Festival mit Freunden

New Hot Shit #75

Oh, süße Erinnerung an das erste Festival: Mit dem Schwarm geknutscht, mit dem Zelt abgesoffen und eigentlich gar nicht so viel Bands gesehen, da die Alkoholvergiftung ihre Tribute zollte. Naja, es gibt fast nichts Schöneres als Erinnerungen an wertvolle Jugenderfahrungen. Eines nur: Daraus lernen! Heute ist ein sauberes, warmes Luxusschlafsackerl keine Schande mehr und der Smoothie wird auch verdaut, damit der Körper Vitamine bekommt. Ich finde das gut! Ehrlich! Lieber so, denn jetzt schafft man es dank Planer-App zu allen Bands – und es wäre eine Schande, dieses Jahr diese heißen Kandidaten am Nova Rock und am FM4 Frequency zu verpassen! Auf geht’s zur Festival Saison 2019!

Cari Cari

Desert-Indie-Rock am NR19

(c) Andreas Jakwerth

Chris Isaak würde sich sowas von freuen, wenn er Cari Cari zu hören bekommen könnte. Tatsächlich liegt es im Bereich des Möglichen, dass dies einmal passiert, denn das Duo hat seine Duftmarke bereits in den USA gesetzt – in Hollywood, um genau zu sein. Im ganzen Paket betrachtet ist Cari Cari, bestehend aus Stephanie Widmer und Alexander Köck, ein faszinierendes Projekt: Ein ganz bewusster DIY-Ethos wird da gepflegt und die beiden Renaissance-Menschen Widmer und Köck erzielen äußerst begeisternde Ergebnisse. So ist der Look der Band eigen, ästhetisch und interessant, die Videos gut gemacht und die Musik ist – neben der Tatsache, dass sie richtig, richtig gut ist – eigenständig in der heutigen Musiklandschaft. Akustische Instrumentierung, fähige Produktion, Können und Inspiration, alles da! Kein Wunder, dass die beiden mit Gitarre, Schlagzeug und Didgeridoo Läden jeder Größe auseinandernehmen. Eine Ausnahmeband, die noch Riesiges reißenwird … beispielsweise am Sonntag, den 16. Juni, am Nova Rock.

Für Fans von: Cat Power, Nancy Sinatra & Lee Hazzlewood, U.S.Girls
Link: www.caricariragazzi.com
Aktueller Release: „Anaana“

Nova Twins

Crossover-Metal-Rock am NR19

Ganz große Begeisterung hier für das Duo Amy Love und Georgia South! Live verstärkt von einem Schlagzeuger brechen die beiden Mittzwanziger über das Publikum herein wie ein Gewittersturm der Extrastärke: Ein gewaltig-wuchtiger Fuzz-Bass mit soviel Power gespielt, dass ein ganzes Sägewerk betrieben werden könnte, dazu eine Riffgitarre, die mit spitzen Hacken in den Arsch tritt –bäm! Darüber noch Stakkato-Raps und harter Gesang. Top-Zutaten für nicht nur eine kickende Liveshow, sondern für Kompositionen von solcher Kraft und Dringlichkeit, die nur so junge Musiker zuwege bringen, die noch nicht durch die Mangel gedreht wurden, aber das Zeug dazu haben, die Mangel selber auseinanderzunehmen. Jimi Hendrix’ Ehrentöchter, sozusagen. Die Girls schreiben Hymnen der Musikmacht, keine Chance den Nacken still zu halten. Superintensiv und alles live gespielt – keine Samples, kein Playback. Eine Band, die so jung schon soviel kann, muss bitte unbedingt ganz nach oben… auch am 15. Juni am Nova Rock.

Für Fans von: Skunk Anansie, Rage Against the Machine, Unlocking The Truth
Link: www.facebook.com/NovaTwinsMusic
Aktueller Release: „Lose Your Head“

Please Madame

Indie-Pop-Rock am FQ19

(c) Simon Laabmayr

Für alle, die noch wissen, wie es war, wenn man einen Oasis-Fan getroffen hat oder selber einer war: Man hatte das Gefühl unmittelbarer Brüderlichkeit quasi als lebendes Beispiel zum Anfassen. Bands, die es schaffen, aus einem wilden Haufen eine großartige Gang zu machen und die andere Menschen auf ihre Reise mitnehmen, haben die Mythen des Indie-Rocks begründet. Bei Please Madame ist es genau so. Es herrscht ein Spirit vor, der Jungs in ein Team verwandelt, der aus vier Menschen eine Band macht: Eine Band, die sich den Arsch abspielt, die probt und probt. Die andere nicht vergisst. Die Musik lebt, liebt und gerne auf der Bühne steht. Das rührt jedes Rock’n’Roller-Herz an, den daraus ist der Leim gemacht, der die Musik mit Menschen verbindet. Bei solchen Bands weiß man auch immer, wer wie heißt: Marr, Morrissey, Bonehead, Liam, Noel, Alex, Nick. Diese Tradition wollen wir mal schön ins Hiesige übertragen: Dominik, Laurenz, Martin, Niklas! Wir sehen uns am 15. August am FM4 Frequency.

Für Fans von: Mando Diao, Mumford &Sons, Kings of Leon
Link: www.pleasemadame.com
Aktueller Release: „Young Understanding“

Anger

Dream-Pop am FQ19

Als hätten Everything But The Girl und New Order ihre Teenagerkinder zusammen nach draußen zum Spielen geschickt – und die Gören fangen an zu knutschen, statt auf der Schaukel zu sitzen! Wunderschön-romantischer Elektropop, viele Synthflächen und gedoppelter Gesang von Nora Pider und ihrem Partner Julian Angerer. In ihrer Facebook-Info liest man von Androgynität, in echt freut man sich, dass das genau so stimmt! Trotz 80er-und 90er-Anleihen, trotz Shoegaze-und Wave-Aufarbeitung ist Anger eine Band aus dem ganz akuten Jetzt, die ihre Aktualität durch Gesten, Habitus und Style manifestiert, weiter über die Musik hinaus. Die beiden Künstler sind eine Einheit, das merkt man. Verhaftet auch im Schauspiel- und Kunstperformance-Kanon, nehmen sie den Intellekt bei der Hand und bringen ihm sinnlichste Körperlichkeit bei. Das beste Beispiel für eine moderne, gender-paritätisch-aufgeklärte Band, die Politik zur Liebe macht – und andersrum am Donnerstag, den 15. August, am FM4 Frequency.

Für Fans von: Blood Orange, New Order, M83
Link: www.facebook.com/weareanger
Aktueller Release: „Liebe&Wut“