Mo, 6. Februar 2017

Zum Glück mit Musik

Wallis Bird im Interview

Die irische Musikerin Wallis Bird, berühmt für ihre vor Leidenschaft und Power nur so strotzenden Konzerte, lebt jetzt schon seit längerer Zeit in Berlin. Aus Irland wollte sie einfach einmal weg, London war ihr zu überzogen und gleichzeitig ohne Inspiration. In Deutschland hat sie nun auch ihr neues Album ‚Home‘ geschrieben. Vor Glück nur so strahlend hat sie im Interview verraten, wie es ihr beim Schreiben der neuen Songs ging, was sich für sie grundlegend geändert hat und was ‚zu Hause sein‘ für sie bedeutet.

Dein neues Album ist Ende September letzten Jahres erschienen. Hast du nur ganz neue Songs draufgepackt oder auch ältere Texte verarbeitet?

Es war wirklich das erste Mal, dass ich viel Zeit zum Schreiben hatte – so richtig viel! Ich habe mir sonst nie so viel Auszeit gegönnt, sondern eher geschaut, alles unter einen Hut zu bringen. Die Songs, die jetzt aufs Album gefunden haben, sind deshalb auch alle ganz frisch, gebündelt und intensiv.

Komplett zufrieden mit dem Endergebnis Home‘?

Voll und ganz! Das soll gar nicht überheblich klingen, aber ich fühle mich einfach so glücklich momentan. Ich habe viel Zeit damit verbracht, über mich selbst nachzudenken und die Dinge, die ich erreichen will und schon erreicht habe. Ich bin sehr stolz auf dieses Album, weil es sehr ruhig, sehr liebevoll, sehr verspielt geworden ist. Und genau das Gefühl festhält, das ich gerade empfinde – pures Glück!

Wer hat dich besonders beeinflusst?

Wie schon zuvor, aber jetzt ganz besonders: James Brown und Fela Kuti. Letzterer hat mich vor allem wegen seiner wahnsinnigen, mehrere Stunden dauernden Sessions in seinen Bann gezogen. Und durch seinen Groove natürlich, den so genannten Afrobeat.

‚Home‘ ist der Titel – was bedeutet ‚zu Hause sein‘ für dich? Wo fühlst du dich so?

Es ist für mich mehr ein Gefühl, als ein Ort. Wobei ich natürlich schon viel herumgekommen bin in den letzten Jahren, in London gelebt habe, dort nicht sehr glücklich war und dann nach Berlin gezogen bin. Das war die beste Entscheidung! Nicht nur aus menschlicher, auch künstlerischer Sicht. Hier finde ich in gleichem Ausmaß die Ruhe und die Unruhe, die ich brauche. Ich kann mich zurückziehen, hinaus in die Natur gehen, ewig spazieren, wenn ich will. Ich kann aber genauso ausgehen, feiern, mich gehen lassen. Diese Balance ist mir sehr wichtig. Seit ich hier bin, habe ich so viel gefunden und kennengelernt, was mein Leben bereichert. Natürlich ist auch der Platz, an dem ich aufgewachsen bin, Irland, meine Eltern in gewisser Weise mein Zuhause. Aber im Kopf und im Herzen nehme ich das alles sowieso immer mit, egal, wo ich bin.

Hat der Song ‚Change‘ auch etwas mit diesem Ortswechsel zu tun?

Auch, aber eigentlich geht es ums Leben generell. Vor allem in der letzten Zeit ist mir bewusst geworden, dass sich von einer Sekunde auf die andere alles um dich herum verändern kann – und deshalb bin ich doppelt froh und dankbar über meine Situation und die Leute, die ich um mich habe. Ohne meine Partnerin wäre ich nicht die, die ich jetzt bin – genauso wie ich ohne meine Band und die Leute, die mich musikalisch unterstützen, nicht die Musikerin wäre, die ich jetzt bin. Meine Bandleute sind für mich wie eine zweite Familie. So gesehen ist das Album ein großes Dankeschön an alle meine wichtigsten Menschen!

Wen umarmst du da so dankbar am Cover des Albums?

Das ist Tracey, meine Partnerin, mit der ich in Berlin zusammenlebe. Ich bin ihr wirklich wahnsinnig dankbar dafür, dass sie mich inspiriert, mich unterstützt und mich – wie ich glaube – besser macht.

Wenn du jetzt an deine Anfänge als Musikern zurückdenkst, wie fühlst du dich da?

Das war eine lustige, spannende, aber auch sehr aufreibende Zeit. Zuerst habe ich natürlich in Pubs gespielt, vor wenigen Leuten. Das Schwierigste daran ist, die Show zusammenzuhalten. Ich würde aber keine Sekunde missen wollen, weil jetzt – das hört man hoffentlich auch auf ‚Home‘ – habe ich alles, was ich weiß und gelernt habe, zusammengepackt. Die neuen Songs sind quasi der Output all meiner Erfahrungen, meiner gesamten bisherigen Laufbahn.

Auf was freust du dich, wenn du an die anstehende Tour denkst, am meisten?

Ich freue mich auf jeden einzelnen Termin, weil es mir eigentlich komplett egal ist, wo ich spiele – in einer großen Halle oder in einer kleinen Bar. Jeder Ort hat seine eigene Atmosphäre, auf die man sich einlassen muss. Außerdem bin ich jetzt wieder voller neuer Energie, weil ich so selten auf der Bühne gestanden bin in den letzten Monaten. Ich freue mich auf meine Band, auf unsere Zusammenarbeit und vor allem auf das Publikum! Aufs Tanzen, Lachen, Singen, auf eine intensive, wunderbare Zeit. Und auf die Reaktion der Leute auf meine neuen Songs. Bis jetzt habe ich sie ja mehr oder weniger nur mir selbst vorgespielt – es wird so spannend, zu sehen, wie sie ankommen werden.

Danke Wallis Bird! Viel Glück auf Tour und bis bald in Österreich.