Di, 9. August 2016

Musikalische Weltreise

New Hot Music Shit #58

Alle sind in den Ferien – Basti schreibt aus Sizilien, Anja fliegt in die U.S.A., Edgar schippert rüber nach England. Na gut, dann grillt man eben allein und macht danach eine schöne kleine Reise – nicht, was ihr jetzt denkt(!) – und begibt sich im Zickzack-Kurs um den Globus: Deutscher Westen, Amsterdam, Frankreich und Australien sind die Reiseziele und die klingen verdammt gut. Welch großen Spaß macht es doch, in einer Sommernacht mit einem guten Glas Wein neue Sounds zu entdecken. Wenn die Tage noch lang und die Nächte warm sind, hört sich Musik am besten – Gänsehaut inklusive. Auch bei den zwei österreichischen Bands, die wir dieses Mal unter die Lupe genommen haben: Vicious und Powernerd. Denn zu Hause klingt es doch am schönsten!

Nosoyo

Sphärisch und gut aussehend

Berlin ist Hauptquartier, Amsterdam Zweitwohnsitz: Nosoyo ist das Indie-Pop-Duo 2016. Die Protagonisten sind Sängerin und Texterin Donata Kramarz und Schlagzeuger Daim de Rijke, beide ausgebildete Multiinstrumentalisten, die 2014 in Amsterdam zusammenfanden: Chemie und Magie stimmten! Die Einflüsse reichen von Nina Simone bis zu Sia, die Formel der Songs ist geerdet und stringent: Nosoyos Klang ist reduziert, hypnotisch, dringlich. Zuweilen unterschwellig aggressiv. Und die beiden Musiker sehen aus, als würden sie die Hauptrollen eines romantischen Indie-Roadmovies besetzen. Wohl auch der Grund, weshalb sie bereits in der VOGUE NL oder der ELLE NL gefeatured wurden – und vermutlich auch, warum Donata Kramarz immer gefragt wird, ob sie tatsächlich ihre Lyrics selbst schreibt. Nun, sie schreibt, textet, spielt und komponiert. Produzent Patrik Majer vom Freudenhaus Studio, seinerseits bekannt durch seine Arbeit mit ‚Wir Sind Helden‘, kümmert sich mit der Band um ihren Sound – und das sehr gut!
Für Fans von: Feist, Hundreds, Blood Red Shoes
Link: www.nosoyo.net
Aktuelle Single: ‚Disillusioned‘

I Am Jerry

Neue Deutsche Musik

I Am Jerry explodiert in Slow Motion wie ein mit Konfetti gefüllter Ballon – ein Schauer durchgeladener Songs prasselt heraus. Die vier Jungs aus einem Örtchen in Nordrhein-Westfalen – Sprockhövel, um genau zu sein – haben sich zusammengetan und das ewige Gebot der Kleinstadt befolgt: Gründe eine Band, die es den Großen in der Metropole zeigt. Eine, die dich zum König macht in deiner kleinen Residenz. Eine, die deine Freunde lieben. Eine, die du selbst bist und selbst liebst. Julian, Timm, Leo und Feras sind jung und machen das Ding doch schon ganz schön lang zusammen. Sie spielen mit Genres, knüpfen feingliedrig an die Zeiten der Neuen Deutschen Welle an. Sie lassen wissen, dass sie Bilderbuch kennen, dass sie Elektro UND den HipHop der 2010er mögen, dass sie bestimmt diverse Indieplatten zu Hause haben. Und dass sie gern cool sind. Im allerbesten Sinn – ein sympathisches, intelligentes COOL ist das nämlich. Eine Band, die interessant klingt und viel verspricht und bereit ist, alles zu halten.
Für Fans von: Kraftklub, Bilderbuch
Link: www.facebook.com/iamjerryunot
Aktuelle LP: ‚Habicht‘

Last Train

Rockige Franzosen

Schleppende, riesige Drums brechen los – was jetzt, sind wir in den 90ern oder in den 70ern? Ist da was Grungiges? Oder englischer Rock, von den Primals bis BRMC? Eine Huldigung an Led Zeppelin auf alle Fälle. John Bonham hat auch so schöne Salven auf der Snare abgeschossen. Dann rast die Band in die 2000er – Strokes, White Stripes? Ja. Alles richtig. Und dabei originell, selbstbewusst, gut. Die Jeunes Amis aus Mulhouse sind nach einem amtlichen DIY-Weg nun dabei, den Sprung in die größere Bekanntheit zu schaffen. Zu Hause in belle France kennt man die Buben schon – Talentwettbewerbe, Festivals, Support Acts – doch nun herrscht Aufbruchsstimmung im Hause Last Train: Ein eigenes Label haben sie gegründet, eine Bookingagentur auch. Selbstmachen im großen Stil also. Fein. Die Musik aber steht natürlich im Vordergrund – für Freunde der mächtigen Gitarre und des jungenhaften Charmes ein Leckerchen. Das Brian Jonestown Massacre und die Band of Skulls klatschen ab, jetzt sind Last Train dran.
Für Fans von: Black Rebel Motorcycle Club, Kasabian
Link: www.lasttrain.bandcamp.com
Aktuelle LP: ‚BackAgain‘

