Mo, 5. Januar 2009

Zum Teufel mit Tiger Army und zurück

Zwei Konzerte, ein Tatoo – voller Körpereinsatz für die Premiere von Tiger Army in Wien

Am 6. April war Tiger Army zum ersten Mal live in Österreich zu sehen. Philipp Heinkel ist diese Premiere ganz besonders unter die Haut gegangen. Denn zur Vorbereitung hat Volume das Fell seines Redakteurs einem Tätowierer überlassen. Jetzt gibt’s das Bandlogo drauf zu sehen. Groß und in Farbe. Ehrensache!

Lichtenfels (D), 5.4.08: 

Das Satanic Stomp Festival ist gut besucht. Überall hüpfen Frisuren herum, die großeÄhnlichkeit mit der Tolle von Elvis besitzen. Beim Psychobilly heißt diese Haarkonstruktion übrigens Flat. Laut Plan soll in einer Stunde der Auftritt von Tiger Army beginnen. Schon oft gehört, noch nie gesehen. Die drei Amerikaner haben in Zürich ihrenAnschlussfl ug verpasst, erst um 1:30 Uhr können sie mit ihrer Show starten. Bierbecher fliegen auf die leere Bühne. Das Publikum überbrückt die Wartezeit mit einem kollektiven Pfeifkonzert. Beim ersten Ton von Obertiger Nick13 fangen die Frisuren aber wieder wild an zu hüpfen. Tiger Army Never Die! Alles klar?

Genau 70 Minuten bekommt das Publikum von Tiger Army zu hören, unter anderem: „Nocturnal“, „In The Orchard“, „Ghostfire“ oder „Afterworld“ – ein gelungener Querschnitt aus zwölf Jahren Bandgeschichte, der auch am darauf

folgenden Tag in Wien gespielt wird. In den Hörgenuss von „Where The Moss Slowly Grows“ gelangen allerdings nur die Festivalbesucher in Lichtenfels. Mit diesem hoffnungslos romantischen Song beginnt das Encore, zwei Songs später ist das Festival offiziell beendet. Bis zum nächsten Jahr: Am 3. und 4. April 2009 geht der höllische Spaß in Lichtenfels weiter.

Nick13 und ich sehen uns 14 Stunden später zum Interviewtermin in der Arena wieder. Dazwischen liegen nur der Transfer von Lichtenfels nach Wien und Schulter einschmieren. Bepanthen Plus, meine neue Freundin. 

Wien, Arena, 6.4.2008: 

Das erste Konzert von Tiger Army in Wien kann losgehen. Es ist spürbar mehr Druck hinter dem Arrangement zu fühlen. Es klingt so, als ob sich Nick13 mit alten AFI Platten vor dem Konzert gedopt hat. Gut so! Tiger Army spielt hart und direkt, ohne Kompromisse und lähmenden Pausen zwischen den einzelnen Stücken. Perfektes Timing: Nach 70 Minuten gibt es wieder die erste Zugabe. Mit dabei ein kleiner Tipp von der Band aus San Francisco: „Fuck The World“! Das Publikum tobt. Ausnahmsweise gibt es eine zweite Zugabe, dann ist das erste Gastspiel von Tiger Army in Österreich endgültig vorbei. Next Stop: Helsinki. Die Band geht, das Logo bleibt: Tiger Never Die!

Interview mit Nick13 

Zwei Konzerte innerhalb von 20 Stunden, dazwischen drei Stunden Bettruhe: Nick13, Sänger der Band, ist alles andere, bloß nicht ausgeschlafen. Dem Anführer der Tiger Army liegen die letzte Nacht und die Reise von Lichtenfels nach Wien genauso in den Knochen wie mir. Aber: Rock’n’Roll geht immer! Auch mit Ringen um die Augen, die in der Natur gewöhnlich nur bei Waschbären vorkommen. Was soll’s? Mit der TigerBat auf der Schulter kommt man schnell ins Gespräch mit Nick13:

Gestern hast du einen Typen aus dem Publikum zur Sau gemacht, weil er dir seinen blanken Mittelfinger mehrfach unter die Nase halten musste. Geht dir so etwas wirklich an die Nieren? 

Nick13: Das Festival in Lichtenfels war eine interessante Erfahrung für uns. Es ging dort um ein Treffen der europäischen Psychobilly- Szene, bei dem Tiger Army als Headliner auftreten durfte. Wir sind sicherlich keine unumstrittene Band in diesem Genre, aber so etwas ist mir bei unseren eigenen Konzerten bisher erspart geblieben. Wer bezahlt schon Eintritt für eine Band, die er dann während den ersten Songs ausbuht? Im Endeffekt war mir der kleine Pisser gestern egal. Im Publikum gab es genügend Tiger Army Fans. Ich wollte ihm nur etwas direkter erklären, wie bescheuert es aussieht, wenn alle um ihn herum total abgehen und er mit seinem ausgestreckten Stinkefinger wie angewachsen da steht.

 

 

 

   

„Music From Regions Beyond“ heißt das mittlerweile vierte Studio-Album von Tiger Army. Wäre jetzt nicht der ideale Zeitpunkt für den Frontmann Nick13, ein Solo-Projekt zu starten? 

Lange Jahre habe ich mit dem Gedanken gespielt, ein Album einzuspielen, das primärnach Country klingt. Mit Tiger Army habe ich bereits ein paar Songs in dieser Art verwirklicht, „In The Orchard“ oder „Where The Moss Slowly Grows“ beispielsweise. Viele Fans fordern aber mehr davon und wollen, dass ich eine eigene Platte produziere. Eines Tages wird es auch dazu kommen. Der Zeitpunkt, an dem ich mit einem Solo-Projekt herauskomme, rückt immer näher. Aber in diesem Jahr passiert das sicherlich noch nicht. Für Anfang nächsten Jahres liegen die Chancen allerdings schon besser.

 

Stell dir vor, du wärst kein professioneller Musiker geworden – mit deinen Tätowierungen hättest du es auf Jobsuche nicht unbedingt einfach gehabt. War dir das vor deiner ersten Tattoo-Session bewusst?

 

Schon bevor sich bei mir erste Erfolge eingestellt hatten und ich begonnen habe, meinen Körper für die Ewigkeit zu kennzeichnen, war für mich klar, dass ich meinen eigenen Weg gehen werde. Jeder Job, der mir aufgrund meines Aussehens, also Kleidung, Tattoos oder sonstigen Verzierungen, verwehrt geblieben wäre, hat mich sowieso nicht interessiert.

Welche Körperteile werden als nächstes für die Ewigkeit eingefärbt? 

Meine Rippen sind als nächstes dran. In Wahrheit ist das auch die einzige Partie auf meinem Oberkörper, die noch nicht tätowiert ist.

 

Zum Abschluss noch die Frage nach einer verrückten Anekdote aus dem Leben eines Musikers? Was war das Verrückteste, was Nick13 als Frontmann von Tiger Army jemals passiert ist?

Da kann ich dir keine konkrete Situation nennen, weil viele bizarre Dinge um mich herum passieren und ich mich selbst auch nicht als normal bezeichnen würde. Schau dich an – ich habe gerade mein erstes Interview in Wien einem Journalisten gegeben, der sich vorher unser Logo auf die Schulter tätowiert hat. Auch schon wieder verrückt, oder?