Positiv

Wir müssen reden! #50

Ich hatte mal einen Kollegen namens Manuel, dessen Vorliebe für anonymen, schnellen Sex in diversen Darkrooms und öffentlichen Toiletten und schlampige Sorglosigkeit zu einer HIV-Infektion geführt hat. Manuel ist mittlerweile Anfang Vierzig, arbeitet immer noch im gleichen Laden und hat sich augenscheinlich ganz mit seinem Zustand arrangiert. Starke medikamentöse Behandlung und häufige Arztbesuche sind gleichermaßen Bestandteil seines Lebens, wie auch weiterhin regelmäßige Schäferstündchen mit willigen Männern.

Wie war das damals, als du die Diagnose bekommen hast, dass du positiv bist?
Ganz ehrlich? Ich hab eh irgendwie damit gerechnet. Sicher ist es kein geiles Gefühl, wenn du das da schwarz auf weiß lesen musst. Aber ich bin halt selbst Schuld. Hab’ ja immer gewusst, worauf ich mich da einlasse. Ficken ohne Verpflichtung und ohne Gummi war halt wichtiger. Meine ersten Gedanken nach der Diagnose waren darum eher pragmatisch. Was passiert jetzt, mit wem muss ich reden, was kann ich tun?
Das war vor zwei Jahren. Wie geht’s dir jetzt?
Siehst eh, ich lebe. Ganz gut sogar! Bekomme halt viele Medikamente und bin oft beim Arzt. Ich bin ja „nur“ positiv, das heißt, das Virus wird quasi noch unter Kontrolle gehalten, ich bin noch kein AIDS-Patient. Abgesehen von ein paar kleinen Nebenwirkungen der Behandlung kann ich aber ein recht normales Leben führen. Mein Alltag hat sich kaum verändert.
Du vögelst dich also immer noch durch die Weltgeschichte?
Ja, kann man schon so sagen! Jetzt eigentlich fast noch mehr als früher. Aber keine Sorge – ich weiß genau, was ich mache und mit wem. Ich lasse mich nur noch von anderen Positiven ficken, mit Negativen läuft gar nichts mehr. Die sind für mich Tabu, auch nicht mit Gummi. Ein Restrisiko bleibt immer und diese Verantwortung laste ich mir nicht auf.
Woran erkennst du oder woher weißt du, wer HIV-positiv ist?
Den anonymen Darkroom-Shit mach ich nicht mehr. Da gibt’s so eine Erfindung namens Internet, da treiben sich allerhand Gestalten rum… (lacht) Nein, im Ernst: Es gibt genügend Foren und Chats zum Thema. Da findet man sich immer wen. Männer sind eben Männer, wir können und wollen doch immer!
Und wie sieht’s aus in der Liebe? Bah, wer braucht schon Liebe?
Ich hatte bis vor drei Monaten eine Beziehung, hat fast ein Jahr gehalten. Aber irgendwie bin ich wohl nicht geschaffen für Monogamie. Ein bisschen Angst davor, ganz alleine zu sterben, habe ich schon, muss ich zugeben.