Fr, 11. Oktober 2019
Next Level

Next Level

:aexattack im Interview

Im Anlauf zum zweiten Album haben :aexattack extra weit ausgeholt und ihre ganz eigene Mischung aus Grunge, Rock und Pop in über zwei Jahren intensiver Arbeit bis ins kleinste Detail perfektioniert. Zum Release des Ergebnisses, mit dem klingenden Titel „LEVEL7“, haben wir uns mit dem Sänger und Gitarrist Axl Vers auf ein Bier getroffen und darüber gesprochen, warum die Entstehung des Albums eine Gruppentherapie war, welche Rolle die Texte dabei spielten und inwiefern sie von weiblichen Kolleginnen beeinflusst werden.

Ein Track des neuen Albums heißt „MADONNA“. Was ist dein Lieblings-Madonna-Song?

„Like A Virgin“ natürlich. Ein Klassiker. Madonna war irrsinnig wichtig für die Musikgeschichte und wir alle in der Band sind große Madonna-Fans.

Also ist der Song auch ihr gewidmet?

Nein, nicht wirklich. Wir sagen oft so: „Uh, Madonna“. Wir verwenden das eher als Begriff dafür, wenn etwas „Wahnsinn“ ist. Das gehört schon zu unserem Wortschatz.

Stichwort „PARADISE“ – Wie würde dein persönliches Paradies aussehen, wenn du es dir so gestalten könntest, wie du möchtest?

Hm, wie schaut ein Paradies aus? Ich glaube, ein Paradies ist im Endeffekt, wenn man sich wohlfühlt, mit dem, was man tut. Und wenn auch das Umfeld, in dem man sich selbst bewegt, das persönliche Paradies ist.

In einem Interview mit VOLUME habt ihr 2015 gesagt, dass euch in Zukunft wichtig ist, musikalisch euren eigenen Stil zu finden. Ist euch das mit dem neuen Album „LEVEL7“ gelungen?

Wir sind dem Ganzen auf alle Fälle einen Schritt näher und für uns ist einiges passiert in diesem Prozess. Wir haben uns neu formatiert. Wir sind viel mehr zusammengewachsen im Spielen und im Komponieren. Man versteht sich mehr oder weniger blind. Das ist etwas, was im Nachhinein, wenn man das fertige Album hört, das Schönste ist für uns. Dass wir die Energie, die wir während des Prozesses verspürt haben, darauf hören können.

(c) Katharina Maria Schaffer

Ein weiteres Thema in besagtem Interview  war der geringe Frauenanteil am FM4 Frequency Festival 2015. Hat sich der österreichische Musikmarkt in den letzten Jahren im Hinblick auf den Frauenanteil deiner Meinung nach verändert?

Ich finde, es gibt extrem tolle Frauenbands und Artists. Es geht einfach grundsätzlich um Kunst. Jegliche Kunst sollte unterstützt werden. Frauen wie Männer schaffen diese Kunst, um die es primär geht. Und auch Frauen wie Männer konsumieren Kunst. Für mich persönlich ist der Schritt, was die Aufmerksamkeit auf der Thematik betrifft, auf jeden Fall in die richtige Richtung gegangen. Wir als Band würden gerne einmal mit einigen dieser Frauen in Österreich oder auch international auf derselben Bühne spielen oder sie supporten. Auch in meiner persönlichen Mediathek ist der Anteil an Frauen, die Musik schaffen, sehr groß.

Hättest du ein paar Beispiele aus deiner Playlist?

Es ist sehr breit gefächert. St. Vincent ist auf jeden Fall eine Künstlerin, die ich richtig inspirierend finde. Es geht auch bis zu Nicki Minaj, wo man sich dann mit der Musik beschäftigt, die gerade in den Charts populär ist.

Frauen im Business werden ja auch oft darauf angesprochen, ob sie sich von den Männern in der Branche herausgefordert fühlen. Ist das eine Thematik, die euch als Band beschäftigt, oder glaubst du es herrscht doch hauptsächlich ein Miteinander in der Branche?

In dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, existiert das Wort Sexismus nicht wirklich. Es gibt bestimmt viele Kreise, wo das noch überhaupt nicht angekommen ist, und die Frau eine Rolle spielt, die hauptsächlich klischeeerfüllend ist. Dieser Gedanke war bei uns nie existent. Wir haben die Frau nie als solches in einer Rolle gesehen, sondern für uns waren Mann und Frau immer komplett gleich. Das Thema Sexismus ist natürlich etwas, das man mitkriegt. Aber wir sind überhaupt keine sexistische Band. Wir würden niemanden, egal ob Frau oder Mann, in eine Rolle stecken. Irgendwo finde ich es aber auch schräg, zu sagen, dass es eine Quote braucht. Das ist schwierig, weil es eigentlich um die Kunst geht. Ohne weibliche Künstlerinnen, wie z.B. Madonna, wäre die Popgeschichte nicht da, wo sie ist. Es geht primär um die Musik. Das zu regeln, finde ich schwierig. Es geht um das Miteinander, denn nur so kann es funktionieren! Wir hätten auch gerne eine Frau am neuen Album gehabt, aber es ist dann leider nicht zustande gekommen, weil für uns dann der Prozess der Fertigstellung so schnell gegangen ist, dass all diese großartigen Pläne, die man probiert umzusetzen, dann leider oft links liegen bleiben. Aber das wäre schon einmal schön. Unser eigenes Label Sissi Records und auch unsere Zusammenarbeit mit Ink Music besteht ja auch schon zu 100% aus Frauenpower.

Vielleicht ja auch mit Madonna …

Ja, das wär ja überhaupt ein Highlight. Meine Mama und mein Papa würden durchdrehen. (lacht)

Stichwort: „temporary LOVE“ – Gibt es wirklich kein „für immer“?

Für immer ist so eine arge Phrase. Ich glaube tatsächlich, dass sich alles, auch das Konzept hinter einem Album, irgendwo wendet und dreht … in gewissen Abständen. Das ist das „temporary“, welches hier gemeint ist – die Veränderung. Deshalb glaub ich nicht wirklich an ein„für immer“.

Ihr habt die Entstehung von „LEVEL7“ auch als eine Art Gruppentherapie beschrieben. Was war daran so therapeutisch für euch?

Fünf Menschen arbeiten an einem Projekt und das strapaziert. Vor allem, wenn man sich auch freundschaftlich gut versteht. Wir haben das Projekt :aexattack früh gestartet – mit 13 oder 14 Jahren, doch jetzt ist man auf einmal Mitte bzw. Ende 20 und man arbeitet ganz anders daran. Diesen Groove zu finden, wie es wieder harmonisch werden und wieder funktionieren könnte – das ist fast wie eine Therapie.

„Ändert sich die Perspektive, ändert sich auch die Wahrnehmung.“ Das ist das Ergebnis der Gruppentherapie. Inwiefern hat sich dann eure Zusammenarbeit dadurch verändert?

Jeder für sich, in seiner Rolle in der Band, hat mehr von dem Gegenüber zugelassen. Man hat sich nicht mehr auf seine eigene Vorstellung eingeschränkt, sondern man hat wirklich aktiv zu fünft an der Musik gearbeitet. Durch das Ganze hat man einfach ein Gespür dafür bekommen, offener zu sein für das, was die anderen einbringen. Aus diesem Schöpfen haben wir extrem geerntet.

Also schreibt ihr auch alle eure Songs gemeinsam und jeder trägt einen Teil dazu bei?

Genau, das war das Endresultat dieser Produktion.

(c) Katharina Maria Schaffer

„Love yourself in paradise“ oder „I‘m one man army strong“ – Wie wichtig ist es euch, solche Messages auf dem Album weiterzugeben?

Genau diese Messages sind die Idee davon, als Hörer oder Hörerin selbst etwas hinein zu interpretieren. Für uns persönlich sind diese Botschaften das Gefühl der Musik, die man transportieren möchte. In „PARADISE“ zum Beispiel eher rough: „love yourself in paradise“ oder auch „fuck the art and shoot me now, magic 7, I‘m in heaven“ – das ist genau das, was die Musik für mich auslöst. Dieser Slogan pickt beim Texten dann irgendwo in meinem Kopf und auf das hin baut man dann den Text auf. Sehr oft sind diese Slogans genau das Gefühl, was die Musik vermittelt. Man versucht, Musik und Message zu matchen und das den Hörern und Hörerinnen mitzugeben.

„F Y“ (Future Youth) oder auch „Fuck You“? Wie beabsichtigt war die Doppeldeutigkeit?

Das ist passiert, als ich Tracklist das erste Mal vor mir hatte. Der Song heißt „Future Youth“. In dem Moment habe ich mir gedacht, das ist in Verbindung mit dem Refrain doch dann auch wieder ein schöner Slogan, den man mitgeben kann, um das Ganze zu unterstützen. Man darf sich also frei überlegen, was es bedeutet.

Das werden wir machen. Vielen Dank fürs Gespräch, Axl!

Wer sich live von „LEVEL 7“ überzeugen möchte, kann das am 15. Oktober bei der Release-Show im rhiz tun.