Hobbyhure Hannah

Wir müssen reden! #49

Unser Kolumnist Karl Katz im intimen Gespräch über die Highlights und Abgründe der schönsten Nebensache der Welt – abseits der Missionarsstellung. Hannah ist 27, verheiratet, arbeitet Teilzeit im Callcenter und ist Hobbyhure. Ein Mal im Monat lässt sie sich von ihrem Ehemann Paul bei speziellen Partys gegen einen Unkostenbeitrag von 50 Euro an ziemlich viele Männer „vermieten“.

Andere sammeln Briefmarken als Hobby. Oder sie angeln, spielen Tennis, stricken, probieren exotische Kochrezepte. Du verkaufst deinen Körper.
Du willst wissen, warum ich das freiwillig und auch noch so gerne mache, oder? Eine große Rolle spielt natürlich der Tabubruch und das völlige Abhängigsein und Hörigsein meinem Mann gegenüber, der in diesen Momenten mein Besitzer und gleichzeitig Beschützer ist. Ich bin ihm und seinen „Kunden“ macht- und willenlos ausgeliefert. Aber ich weiß, dass ich ihm blind vertrauen kann. In genau diesen Momenten fühle ich mich so geborgen und sicher wie sonst nie.
Dieses Vertrauen könnt ihr nur durch dieses – ich möchte sagen „unkonventionelle“ – Hobby erkennen?
Nein, das Vertrauen ist die Basis. Wäre das nicht da, hätte ich mich nie darauf eingelassen. Und es war auch sehr sehr schwierig anfangs. Es ist sehr schwer zu beschreiben, aber diese Tabubrüche und dieses Austesten, wie weit man gehen kann, wo die eigenen Grenzen liegen… Es ist fast schon spirituell.
Wie hat das denn begonnen? Hast du einfach gesagt „Hey, verkauf’ mich mal an fremde Männer!“, oder wie hat sich die Idee entwickelt?
(lacht) Fast! Nein, wir sind beide seit Jahren Swinger – haben uns auch im Swingerclub kennengelernt. Ich stehe unheimlich auf Sex, kann kaum genug davon bekommen. Außerdem habe ich natürlich auch eine sehr devote Ader. Der Paul ist passenderweise eher dominant. Wir haben viel ausprobiert, vor allem in der SM-Szene. Dabei haben wir herausgefunden, dass uns das Lack- und Lederzeugs und auch die „herkömmlicheren“ Praktiken wie Peitschen, Fesseln und das ganze dramatisch inszenierte oberflächliche Drumherum gar nicht zusagt. Uns gefällt die unprätentiöse Rollenverteilung ohne Schnickschnack. Paul verfügt über mich und ich füge mich. Er bestimmt, wie weit es geht, und er weiß auch genau, wann für mich genug ist.
Spielt Eifersucht gar keine Rolle? Du „betrügst“ deinen Mann doch dann quasi, auch wenn es einvernehmlich passiert. Schläft er auch mit anderen Frauen?
Genau das ist es ja! Es ist kein Betrügen! Würde ich ohne sein Beisein oder gar sein Wissen mit anderen Männern schlafen, dann wäre unsere Beziehung beendet. Umgekehrt genauso – wobei er sowieso keine anderen Frauen fickt. Er schläft nur mit mir, andere interessieren ihn gar nicht. Es macht ihn geil, über mich zu verfügen und mir dabei zuzusehen, wie ich von möglichst vielen Schwänzen verwöhnt werde. Manchmal sind das bis zu 20 an einem Abend. Sobald sie weg sind, markiert er noch einmal sein Revier – das ist für uns beide immer das Schönste.
Und warum nehmt ihr Geld? Ist das einfach eine zusätzliche Einkommensquelle?
Nein, überhaupt nicht! Paul verdient in der Baubranche ganz gutes Geld und ich habe ein kleines Nebeneinkommen im Callcenter, zusätzlich studiere ich ja noch Deutsch und Geschichte auf Lehramt. Wir planen zurzeit, eine kleine Familie zu gründen. Die Kohle, die Paul für mich verlangt, ist wichtiger Teil des Spiels. Ich bin keine Gratis-Schlampe, ich bin Pauls Hure und die Männer kaufen sich von ihm einen Fick mit mir und mehr nicht.
Werdet ihr damit weitermachen, wenn das Baby dann mal da ist?
(überlegt) Das ist eine gute Frage. Ich glaube, das wird sich dann zeigen und sich nach den Umständen richten. Wir sind ja beide noch nie Eltern gewesen, wir würden aber nie etwas tun, das unserem Kind schaden könnte.