Darf’s a bisserl mehr sein?

New Hot Shit #73

Ja, Waunsinn, die vorliegende Ausgabe des neuen, heißesten Shits ist ungemein vielfältig! Schaust hierhin, siehst erdige Rockmusik, schaust dahin, experimentellen DIY-Fluxus-Pop. Funk, Indie, Synthpop, Rap, Grime, Drum’n’Bass, Dancehall – check, check, check! Und das Beste ist: Es ist alles, Pardon, saugeil! Einfach leiwand, einfach ganz weit vorn und oben! 2019 legt dick vor – wer danach kommt, muss viel üben. Ein Hoch auf die österreichische und deutsche Musikszenen, ein Hoch auf alle, die die Musik für die Musik machen – l’art pour l’art. Also, bittschön auf Konzerte gehen und Platten kaufen! Die sollen ja was davon haben.

LYLIT

Rückkehr einer großen Soulstimme

Eva Klampfer a.k.a. Lylit fühlt sich befreit. Jahrelang eingeengt von ihrem New Yorker Label, das Pleite ging, aber ihren Vertrag nicht löste, ist sie nun die Fesseln los und voller Tatendrang.

Wut und Frust sind da dabei, doch Lylit macht klar, was von ihr zu erwarten ist – won’t hide, won’t shy, won’t play. Die Single „Blocks“ ist ein Empowerment-Song und gibt die Richtung vor: emanzipiert und kompromisslos ehrlich. Ende letzten Jahres gab die geniale, sympathische Musikerin wenige, exklusive Konzerte. Jenes im Radiokulturhaus ließ ihre Zuhörer begeistert zurück und machte Lust auf die EP „Aurora“. Diese wird im März auf Tour durch Österreich vorgestellt, wo sie mit voller Bandbesetzung aufwartet. Einen besonderen Adelsschlag gab es indes von Conchita Wurst: Auf der Suche nach intelligenten, spannenden Songwritern für ihr kommendes Album wählte sie Lylit als alleinige Komponistin aus, um das Projekt Conchita zu befeuern. Das Vertrauen ist gerechtfertigt! Wir freuen uns auf das Lylit-Jahr 2019.

Für Fans von: Leyya, 5K HD
Link: www.lylit.com
Aktueller Release: „Aurora“

KINETICAL & P.TAH

Wortgewalt mit viel Bass und Flow

Es rollt, wenn er tip top klingt, wie ein King ohne Krone, seine Beats abspielt! Wer er?

(c) Fabian Müntz

Na, Peter Jeidler aus Wien, auch bekannt von der brillanten Hörspiel Crew. Er ist als P.tah ein fetter Veteran im Rap-Geschäft, versiert und Jam erfahren, mit beeindruckender Wortgewalt auf Deutsch. Sein Counterpart ist Martin Winkler aus Linz – mit dem sexy Alter Ego Kinetical. Der Jungle-, Drum’n’Bass- und Dancehall-MC ist ein ebenbürtiges Schwergewicht, das genauso ewig lang schon in der Szene seine Spuren hinterlässt – zuletzt bei Illbilly HiTec. Als Kinetical macht er’s hier wie dort auf Englisch und auf einem Niveau, das man mit der Seilbahn anfahren muss. Das dynamische Duo wird von B.Ranks an den Decks begleitet, den mit Winkler eine langjährige gemeinsame musikalische Reise verbindet. Kinetical & P.tah haben Bass, Dub, Grime und Dubstep zur Masterklasse erklärt und machen keine halben Sachen: Spitzenproduktionen von OH91, Mirac, Dubape und DMG unterlegen ihre Reime, die in halsbrecherischem Flow abgehen.

Für Fans von: Ballone x Aplot, Testa, Raf Camora
Link: www.kinetical.bandcamp.com
Aktueller Release: „Ghost“

DRAMAS

Poetischer Elektropop mit Tiefgang

Oh, das lässt Indie-Pop-Herzen höher schlagen! Jeder Song von Dramas ist perfekt austariert, spannend, hookig und überaus gut produziert.

Mario Wienerroither zeichnet verantwortlich für Produktion, Pianistin und Sängerin Viktoria Winter arrangiert die Songs vor, schreibt die Melodien und textet. Und das mit viel Talent – Winter hat das Zeug zur Poetin. Ihre Lyrics berühren tief und lassen über Zweideutigkeiten grübeln, sind elegant und geschliffen. Der Popsprache Englisch wird größte Ehre getan. Wie die uneheliche Tochter von Nina Persson und Agnetha Fältskog bewegt sie sich elegant, ein bisschen unnahbar, zu 100% perfekt auf der Bühne und zu ihren Songs – ähnlich einer Lichtgestalt. Das Duo existiert erst seit 2016 und ist aber jetzt schon auf einem Level angekommen, das eine internationale Karriere verdient hätte. On top gibt es noch einen erstaunlichen und komischen Querverweis: Mario Wienerroither ist der Dude, der die kolossal lustigen „Musicless Musicvideos“ macht. What a Package!

