Fr, 28. Oktober 2016

Feuerzangenbowle

Dinge, die man getan haben muss… #60

Die kalte Jahreszeit hat den Nachteil, dass es sehr kalt ist. Saukalt. Es ist zwar auch sehr dunkel, aber im Dunkeln ist gut munkeln. In der Kälte ist aber nix gut, außer eventuell saufen. Das hilft dann auch beim Munkeln, aber wir schweifen ab. Jedenfalls ist es in der Kälte besser, Getränke zu sich zu nehmen, die nicht nur die Laune, sondern auch die Temperatur heben. Tadaa: Enter the Feuerzangenbowle.

Lange hielt man sie für ausgestorben oder spießig. Aber warum sollte etwas, das einen an kalten Tagen wärmt, spießig sein? Und ausgestorben auch nur, weil die Herstellung in Zeiten von Fertigprodukten und Convenience-Food mit etwas Aufwand verbunden ist. Letztendlich braucht man nur Orangen und Dosenpfirsiche, die man über Nacht in etwas Weichmacher – also Cognac und Orangenlikör – einlegt. Weiters Zimtstangen, Nelken, Anis, Ingwer. Große Mengen Rotwein (der Doppler-Effekt!) und – last but not least – ein Zuckerhut runden die Sache ab. Der 80%-ige Rum ist die Ehrensache, die den Zuckerhut und das Hirn zum Karamellisieren bzw. Schmelzen bringt und den Körper warm werden lässt. Ergebnis: Todfeinde beim Rudelbumsen, eine Handvoll Olla, Spiel mir das Lied vom Glied, das Brimborium schlägt zurück. Höhepunkt jeder Firmenweihnachtsfeier. Wer sich an dieses Getränk (und die Folgen) erinnern kann, war nicht dabei. Verantwortungslos? Hedonistisch? Egal, man will den dereinstigen Enkerln ja nicht erzählen, dass man in der Jugend nur Videospiele gespielt, Fastfood gegessen, und Blümchensex gehabt hat, oder?