Do, 1. März 2012

Skillex im Portrait: Der Booo[m]ann

Wen interessiert’s, dass eine Handvoll neidischer Fritzis in den anonymen Weiten des Internets über einen herziehen und einen zum Buhmann des Dubstep erklären, wenn man live beziehungsweise auf Platte unzählige Menschen mit seinen Beats wegrockt und gerade 3 grammys abgeräumt hat? Das junge Basswunderkind Skrillex lässt sich von digitalen Anfeindungen nicht aus der Ruhe bringen und polarisiert weiter mit dreckigem Brachialsound an der Grenze zum Trommelfellriss. Wer sich diese Ohrspülung geben will: Skrillex ordiniert beim Urban Art Forms Festival 2012.

Sonny Moore hat im Jänner seinen 24. Geburtstag gefeiert. Neben dem neuen Lebensjahr darf sich das Bleichgesicht mit der halbabrasierten Langhaarfrisur über exzellente Karriereaussichten für 2012 freuen. Die unantastbare Musikinstitution BBC sieht und hört in Skrillex einen modernen Rock’n’Roll Superstar – ohne Gitarre, dafür mit fetten Bässen aus dem Laptop.

Auf der treffsicheren Prognoseliste ‚Sound of 2012‘ belegt er Platz Nummer vier. Keine schlechten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Geschäftsjahr, ganz im Gegenteil: In seinem Heimatland Amerika ist Mister Moore bereits ein umjubelter Stadionfüller, produziert für Korn oder Lady Gaga und verkauft – unglaublich aber wahr – tatsächlich noch respektable Mengen an Tonträgern. Die EP ‚Scary Monsters And Nice Sprites‘, erschienen auf dem Label von Joel Zimmerman alias Deadmau5, hat in den USA und Kanada mittlerweile Goldstatus erreicht. Jetzt also noch der versöhnliche Adelsschlag aus dem Vereinigten Königreich dazu, dem Mutterland des Dubstep und urbaner Soundinnovationen. Mit der BBC-Ehrung erfolgte Anfang des Jahres der versöhnliche Adelsschlag aus dem Vereinigten Königreich, dem Mutterland des Dubstep und urbaner Soundinnovationen. Im Februar sind noch stolze drei Grammys dazugekommen.

Dass Skrillex nicht jedermanns oder jederfraus Musikgeschmack trifft, ist kein Wunder bzw. keine große Schande. Hyperventilierende Bassmodulationen, schranzartiger Wobble und wahnwitzige Synkopen sind nur bedingt für den entspannenden Heimgebrauch geeignet. Dafür bringt der ekstatische Zeremonienmeister live regelmäßig tausende von Fans zum Durchdrehen und ist dabei selbst derjenige, der am meisten von allen Anwesenden abgeht – eine sympathische Angewohnheit aus seiner Zeit als Frontmann bei der Hardcore Punk Formation ‚From First to Last‘.

Seit 2007 liebt und lebt Sonny Moore seinen eigenen Sound. Darum ist er permanent damit beschäftigt, sich selbst weiterzuentwickeln und neue Arrangements zu basteln – egal, ob am Flughafen, im Hotel oder direkt nach dem Auftritt in der Garderobe. Skrillex ist bekennender Workaholic und arbeitet überall, die ganze Zeit. Wie ernüchternd ist es dann, wenn im Internet substanzlose Hasstiraden gegen einen stattfinden? ‚Das soll nicht arrogant klingen, es ist nur die Wahrheit: Entweder du bist einer dieser 200 anonymen User, die in Foren oder Chatrooms aus sicherer Entfernung über mich lästern.

Oder du feierst zusammen mit hunderttausend anderen ehrlichen Fans hautnah zu meinen Sounds.‘ analysiert der Junge aus Los Angeles. ‚Ich würde mein Musikding auch durchziehen, selbst wenn es keinen da draußen interessieren würde. Natürlich bin ich stolz auf meinen internationalen Erfolg. Aber das alleine ist es nicht, was mich motiviert.‘ fügt er abschließend hinzu. Aktuell ist Skrillex damit beschäftigt, für das renommierte New Yorker Label Atlantic Records ein Album zusammenzustellen. Im Sommer gibt es davon erste Höreindrücke beim Urban Art Forms Festival. Die Karriere von Sonny Moore boomt. Wie sein Sound.


 

SKRILLFACTS

Geboren am 15. Januar 1988 in Los Angeles als Sonny John Moore.

Anfänge: Mit 16 Jahren hat Sonny per MySpace bei der Post-Hardcore-Band
From First to Last angeheuert – dort war er Frontmann von 2004 bis 2007.

Erste Berührung mit Dubstep: Burial ‚Archangel‘

Verwandlung in Skrillex: 2007

Werkzeuge: Skrillex spielt live mit Ableton plus Midi Controller (M-Audio Trigger Finger oder Midi Fighter von DJ TechTools). Zum Produzieren vertraut er auf die Software Massive von Native Instruments.

Lieblingssaft: Whiskey (mit und ohne Cola)

Rauchmodus: Kette

Lieblingsplatte von KoRn: Das Erstlingswerk und selbstbetitelte Album ‚KoRn‘