach und der Cruise im September mal einen Tag komplett für dich hast: Was ist der unspektakulärste Moment, der dich am glücklichsten macht?
Es sind wirklich die vermeintlich kleinen Dinge. Den Sonnenaufgang über dem Weinberg von unserem Balkon aus zu bestaunen oder einfach nur an unserem Fischteich die Fische zu füttern und dabei die Ruhe zu genießen. Ich bin sehr gerne in der Natur unterwegs beim Joggen oder mit unseren Hunden, so kann ich perfekt abschalten.
Zum Abschluss deines Heimspiel-Wochenendes in Aspach gibt es am 19. Juli kein großes Feuerwerk und keine 300-Quadratmeter-LED-Wand, sondern „nur“ dich und die Fans. Ist dieser unmittelbare Kontakt, das Händeschütteln und in-die-Augen-Sehen, für dich anstrengender oder eigentlich die Batterie, die dich für die Arena-Touren auflädt?
Ganz ehrlich: Das ist für mich keine Anstrengung, das ist pures Glück. Wenn ich in die Augen der Menschen schaue und sie mir ihre Heimspiel-Erlebnisse berichten, dann macht mich das immer wieder aufrichtig dankbar.
Mein Heimspiel ist in den vergangenen 20 Jahren stetig gewachsen, hat seinen familiären Charakter aber immer bewahrt und fühlt sich weiterhin wie ein großes Treffen unter Freunden an. Viele Fans bleiben die ganze Woche in der Region und genießen diese ganz besondere Zeit. Das Bergfest ist deshalb für uns alle ein richtig toller Abschluss und ich nehme mir sehr gerne viel Zeit, um Danke zu sagen.
Wir sehen bei deinen Konzerten drei Generationen in einer Reihe stehen. Was glaubst du ist das verbindende Element, das bei deinen Shows eine 20-Jährige heute genauso abholt wie ihre Großmutter?
Ich glaube, es ist die besondere Nähe in den Songs, die uns so verbindet. Ich singe nicht einfach Lieder, sondern schreibe alle Stücke selbst und erzähle Geschichten aus dem Leben, in denen sich viele wiederfinden. Dadurch entsteht eine starke Verbindung zu den Menschen, auch über Generationen hinweg. Jeder Song trägt für mich eine persönliche Bedeutung und Tiefe.
Manchmal schenken die Lieder Trost, manchmal machen sie einfach leichter und fröhlicher, ein bisschen wie eine Tüte Gummibärchen für die Seele. Jeder greift sich genau das heraus, was er oder sie gerade braucht: etwas, das stärkt, ablenkt oder neuen Mut gibt.
Diese Energie – oder vielleicht kann man es auch Liebe nennen – kommt direkt zurück. Am Ende ist es immer ein gemeinsamer Abend voller Emotionen, Party, Hits und dem Gefühl, unter Freunden zu sein. Wie in einer großen Familie.
Du bist Hotelierin und Weltstar zugleich. Wie schnell gelingt dir der Switch von der Gastgeberin zur Ikone, die vor 30.000 Menschen im Scheinwerferlicht steht?
Neben der Bühne habe ich ein ganz normales Leben, aus dem ich dann ausbreche, wenn es wie jetzt wieder auf Tour geht. Das ist für mich wirklich auch eine tolle Abwechslung, ohne die die Energie für die Musik über 30 Jahre hinweg glaube ich so nicht dagewesen wäre. Ich habe die Musik nie als meinen Beruf gesehen, sondern als große Leidenschaft.
Auf der Live-Edition zu deiner letzten Arena Tour gibt es Bonustracks wie „Nächstes Mal sag ich dann Nein“. Ist das eine Hymne der Abgrenzung? Wie viel „Nein“ musstest du lernen, um heute so befreit „Ja“ zu sagen?
Früher wollte ich oft allem und jedem gerecht werden. Heute sehe ich die Dinge viel gelassener, aber auch klarer. Ein Nein ist deshalb für mich nichts Negatives. Im Gegenteil. Es schafft Raum für die Dinge, die ich mit ganzem Herzen und voller Leidenschaft machen möchte.