Mi, 10. Dezember 2014

Mehr als Partyspaß

Kraftklub im Interview

Auch wenn die Chemnitzer Band Kraftklub mit druckvollen Gitarren und einer Mischung aus Rock und Rap nach hedonistischen Rabauken klingt – das Quintett um die Frontleute Felix Brummer und Karl Schumann fängt das Lebensgefühl treffend und humorvoll ein, wie kaum ein anderer deutschsprachiger Act. Das Resultat: Zwei Alben, die von Null auf Platz eins der Charts schossen. Mitte Februar stellen Kraftklub „In Schwarz“, ihr jüngstes Opus, in Graz und Wien live vor.

Wieso hast du ein rotes Shirt an?

Felix: Sorry, ich habe heute einen totalen Modefehler begangen. Aber so ist das halt auf Tour: Die schwarzen T-Shirts sind uns ausgegangen, die sind schon alle dreckig.

Warum ist ab jetzt alles ‚In Schwarz‘?

Felix: Weil das der Figur schmeichelt.
Karl: Wir hatten immer die weißen Polos mit dem K. Dann haben wir sie einmal in Schwarz bestellt und fanden sie schicker.
Felix: Generell macht uns so ein Schabernack sehr viel Spaß – sich zusammenzusetzen, ein Bier zu trinken und dann so einen Unsinn auszudenken. Es wäre langweilig, eine Platte einfach so rauszubringen.

Mit beiden Alben in Deutschland von Null auf Platz eins der Charts – hat euch dieser Erfolg überrascht?

Felix: Tatsächlich hat uns speziell die Tatsache, dass wir CDs verkaufen, sehr überrascht. Wir wussten immer, wir sind eine gute Live-Band. Früher oder später werden wir unseren Weg gehen, und die Leute werden zu den Konzerten kommen. Aber dass wir im Radio gespielt werden und unsere Alben so gut verkaufen, war nicht abzusehen.

Woran liegt das?

Felix: Ich weiß es nicht, deshalb war es ja so überraschend. Vielleicht daran, dass wir emsig als Vorgruppe von großen deutschen Acts gespielt haben – mit Fettes Brot, Casper, Rammstein, Die Ärzte. So haben wir uns die Fans erspielt.

Und als das losging, habt ihr gefeiert und danach den Song „Blau“ geschrieben?

Felix: Ja, tagelange Besäufnisse, ausschweifende Gelage…(lacht) Nein, ganz so schlimm war es natürlich nicht, aber das Stück ist zumindest davon inspiriert.

In euren Songs steckt trotz Partylaune immer auch eine gewisse, humorvoll verpackte Botschaft…

Felix: Sicher, es wäre für uns furchtbar langweilig, eine reine Spaß-, Gelage- und Gute-Laune- Band zu sein.

„Schüsse in die Luft“ handelt von einer gewissen Lethargie und Orientierungslosigkeit. Gab es dafür einen bestimmten Anlass?

Felix: Bei manchen Songs ist der Auslöser nur so ein diffuses Gefühl, das sich nicht greifen lässt. So war es auch bei „Schüsse in die Luft“: Das schwebte die ganze Zeit bei unseren Freunden rum – dieses Gefühl, dass man seinen Platz sucht. Dass man versucht, sich selbst zu finden. Ich konnte es lange nicht formulieren und aufschreiben. Aber irgendwann gelang es mir dann doch. Bei ‚Wie ich‘ war das genauso.

„Zwei Dosen Sprite“ greift ja ein ähnliches Thema auf.

Felix: Das ist schon ein recht direkter Song über das Gefühl, sich deplatziert zu fühlen, unwohl, am falschen Ort zur falschen Zeit. Aber halt auch zu wissen, dass Zuhause auch keine Alternative ist: Alles ist besser als dort!

In „ Unsere Fans“ dreht ihr das, was Fans oft an Bands bekritteln, wenn sie erfolgreich werden, um und projiziert es auf die Fans. Basiert das auf Kritik, die ihr persönlich gehört habt, oder geht es generell um Bands, die in den Mainstream durchbrechen?

Felix: Beides. Solche Textpassagen kann man mehr oder weniger wortwörtlichin den Kommentaren der YouTube-Videos finden. Oder auch bei Facebook und Twitter – überall da, wo Leute anonym schreiben können.

Wie reagiert ihr darauf?

Felix: Uns stört das nicht großartig, das war schon immer so. Ich finde es nur schade, dass man sich als Fan die Freude an seiner Band nehmen lässt, nur weil andere sie auch mögen.
Karl: Ein anderer Punkt ist, dass man in größeren Hallen spielt und es dadurch auch teurer wird. Deshalb achten wir darauf, dass unsere Konzerte bezahlbar bleiben.
Felix: Es ist immer die Entscheidung des Künstlers: Wenn du Lady Gaga bist, willst du halt trotz all dem Brimborium, das du auf die Bühne stellst, auch noch eine Million verdienen. Und Die Ärzte sagen halt, Nein, uns reicht weniger. Ich finde das auch sehr sympathisch, wenn man da nicht zu gierig wird.

Den Song „Schöner Tag“ habt ihr mit Casper aufgenommen. Wie habt ihr ihn kennengelernt?

Felix: Das ist ein alter Freund von uns. Mit ihm haben wir unsere erste Tour bestritten. Da war noch keiner von uns bekannt. Das ist mittlerweile vier Jahre her. Deshalb war uns das eine Herzensangelegenheit.
Karl: Casper hat uns ganz früh mal in einem Club gesehen. Da hatten wir noch kein Management und kein Booking. Casper war im Publikum und hat uns weiterempfohlen.

„Vorm Proberaum‘ ist ein Gespräch, das für uns Österreicher sehr schwer zu verstehen ist. Ist das wirklich vorm Proberaum entstanden?

Felix: Das ist richtiger Chemnitzer Dialekt. Ur- Chemnitzerisch sozusagen.
Karl: Ur-Sächsisch. Es war im Proberaum. Wir haben geprobt und es kamen zwei Bauarbeiter, die an dem Proberaum rumgewerkelt und uns dann Tipps gegeben haben. Die fanden unsere Musik richtig gut. Der eine meinte, dass er einen Kumpel hat, den würde er mal anrufen, um uns einen Auftritt zu besorgen.
Felix: Es war so schön, weil Leute, die uns überhaupt nicht kannten, nicht wussten, dass wir bekannte Musiker sind, uns ehrlichen Herzens helfen wollten. Einfach weil sie die Musik toll fanden – ohne vorher etwas gelesen oder im Radio gehört zu haben. Deshalb haben wir das auf die Platte genommen. Auch wenn klar ist, dass das selbst in Deutschland – außerhalb von Chemnitz – kein Schwein versteht.

Bei euren nächsten Gastspielen in unserer Alpenrepublik werden wir dann testen, wie es um eure Österreichisch-Kenntnisse bestellt ist. Bis bald in Graz bzw. Wien!