Rokko Ramirez rotzt (29te Ausgabe)

Die Reformation der Revolution

MACHT doch was Gscheites!

Wenn die dunkle Seite der Macht die letzte Bastion der Jedi Ritter endgültig in Geiselhaft genommen hat, dann steht das Ende der Welt definitiv bevor. Und das in einer extrem entfernten Galaxie lange lange vor unserer Zeit. Bürgerkrieg und Revolution.
Da wird jahrelang alles unternommen, um das Imperium zu stürzen und Todessterne auszuradieren, sogar kleine Bären müssen herhalten, um die intergalaktischen Sturmtruppen in die Knie zu zwingen, egal ob auf Wüsten- oder Eisplaneten, auf dem Rücken von Banthas und Jerbas. Und bumm, Alderaan wird trotzdem einfach weggelasert, dass sogar einem nahezu jugendlichen Harrison Ford die Genitalien auf Grundeis raspeln.
Das Unglaubliche, das, was in keinem Skript steht, folgt: Darth Vader wird nicht von seinen Sünden erlöst und bekehrt, nein, er scheißt einfach drauf und tritt zurück. Dem Imperator ist das gänzlich wurscht und er lässt von seinen Generälen einen neuen Spaßvogel wählen, einen schwarzen Ritter mit Hang zur Hyperventilation, ausgestattet mit teilweise äußerst brutalen Talenten und natürlich: Der MACHT. Schon dreht sich der Todesstern munter weiter.
Kurze Atempause.
Ganz ganz woanders und viel viel später sitzt ein XVI. einsam und verlassen auf einem Heiligen Stuhl. Das ihm von Gott (dem Original) verliehene Amt wiegt schwer auf seinen Schultern. 1,2 Milliarden zu betreuende Schäfchen sind doch zu viel für ihn. Oder ist es das – durch seine vielen Vasallen verschuldete – Chaos, welches ihn in seinem glaspalästlichen Vatikan ins Burn Out zwingt? Es ist schwierig zu erklären, wenn in einem gottgewollten Konglomerat aus missinterpretierten Buchtexten, einer fehlgeleiteten Zentralbehörde und korrupten Klerikalpolitikern eine MACHT entsteht, welcher der oberste Hirte vollkommen hilflos gegenüber steht. Was haben seine Vorgänger schon alles angerichtet? Die grauslichen Superlative im Aufzählmodus sind schier unendlich. „Deus vult“ (Gott will es) und basta! Doch nicht mit ihm! Ohne sich an das päpstliche Skript zu halten, scheißt er einfach drauf. Gott sieht es gelassen. Er lässt seine Kardinäle einfach den nächsten jugendlichen Kreis, mit Hang zu weißen Gewändern und toten Fremdsprachen, auf den heiligen Stuhl hieven, ausgestattet mit viel Duldsamkeit, verstaubter Tradition und natürlich: Der MACHT. Schon dreht sich der Vatikan munter weiter. Doch wie lange lange?
Seit die Erde auch außerhalb der Fiktion keine Scheibe mehr ist, hat sich nicht allzu viel getan in der klerikalen Welt. Allmächtig und allwissend fehlt anscheinend die Motivation zur Weiterentwicklung. Es gilt nicht allein die Zerstörung des Zölibatskorsetts voranzutreiben, es gilt zu analysieren, zu reformieren, eine neue Basis zu finden. MACHT doch was Gscheites!

— Simon Kazianka