Di, 7. Oktober 2014

Sir Riff-A-Lot

Slash im Interview

Wenn Riffmaschine Slash gemeinsam mit ‚Packt-man-nicht‘-Stimme Myles Kennedy am 19. November die Wiener Stadthalle heimsucht, hat er auch sein drittes Soloalbum ‚World On Fire‘ dabei. Im Interview verrät er, wieso Herr Kennedy nach Konzerten mit niemandem spricht und warum an Guns’n’Roses doch nicht alles so schlecht war.

Hi, Slash! Lass uns zur Abwechslung nicht deinen eigenen Legendenstatus abfeiern, sondern mit all den großen Namen beginnen, mit denen du zusammengearbeitet hast – Michael Jackson, B.B. King, Ray Charles, sogar Rihanna. Kannst du selbst noch Fan sein?

Klar! Ich würde nie mit jemandem Musik machen, den ich nicht bewundere. Gerade war ich zum Beispiel mit Aerosmith auf Tour. Eine Band, die ich seit meiner Kindheit noch immer abgöttisch verehre, obwohl ich die Jungs heute alle privat gut kenne. So geht’s mir auch mit B.B. King, Iggy Pop oder Ozzy. Ich war immer mehr Fan als Showman. Und wenn man mit denen gemeinsam auf der Bühne steht, muss man halt so cool sein und kurz vergessen, dass die mal unerreichbare Idole waren.(lacht)

Seit damals ist eine Menge Wasser den Mississippi hinunter geflossen, heute hast du selbst einen fixen Platz im Rockolymp. Dein neues Soloalbum ‚World On Fire‘ ist wieder ein Erfolg und ziemlich heavy ausgefallen…

Heavy würde ich gar nicht sagen, aber es hat definitiv eine schön dreckige ‚In-your-face‘-Attitüde. Und ich glaube, dass es auch ein nettes Roadtrip-Album geworden ist. Obwohl ich in der Phase, als wir es abgemischt haben, ein Problem hatte: Ich hab’s mir nämlich immer im Auto angehört, und weil auf dem Ding ja 17 Songs sind, musst du verdammt weit fahren, bis du mit allen durch bist. (lacht)

Es ist heute eher unüblich, dass ein Album fast 80 Minuten dauert…

Was sollte ich denn machen? Ich fand alle Nummern so gut, dass ich einfach keine wegwerfen wollte. Die mussten da drauf. Basta!

Hast du einen Favoriten?

Nein. Daran denke ich auch nie, wenn ich ein Album mache. Mit jedem Song wachse ich beim Schreiben und den Aufnahmen zusammen, und jeder bekommt dadurch eine persönliche Bedeutung. Da kann und will ich nicht werten. Sie sind alle meine Babys, und da magst du eins ja auch nicht lieber als das andere, oder?

Aber was ist, wenn du dann eins dieser Babys als Single auswählen musst?

(lacht) Gemeine Frage. Aber bei der ersten Single geht es immer darum, jenen Song zu nehmen, der das komplette Album am besten repräsentiert. Und als Bonus vielleicht auch noch die meisten Geschmäcker unter einen Hut bringt.

Ganz ehrlich: Seid ihr eine Band oder sind Myles, Todd und Brent die Sessionmusiker von Übervater Slash?

Ich denke, dass wir seit unserer ersten gemeinsamen Show eine Band sind. Obwohl Myles und ich die Songschreiber sind, ich den musikalischen Löwenanteil mache und im Prinzip das ganze Ding leite und alles organisiere, wird jeder absolut gleich behandelt. In diesem Sinne sind wir also sicherlich eine Band.

Kann es sein, dass es sich mit Myles‘ Stimme verhält wie mit gutem Rotwein? Je älter der Mann wird, desto mehr mutiert sie von ‚exzellent‘ zu ‚perfekt‘, richtig?

(lacht) Ich werde das Kompliment weitergeben! Aber Myles passt einfach sehr gut auf seine Stimme auf. Er ist einer der wenigen Sänger, die ich kenne, die direkt nach einer Show bis zum nächsten Tag mit fast niemandem mehr sprechen, um sie zu schonen. Ihm ist sehr bewusst, was er daran hat, und dementsprechend sorgfältig pflegt er seine Stimmbänder.

Nicht böse sein, aber wir müssen deine Ex-Band kurz erwähnen: Mehr als 20 Jahre nach Guns’n’Roses spielst du live noch immer Songs von damals. Machst du das, weil du es willst oder weil deine Fans sie hören wollen?

Ich will das selbst – wirklich. Heute kann ich auf einen ziemlich langen Katalog guter Musik zurückgreifen. Wir spielen heute ja auch Songs von Velvet Revolver, meiner anderen Ex-Band. Und Guns’n’Roses ist ebenso ein Teil von mir. Was rundherum passiert ist, macht ja zum Beispiel ‚Paradise City‘ nicht schlechter – meine absolute Lieblingsnummer von Guns’n’Roses übrigens. Wenn ich am Ende eines Konzerts das Intro beginne, ist das noch immer der perfekte Moment.

…den das Publikum in der ‚Paradise City‘ Wien am 19. November gebührend mitfeiern wird! Danke für das Gespräch, Herr Hudson!