Di, 24. Februar 2015

HARTELIJK WELKOM ZUM EUROSONIC 2015!

New Hot Music Shit #48

Nachdem wir uns letzten Monat der BBC Shortlist 2015 gewidmet haben, geben wir uns im März ganz dem Eurosonic Festival hin – es wird nachbetrachtet, soweit es der umnachtete Konzert-Party-Aftershow-Geist zulässt. Für alle, die sich nicht mehr ob zu vieler Biere erinnern können oder es einfach nicht mitbekommen haben: Das Eurosonic ist Europas größtes Showcase Festival, das alljährlich im Januar im holländischen Groningen stattfindet. Während beim darauf folgenden Noorderslag Festival allein Künstler aus den Niederlanden gefeatured werden, spielen beim Eurosonic Acts aus ganz Europa. Als österreichische Gesandte haben sich unter anderem Bilderbuch und Ogris Debris die Ehre gegeben, aus Deutschland kamen zum Beispiel Die Nerven und andere, internationale Bands kannte man doch tatsächlich schon aus den New Hot Music Shit Vorstellungen: Carnival Youth, Shura und James Bay waren am Start. Insgesamt über 300 Acts auf 36 Bühnen – mit allübergreifend guter Qualität. Hier stellen wir nochmal einige Newcomer vor, die beeindruckt haben!

YLJA

TRÄUMERISCHER INDIEFOLK

Draußen vor dem Fenster bricht ein unglaublicher Wintersonnentag durch die Wolken, und Glitzerstrahlen tanzen auf frisch gefallenem Schnee – ein Tag wie aus einer anderen Zeit. Oder aber ein Tag, gemacht allein für Ylja. Hier kommt es schon ein bisschen zu tragen, das isländische Klischee: Zarter Mädchengesang in der Landessprache, der sogar die Sonnenstrahlen dazu bringt, länger auf dem Bett zu verweilen. Jedoch – die Protoelfen wollen Gígja Skjalardóttir und Bjartey Sveinsdóttir nicht geben und ein isländisches Abziehbild werden. Die beiden Sängerinnen und Gitarristinnen haben den nötigen Schuss Americana im Blut, um nicht säuslerisch zu werden. In ihren Balladen haben sie die triftigen Harmonien gefunden, die sie vor Weichgespültheit retten. Die beiden Schulfreundinnen haben eine Band im Rücken, die ihre Stimmen und das Spiel auf dem Instrument bestmöglich ausleuchten, was sie eine Stufe weiter hebt als die ohnehin schon hinreißenden First Aid Kit zum Beispiel. Extrem vielversprechend!
Für Fans von: First Aid Kit, Angus & Julia Stone
Link: www.yljamusic.com
Aktuelles Album: ‚Ylja‘

MAMMÚT

POST-PUNK TRIFFT ALTERNATIVEN INDIEPOP

Island ist klein, das wissen wir – wenn man dort Musik macht, sind Zusammentreffen der Protagonisten vorprogrammiert. In diesem speziellen Fall wurde eine wahre Supergroup geboren: Der Vater der Mammút-Sängerin Kata heißt Birgir Mogensen und spielte in der prä- Sugarcubes-Band KUKL mit Björk. Gitarrist Arnar Péturssonis ist der Sohn DES klassischen Gitarrenstars Islands und Bassistin Ása Dýradóttir. Vilborg ist die jüngere Schwester von Orri Páll Dýrason, dem Schlagzeuger von Sigur Ros. In ihren Anfangstagen waren alle noch Teenager von zarten 17 bis 18 Jahren und die Band, bestehend aus drei Mädchen und zwei Jungen, sorgte durch dilettantische-aber-furiose Auftritte schnell für Aufregung. Folgerichtig machten sie ihr Debüt auf Smekkleysa, dem Label der Sugarcubes, und arbeiteten sich zum Kultstatus auf der nordischen Insel vor. Inzwischen sind sie zur tighten Band gereift, die auf Isländisch singen und von der äußerst charismatischen Frontfrau Kata vorangepeitscht werden. Süße Anarchopunks!
Für Fans von: YeahYeahYeahs, Portishead, Sugarcubes mit Björk
Link: mammutmusic.tumblr.com
Aktuelles Album: ‚Salt‘

KALEO

RETRO-INDIE-ROCK’N’ROLL

Hier denkt man nicht an sanftmütige Elfen, ätherische Walgesänge oder elegische Isländer im Wollpulli: Kaleo schwingen die Rockaxt, retromodernsexy in zerlöcherten Jeans, mit Wüstenstaub auf den Schuhen und Sixties-inspirierten Grooves unterm aufgeknöpften Hemd. Gesundes Selbstvertrauen tönt aus den Songs, die zum Gassenhauer aus Stadionboxen taugen. Ähnlich auch die zuweilen kryptischen Lyrics mit organischem BahBahBah. Amüsant ist das unverkrampfte Handling von Herkunft und Rollen, wenn sich Sänger Jökull Júlíusson als glückloser Arbeiter am Mississippi porträtiert, der von Weißgesichtern um seinen kargen Lohn betrogen wird. Im Moment sind vier Boys auf dem Weg zum Stardom in Island dank Nummer-Eins-Plätzchen. Jetzt müssen die Herrschaften raus aus der isländischen Schneekugel: Da die Jungs vom puren Rocker bis zum schmusigen Ballädchen komplett ausgestattet sind, dürfte der Plan zur Eroberung möglichst vieler Herzen aufgehen.
Für Fans von: Of Monsters and Men, Black Keys
Link: facebook.com/kaleoiceland
Aktuelle Single: ‚All the Pretty Girls‘

FUFANU

NEW WAVE-PSYCHEDELIC-ROCK 2.0

Der diesjährige Schwerpunkt des Eurosonic Festivals lag in Island. Es hat schon lange gebrodelt im Land der Geysire und Ásgeire, jetzt bricht der Musikvulkan aus aka „Iceland erupts“! Ein heißer Brocken dieser Lava heißt Fufanu und hat eine interessante Metamorphose hinter sich: Zuvor als Techno-Duo unter dem Moniker „Captain Fufanu“ erfolgreich, suchten sich Kaktus und Gulli – ja, die Isländer mit ihren lustigen Namen – noch einen Drummer namens Frosti. Der Captain im Bandnamen musste dran glauben und als Trio entwickelten sie sich organisch und unaufhaltsam zur dröhnenden New Wave-Psychedelic-Rock-Dampfwalze. Powermäßig. Ansonsten geht es, trotz düsterem Druck, sensibel und mäandernd immer schön stetig dem Höhepunkt zu: Gitarre, Gesang und Schlagzeug, dazu Synths und Beats als Unterlage für hypnotischen Shoegaze. Damon Albarn – ein Familienfreund von Kaktus – ist Fan und lud sie als Support ein. Ein englischer Kollege schrieb, das sei wie Joy Divisions unveröffentlichte Jam-Phase. Stimmt!
Für Fans von: Bauhaus, Jesus and Mary Chain
Link: fufanumusic.tumblr.com
Aktuelle Single: ‚Circus Life“