Di, 24. Februar 2015

Champagner & Austern schlürfen

Dinge, die du getan haben solltest…#48

Man kommt irgendwann in ein Alter, in dem man nicht mehr so gerne experimentiert und sich lieber dem Savoirvivre hingibt. Der Zeitpunkt, an dem man von Natursekt auf Champagner umsteigt. Das ist – neben anderen Gründen – insofern von Vorteil, da Champagner nicht nur besser schmeckt, sondern auch mit Erdbeeren und Austern harmoniert.

Erdbeeren haftet hierzulande etwas Vulgäres – im Sinne von einfach und bäuerlich – an. Von ihnen soll im Weiteren nicht mehr die Rede sein. Die Vulgarität der Auster geht währenddessen in Richtung Obszönität. Warum? Nun, sie soll – ähnlich dem Hummer nach Newburg Art – einen Geschmack nicht unähnlich dem junger, wohl gepflegter Mösen haben. Diese erfreuen sich bereits seit der Antike, also seit der Erfindung sowohl der Austernzucht als auch nennenswerter Körperpflege und Badekultur, gleichbleibend großer Beliebtheit. Seit die alten Franzosen beschlossen haben, den Champagner zu erfinden – ohne allerdings ganz vom Natursekt abzulassen –, ist eine ideale Paarung entstanden:
Man steht an der Theke einer rustikalen Markthalle unweit des Atlantiks. Schlürft Austern mit wohlklingenden Namen, schlürft Champagner mit noch wohlklingenderem Namen, in Gesellschaft einer Begleitung mit einem ebenfalls wohlklingenden Namen (und/oder wohlgefülltem Portemonnaie), die man nachher ausschlürft. Ein hervorragender Zeitvertreib für Erbschleicher, tatsächliche Erben und all jene, die es werden wollen. Dekandent? Mit Gewissheit, ja! Macht aber rein gar nichts, man will den dereinstigen Enkerln ja nicht erzählen, dass man in der Jugend nur Videospiele gespielt, Fastfood gegessen, und Blümchensex gehabt hat, oder?