Für Fans von: Health, School of Seven Bells, K.Flay
Link: www.dramasmusic.com
Aktueller Release: „Libra“

FARCE

Formvollendeter, queerer Avantgarde-Pop

Farce umgibt eine ganz spezielle künstlerische Aura – inklusive DIY-Mindset und -Ästhetik. Sie schreibt und produziert ihre Songs im Schlafzimmer, hält nicht viel von Hierarchie und macht ihr eigenes Ding.

Magdalena Fischer

Folgerichtig zählt die aus dem Schwarzwald stammende Veronika J. König zu den derzeit spannendsten Künstlerinnen Wiens und hat mit ihrem Debüt „Heavy Listening“ ein ausgesprochen originelles Werk abgeliefert, dessen Einordnung nicht leicht fällt. Gemeinsam mit Produzent Nikolaus Abit mischt sie in knapp 55 Minuten diverse Spielarten zeitgenössischer Popmusik: Man hört House-Rhythmen und Trap Beats, Dream Pop und Trance. Mit fünf lernte König klassische Gitarre, als Teenager spielte sie in Punk- und Black-Metal-Bands und war im linksradikalen Do-it-yourself-Underground unterwegs. Ihr selbst gewähltes Outsidertum erklärt die Musikerin als logische Konsequenz der Umstände und sieht in der Welt der Popmusik ein ungenutztes politisches Potenzial. Wir sind uns sicher: Farce wird dieses noch voll ausschöpfen!

Für Fans von: Fauna, Soap&Skin
Link: www.farce.cool
Aktueller Release: „Heavy Listening”

LIJON

Multitalentierter Elektrofunk

Das Video zu Lijons Song „No. 39 – high“ ist ein toller One-Take, der durch seine Einfachheit besticht: Lijon, halb von hinten, läuft im Takt der Musik durch die Stadt, den Park. Mehr passiert nicht. Doch der Tune ist so infektiös und der Blickwinkel so unprätentiös, dass sweete, swingende Intimität entsteht.

Und wenn der Chor dann zum Schluss „Please, baby, don’t be shyyyyy“ singt, wünscht man sich, Lijon würde sich doch mal zu einem umdrehen. Macht er aber nicht, deswegen übernehmen wir hier: Stephan Paulitsch aka Lijon spielt Gitarre und Klavier. Außerdem Bass – unter anderem auch bei der fantastischen Band Viech. Das ist dem Multitalent aber nicht genug: Schnell mal macht er noch Ton bei Videos („Oh Elise“) oder gründet sein wohlverdientes Soloprojekt. Lijon, der Löwe, macht unfassbar gute Popmusik mit enorm viel Funk, Soul und Groove. Dazu tanzt er wie zwei junge Götter und sollte sich schnellstmöglich eine Villa in L.A. kaufen –                    bevor er auf jahrelange Welttournee muss.                                 So sieht’s aus!

Für Fans von: Jamie Lidell, Prince, Chromeo
Link: www.lijon.net
Aktueller Release: „Zero“

HI! SPENCER

Indie-Rock mit Hirn, Herz und Humor

Heutzutage wirkt das Konzept der Band-aus-Schulfreunden fast antiquiert, doch ist es hier eins der unbedingt notwendigen und herzerwärmenden Zutaten, die Hi! Spencer zur sympathischsten up-and-coming Deutsch-Indie-Punk-Rock-Band macht.

Kleine Einordnung: Die fünf Jungs kommen aus dem deutschen Osnabrück. Hier fährt man knapp zwei Stunden hoch an die Nordsee und ist gleich schnell – dreißig Minuten – in Holland wie in der deutschen Hardcore-Hochburg Münster. Das erklärt einiges: mittelgroße Stadt-Tristesse, plattes Land mit Kühen und Arbeiterklasse und lebensnahe Vorbilder. Muff Potter haben hier die Zündschnur gelegt, an deren Ende Hi! Spencer jetzt dolle brennen. Vor allem Sven Bensmann sprüht Funken! Der Sänger ist eine vokal geballte Faust, in der sich Herz, Hirn und Humor präsentieren, sobald sich die Hand öffnet. Das tut sie unweigerlich, um alle zu umarmen, Fans wie Freunde gleichermaßen. Ihr moderner Indie-Rock vereint alles Gute aus den 90ern mit dem Neuen und reißt ordentlich mit.

Für Fans von: Muff Potter, Kettcar, Tomte
Link: www.hispencer.de
Aktueller Release: „Nicht raus, aber weiter“