Di, 13. Oktober 2015

Forever Fett

Fettes Brot im Interview

Echt fett: König Boris, Doktor Renz und Björn Beton stehen seit 1992 für Wortwitzmusik mit Anspruch und Niveau! Selbst nach dreiundzwanzig Jahren im Showgeschäft überzeugt das hanseatische Sprechgesangstrio mit hörbar viel guter Laune, schier unendlicher Kreativität und Spaß an der Freude. Bester Beweis: „Teenager vom Mars“, das achte Studioalbum von Fettes Brot. Gute Unterhaltung mit den köstlichen Wortspenden, die uns die drei Herrschaften vor ihren Gastspielen in Linz, Graz und Wien diesen Oktober gegeben haben.

Wieso wollen drei Männer nach 23 Jahren Musikbusiness noch immer nicht erwachsen werden?

Wir haben nichts gegen das Erwachsensein, denn wir sind es ja längst auch. Aber die Wirklichkeit drängt uns immer aufs Neue, den Spirit der jugendlichen Revolte zu bewahren.

Zu welchem Sound haben Fettes Brot im Sommer 2015 ihre jugendliche Revolte getanzt?

Klingt wie die perfekte Einschleimung: Aber es waren doch wahrscheinlich am meisten Wanda und Bilderbuch.

Dafür muss sich niemand schämen, ganz im Gegenteil! Was zeichnet echte Teenager vom Mars besonders aus?

Der Blick von ganz weit weg auf unseren kleinen seltsamen blauen Planeten.

Welcher Planet spielt in eurem Leben die größte Rolle?

Uns gefällt der riesige Spielplatz genannt Erde am besten. Ihr seid so komisch lustige Typen hier.

Lang ist’s her! Was ist euer Gütesiegel ‚Außen Top Hits, innen Geschmack‘ heute noch wert?

Stiftung Warentest sagt: sehr gut.

Und: Immer noch ‚Auf einem Auge blöd‘?

Ja, deshalb tragen wir auf Tour auf der Bühne jetzt immer eine Augenklappe. Dann fällt das nicht mehr so auf.

Gratulation! Auch die neue Platte macht definitiv Laune, nichtsdestotrotz dürfen auch dieses Mal gesellschaftskritische Texte nicht fehlen. Wie wichtig ist euch Unterhaltung mit Inhalt?

Pop ist für uns immer am spannendsten, wenn Haltung und Unterhaltung zusammen kommen. Und da wir drei nicht nur eine gute Party zu nehmen wissen, sondern uns ab und zu auch Gedanken über die Welt, in der wir leben machen, spiegelt sich das automatisch in unserer Musik wieder.

In Sachen Sound hat auch diese Platte wieder einige Überraschungsmomente. Wie wichtig ist euch stilistische Veränderung?

Wir wollen uns nicht langweilen und vermeiden es, uns allzu häufig zu wiederholen. Wenn es zu gemütlich wird, ziehen wir uns gerne selbst den Boden unter den Füßen weg.

Wie oft sagt ihr heute noch Jein?

Diese Zwickmühle ist ein lebenslanger Begleiter.

Kayne West will Präsident werden. Wann wird König Boris endlich Bundeskanzler?

Größenwahn ist natürlich eine sehr feine Sache, aber momentan macht mir die Musik noch zu viel Spaß.

Wer ist schlimmer: Schlagersänger oder Schlagerhörer?

Die Frage ist doch, warum sich in einer Zeit, in der es an vielen Ecken dieser Welt brennt und massive Veränderungen stattfinden, so viele Leute auf Schlagermusik einigen. Eine Musik, die keinerlei Bezug zur realen Welt hat und im schlechtesten Fall ein rückwärts gewandtes, 1950er Jahre Weltbild verbreitet. Musik sollte mehr wollen und können.

Bei ‚Alle hörn jetzt Schlager‘ geht ihr mit der Schlagerszene ganz schön ins Gericht. Gehen für euch Schlager und Konservatismus Hand in Hand?

Nicht unbedingt. Es gibt Lieder, die man zum Genre Schlager zählt, aber tolle Texte haben und die sich mit großen Themen und aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen. ‚Griechischer Wein‘ von Udo Jürgens ist so ein Beispiel. Ein Song über Gastarbeiter. Sehr ungewöhnlich für die damalige Zeit.

Mit welchem Musiker oder welcher Band aus der Alpenrepublik würdet ihr gerne einmal gemeinsam auf der Bühne stehen?

Ein schönes Konzert mit Bilderbuch könnten wir uns durchaus vorstellen…

Was passiert im Oktober bei Fettes Brot in Linz, Graz und Wien?

Randale bis sich was ändert. Wir werden wieder mit unserer tollen Band unterwegs sein und alle, die nicht mit einem Lächeln und einem zerrissenen T-Shirt nach Hause gehen, bekommen ihr Geld zurück! Vielleicht…

Und wie hoch gewinnt Österreich bei der EURO 2016 gegen Deutschland?

Da müsst ihr die Brasilianer fragen…

Nicht nötig! Jetzt freuen wir uns erst einmal auf Fettes Brot diesen Oktober in Österreich.