Di, 6. Oktober 2015

Wir sind keine Szeneband

Folkshilfe im Interview

Sie sind jung, seit langen Jahren befreundet und nehmen sich selbst nicht zu ernst: Die Band Folkshilfe sorgt für frischen Wind. Nach der Teilnahme bei ‚Wer singt für Österreich?‘ zünden die drei Jungs jetzt den Turbo und haben gerde ihr erstes Album ‚mit F‘ veröffentlicht.Mathias Kaineder, Gabriel Haider und Florian Ritt beichten VOLUME ganz nebenbei, dass sie keine waschechten, Most trinkenden Niederösterreicher sind und das Kalbswiener leider geil ist!

Ist dem österreichischen Volk noch zu helfen?

Matthias:  Grundsätzlich schon! Es kommt darauf an, wie beratungsresistent das Volk ist. Aber wenn es um tagespolitische Themen geht, scheint es, dass einigen Menschen gar nicht mehr zu helfen ist! Da gibt es Entgleisungen, die sind unerträglich. Auf der musikalischen Ebene versuchen wir mit dem neuen Album zu helfen. Kulinarisch gesehen, sollten wir vielleicht weniger Fleisch essen…
Florian: Beziehungsweise sollte mehr darauf geachtet werden, welches Fleisch man isst! Nicht nur das Billigste nehmen, sondern auf Regionalität schauen und direkt vom Bauer kaufen…

Wann ist es euch das erste Mal in den Sinn gekommen, eine Band zu gründen?

Matthias: Vor zwei, drei Jahren. Wir kennen uns schon seit dem Musikgymnasium. Wir haben gemeinsam Urlaub gemacht und jammten ein bisschen am Strand bzw. neben der Straße. Plötzlich blieben Leute stehen, denen unsere Musik gefiel. Daraufhin legten wir einfach mal einen Hut vor uns hin und waren komplett perplex, dass so viel Geld hineingeworfen wurde. Wir finanzierten unseren Urlaub damit, wir starteten eine Österreich-Tour und somit hat sich auch die Band gefestigt. Plötzlich wurden wir nach Auftritten gefragt und wir hatten unsere ersten Gigs in der Tasche. Wir mussten viel tüfteln, um das Feeling unserer Straßenmusik auch auf die Bühne  transportieren zu können…

Was treibt euch an, dass ihr im österreichischen Musikdschungel nicht den Halt verliert?  

Florian: Uns geht es vor allem darum, verschiedene Welten in unserem Album umzusetzen. Wir haben die unterschiedlichsten Backgrounds:

Ich habe zum Beispiel Jazzgitarre studiert, Gabriel Schlagzeug und Matthias hat seinen Schwerpunkt in der Klassik. Das Ganze hat sich dann vermischt und so ist der Folkshilfe Sound entstanden. Was es uns ein bisschen schwer machen kann ist, dass wir weder zu 100 Prozent FM4, noch Ö3 noch für regionale Radiosender bestimmt sind. Auf der anderen Seite macht es eben genau das so interessant, da auch unser Publikum sehr unterschiedlich ist. Das gibt uns Halt, das ist unser Weg! Wir sind halt keine Szeneband…

Matthias: Das Problem an einer Szene kann sein, dass wenn sie dich dann fallen lässt, du am Boden bist. Das Beste was uns passieren kann, ist, dass wir von allen ein bisschen gestreift werden.

Wie bereitet ihr euch darauf vor, falls eure Musik nicht ankommen sollte?  

Matthias: Also wir haben zwei Jahre intensiv an uns gearbeitet und haben alles vorbereitet, um heute hier sitzen zu können. Es war viel Vorbereitung nötig, um ein richtiges Label zu finden, das hinter uns steht, somit das Ganze auch Nachhaltigkeit hat. Wir machen Musik, weil es uns Spaß macht und nicht, weil ein Konzept dahinter steckt! Wenn eine Tür aufgeht, prüfen wir die neuen Möglichkeiten und wenn Türen zufallen, machen wir wieder Straßenmusik und spielen in kleinen Clubs…

Wie könnt ihr die Erlebnisse der Show ‚Eurovision Song Contest – Wer singt für Österreich?‘ zusammenfassen? 

Florian: Es war eine sehr besondere Ausgangssituation, weil der Vorentscheid und der Songcontest selbst in Österreich stattgefunden haben. Hätte man uns vor zwei Jahren gefragt, hätten wir sicher Nein gesagt. Aber uns hat die Show mit dieser Länge extrem viel gebracht, weil wir einfach vier Mal gezeigt wurden und beweisen konnten, wie vielseitig wir sind. 

Matthias: Wir haben einfach extrem viel Zeit in unsere Musik investiert und haben unser Profil sehr geschärft. Es war eine regelrechte ‚Professionallisierungswelle‘, die uns eigentlich auf alles, was da noch so kommen kann, vorbereitet hat.

Würdet ihr nochmal bei so einem TV-Format teilnehmen?

Matthias: Es kommt darauf an. Wir haben ja wirklich gründlich darüber nachgedacht, ob wir bei ‚Wer singt für Österreich‘ mitmachen sollen. Aber es war cool, weil mal ‚echte‘ Bands ins Rampenlicht gerückt worden sind. 

Ihr habt in dieser Show auch euren Song ‚Seit a poar Toag‘ präsentiert. Kurz gesagt, geht’s es darum, dass einem das viele Hackln allmählich umbringt. Was meint ihr, wäre die Lösung? 

Matthias: Ich glaube, jeder hat mal dieses Gefühl und deswegen gibt es dieses Lied, dass man einfach gute Laune bekommt und auf ein Konzert von uns geht und seine Frustration einfach wegtanzt! Wir Österreicher jammern ja gerne, das ist unsere Mentalität… (lacht) 

In diesem Jahr hattet ihr schon unzählige Auftritte als ‚Straßenmusiker‘. Was ist der besondere Charme, auf der Straße aufzutreten? 

Matthias: Die Reaktionen. Florian hatte die Idee, diese zu filmen – so wird man sie im kommenden Video sehen können.

Ihr als waschechte Oberösterreicher: Wie viel Most trinkt ihr im Jahr?

Alle drei: Eigentlich trinken wir nie Most. (lacht)  

 Blunzengröstl oder Kalbswiener? 

Florian: Cordon Bleu. Nein, ganz spontan eher Kalbswiener – Blunzengröstl kann man nicht jeden Tag essen, Kalbswiener schon! 

Wie kann man zu einem besseren Leben 2015 beitragen? 

Florian: Indem man zuerst vor der eigenen Haustüre zusammenkehrt! Sich vor allem im Kleinen auch politisch zu engagieren, indem man zum Bespiel dabei hilft, dass sich die Leute besser integrieren können. Und man sollte nicht alles glauben, was in der Zeitung steht!

Matthias: Einfach Menschen menschenwürdiger behandeln. 

Florian: Und natürlich das Wichtigste: Am 4. November ins WUK kommen!

Um einfach den ganzen Frust weg zu tanzen – so soll es sein!