Hein Cooper

Elegischer Australischer Sunnyboy

Ein blonder, groß gewachsener Dude steht da, greift zur Gitarre. Unverschämtheit, denkt man sich, der sieht aus wie ein Bilderbuchsurfer – und dann kann der auch noch singen? Es wird sogar noch besser: Hein kann auch Gitarre spielen, und zwar wie ein sexy junger Gott. Der Burschi ist mit allerlei Vorzügen ausgestattet, das lässt sich nicht leugnen. Und auch seine Musik ist ein einziger Sonnentag: Sanfte Songs, die sich nach dem Tanzen der Sonnestrahlen auf dem Meer anhören – aber immer mit einem traurigen Flirren, einem me- lancholischen Oberton. Ein viel besserer Jack Johnson sozusagen. Oder ein moderner Chris Isaac. Nachdem er schon Australien in einen Bann geschlagen hat – sein Song ‚The Art of Escape‘ ging direkt auf die Playlist des größten Radiosenders – hat Hein Erbarmen und spielt auch mal ein paar Konzert in Europa. Außerdem gibt’s auch ein Debütalbum, aufgenommen mit dem Produzenten Marcus Paquin (The National und Arcade Fire), das – hoffentlich – ein bebildertes Booklet hat.
Für Fans von: Teitur, José Gonzales
Link:
www.heincooper.com
Aktueller Release:
‚The Art Of Escape‘

SPOT ON AUSTRIA: Vicious

Eifersüchtige Gänsehaut

Okay, ein paar Tage hat das Debüt von Vicious schon auf dem Veröffentlichungsbuckel – die EP ‚Odyssey‘ ist im Februar erschienen. ABER ein Album soll bald folgen! Grund genug, das Bandprojekt als New Hot Shit hier vorzustellen und zu präsentieren. Die Wiener Jungs sagen gerne schmunzelnd ‚Post-Nihilism‘ dazu, wenn man fragt, was für eine Art Musik sie denn so machen. Wir reihen sie jetzt mal am besten in die Schubladen ‚Blues‘ bzw. ‚Noise-Rock‘ ein. Dumpfer Bass, dunkle Baratmosphäre, am besten in Begleitung mit rauchigem Whiskey. Und diese Stimme! Gänsehaut wäre eifersüchtig. ‚Is She Worth It‘ ist die großartige Single, die bei den Radiokollegen von FM4 rauf- und runterläuft und einen ersten Vorgeschmack auf das geplante Album bietet. Vicious sind die düstere Abteilung der Wiener Indie-Rock-Fraktion, ein i-Tüpfelchen, das der Szene gefehlt hat. Und ja: ‚Of course, she’s worth it‘.
Für Fans von: Lou Reed, The Doors
Link: www.facebook.com/viciousofficial
Aktuelle LP: ‚Odyssey‘

SPOT ON AUSTRIA: Powernerd

Big Bang Power Theory

Was oder wer ist ein Powernerd? Die Rede ist nicht von einer Neuauflage der Big Bang Theory, auch wenn Sheldon Cooper womöglich gar nicht so abgeneigt wäre, sich hier anzuschließen. Verraten wollen sie ihr Geheimnis jedenfalls nicht: Die Band besteht aus einem Android mit Yngwie Malmsteen-Programmierung, einem Synth-Techno-Priester und einem Drum-Roboter. Die Band der Zukunft also? Der österreichischen nerdy Elektrozukunft auf jeden Fall. Daft Punk Hand in Hand mit den Soundtracks von John Carpenter gibt man sich als Powernerd aber ohnehin am liebsten 80er-verliebt. Als die Roboter noch die Zukunft und die Outfits einfach viel schriller waren. Die erste Single des Debütalbums ‚White Cars‘ kriegt prominente Unterstützung: Ankathie Koi, bekannt von Fijuka, solo und sowieso, ebenso wie Johann Martinus Bass, der sonst seiner Band Johann Sebastian Bass die Stimme leiht, sind mit an Bord. Synthesizer,  wilde Gitarrensoli, auf jeden Fall aber absurd und großartig. Die neue Big Bang Power Theory!
Für Fans von: Daft Punk, Yngwie Malmsteen
Link: www.facebook.com/pwrnrdmusic
Aktuelle LP: ‚Nerd Power‘