Mi, 21. September 2016

Discofieber

Roosevelt im Interview

Ein junger Deutscher, der auszog, um den Pop seiner Träume zu finden. Doch Marius Lauber aka Roosevelt musste die Kölner Clubs nicht einmal verlassen – das britische Label Greco-Roman fand ihn und katapultierte ihn über Nacht ins Blickfeld der internationalen Fachpresse. Vier Jahre später löst der Multiinstrumentalist mit seinem selbstbetitelten Debüt die segensreichen Vorschusslorbeeren ein und serviert ein elektronisches Pop-Wunder, das Kraft aus der Vergangenheit schöpft und auf den Schultern von Giganten den Blick nach vorne wagt. VOLUME hat mit dem Nachwuchskünstler ein Interviewtänzchen aufs Parkett gelegt.

Nach dem ersten Lebenszeichen vor vier Jahren warteten alle sehnsüchtig auf dein Debütalbum. Nun ist es endlich da! Wo und wie lange hast du daran getüftelt?

Nach einem intensiven Festivalsommer 2014 kam für mich der Zeitpunkt, an dem ich mich ein bisschen rausnehmen musste. Ich habe mir in Köln ein Studio gesucht und von Mitte 2014 bis zum letzten Jahreswechsel an dem Album gearbeitet. Das waren nur eineinhalb Jahre – eigentlich ganz in Ordnung für ein Album. Mir ist aber natürlich bewusst, dass die Leute da draußen vielleicht anfangs ein bisschen verwirrt waren. Wo ist er hin und was macht er? Ich war davor ständig verfügbar, habe live gespielt und Singles rausgebracht. Für mich war es aber wichtig, alles auf mich wirken zu lassen und ein bisschen vom Gas zu gehen, um in Richtung Album zu denken.

Schon lange vor der Veröffentlichung von ‘Roosevelt’ wurdest du von der Fachpresse mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Fluch oder Segen?

Segen! Den Druck, der in diesem Kontext ein Fluch sein kann, mache ich mir schon selbst. Ich wollte die beste Platte machen, die ich nur machen kann. Wenn meine Ansprüche an mich selbst nicht wären, würde ich den Druck von außen vielleicht auch spüren. Doch alles, was von außen kam, hat die Zeit im Studio tatsächlich erträglicher gemacht. Wenn man weiß, dass das, was man da gerade macht, eine Hörerschaft haben wird. Das hat mich motiviert!

Welche Rolle spielt dabei dein Label Greco-Roman?

Es hat mir wahnsinnig geholfen, nicht bei einem deutschen, sondern bei einem englischen Label zu sein. So lässt sich auch die internationale Aufmerksamkeit ganz simpel erklären. Ich werde immer wieder gefragt, wie ich meinen internationalen Sound kreiere, aber das kann ich selbst nicht beantworten. Das hat vermutlich einfach damit zu tun, dass ich nie explizit als deutscher Künstler wahrgenommen wurde.

Du hast alles im Alleingang eingespielt. Ist Marius Lauber ein kontrollsüchtiger Perfektionist?

Ich habe nie bewusst die Entscheidung getroffen, Leute auszuschließen. Das ganze Konzept von Roosevelt geht davon aus, dass ich alles selbst einmal ausprobiere. Es hat alles als Experiment angefangen: Kann ich einen Track machen und live spielen? Diese naive Grundeinstellung habe ich auch auf dem Album beibehalten. Ich habe einfach mein Bestes gegeben.

Du wolltest ja schließlich auch den besten Pop machen, den du dir vorstellen kannst. Ist dir das gelungen?

Ja, das ist auch der Grund, warum es so lange gedauert hat. Ich will wirklich nur Sachen rausbringen, hinter denen ich voll und ganz stehe. Anders kann man damit auch nicht zwei oder drei Jahre auf Tour gehen. Man muss diese Stücke jeden Abend performen – die muss man schon mögen.

Die Platte ist euphorisch und gleichzeitig unglaublich melancholisch – wie hältst du die Balance?

Mich fasziniert Musik immer am meisten, wenn kontrastierende Stimmungen aufeinandertreffen. Ich fand glückliche Songs oder rein traurige Stücke noch nie toll. Es ist total spannend, wenn beispielsweise die Tanzbarkeit einer clublastigen Produktion auf einen traurigen Text trifft. Das habe ich auch auf dem Album zumindest unterbewusst versucht: Clubmusik zu machen, die eine tiefere Ebene hat.

Wichtigste Frage zum Schluss: Was haben der 26. Präsident der Vereinigten Staaten und du gemeinsam?

Nichts! (lacht) Doch ich fand den Namen phonetisch einfach super. Der Klang bei der Aussprache löst irgendetwas in mir aus, das sich auch in meiner Musik wiederfindet. Ich kann kaum erklären warum, aber so ähnlich schreibe ich auch meine Texte. Manchmal suche ich ewig nach dem passenden Wort für eine bestimmte Zeile. Andererseits finde ich die Assoziation mit Präsident Roosevelt ganz angenehm, weil mich der American Dream und alles, was da so mitschwingt, schon faszinieren.

Live your dream, Roosevelt! Wir sehen uns am 21. Oktober 2016 in Wien wieder!