Like a Wrecking Ball

Seiler und Speer im Interview

Anstatt weiterhin als klassische „Band“ auf Tour zu gehen, legen Christopher Seiler und Bernhard Speer diese Bezeichnung für den Konzert- und Festivalsommer 2018 nieder und fungieren samt der grandiosen Melibar Combo ab sofort als „Seiler und Speer GmbH – ihr verlässlicher Partner für Abrissarbeiten aller Art“. Wir haben mit den Firmengründern die laufenden Geschäfte analysiert, über das wegweisende dritte Album nachgedacht und Einblicke in ihre Abrisspläne für die Baustelle auf den Pannonia Fields bekommen. Yeah, they‘ll wreck us!

Beim dritten Album ist alles wurscht – und das sind die besten Voraussetzungen für ein super Seiler und Speer Album.

Wie laufen die Abrissgeschäfte der „Seiler und Speer GmbH“?

Christopher Seiler: Sehr gut! Wir sind gut gebucht und freuen uns auf die Arbeiten. Wir haben auch schon eine Konzession.
Bernhard Speer: Der Wrecking Ball steht schon.
CS: Es ist einfach sachlicher, wenn man eine Firma ist. Man kann natürlich auch reklamieren, was für den Zuseher finanziell sicher besser ist.
BS: Mit Garantie!

Warum sollte man euch für Abrissarbeiten aller Art engagieren?

BS: Weil wir es gründlich machen!
CS: Nach jedem Festival und nach jedem Konzert muss die Bühne ja wieder abgebaut werden. Wenn man uns engagiert, erspart man sich das. Das ist in unserer Gage inkludiert.
BS: Wir räumen die Bühne auch gleich ab.
CS: Wir fladern auch viel.
BS: Dann haben die Veranstalter auch weniger wegzuräumen.
CS: Der Kunde spart sich somit auch im Speditionsbereich sehr viel.
BS: Es ist eine Win-Win-Situation.

Neben der neuen Firma arbeitet ihr auch bereits an einem neuen Langspieler. Angeblich ist das dritte Album, nach dem schwierigen zweiten Album, die wegweisende Platte …

CS: Beim ersten Album haben wir einfach irgendwas gemacht – das hat relativ gut funktioniert. Beim zweiten Album wollten wir uns beweisen und haben einige Stilbrüche eingebaut. Beim dritten Album ist jetzt alles wurscht – und das sind die besten Voraussetzungen für ein super Seiler und Speer Album. Wir sind Profis, wenn alles wurscht ist. Da kennen nur wir uns aus.

Was dürft ihr uns bereits über das Album verraten?

CS: Wir werden stilistisch auf jeder Hochzeit tanzen. Es wird Wortwitz ohne Ende geben – und vor allem das, wofür wir immer gestanden sind: super Hooklines, die du immer singen kannst. Egal, ob du gerade aufstehst. Egal, ob du gleich schlafen gehst. Während dem Schlafen, beim Beischlafen, beim Verschlafen – du kannst sie immer singen.
BS: Ich habe dem nichts hinzuzufügen.
CS: Stell dir vor, du bist gerade beim Koitus und dann fängt der andere zu singen an …
BS: Was gibt’s Schöneres?
CS: Schon, aber wenn der oder die dann auch noch einen schönen Refrain singt, dann ist schon alles wurscht – deshalb sind wir die Spezialisten dafür!

Während dem Schlafen, beim Beischlafen, beim Verschlafen – du kannst unsere Hooklines immer singen.

Ich versuch mir das gerade …

CS: Vorzustellen? Das würde ich an deiner Stelle lieber lassen! Nein, es wird wirklich super. Ich finde sowieso, es gehört viel mehr mitgesungen. Wir leben gerade in einer Zeit, in der sehr viel Belangloses sehr ernst genommen wird. Gerade so eine Zeit braucht Menschen wie uns.

Apropos Zeit … ab wann dürfen wir denn zum neuen Album mitsingen?

CS: Das wissen wir selbst noch nicht so genau, weil wir uns überhaupt keinen Stress machen und das Album ja mit dieser professionellen Wurschtigkeit angehen.
BS: Von Herbst bis Frühling – so in dem Zeitrahmen.
CS: Davor melden wir uns natürlich schon mit Singles.
BS: Und mit ganz anderen Sachen auch noch. Wer weiß, was noch alles passiert.

Euer Debütalbum ist mit 126 Chartwochen das 11. erfolgreichste Album in der österreichischen Chartgeschichte. Was sagt man dazu?

BS: Wahnsinn! Aber wieso eigentlich nicht Top Ten?
CS: Wir waren das 10. erfolgreichste Album, aber Helene Fischer hat uns überholt.
BS: Ok, verdient! Ich bin ein großer Fan.
CS: Man ist natürlich stolz darauf, weil wir kein Majorlabel hinter uns haben, das uns ein Image hinkreiert hat. Wir haben gezeigt, dass es anders auch geht. Da wird sich schon mancher in den Arsch beißen.
BS: Jeder Schritt, jeder Handgriff kam von uns – da kann man richtig stolz darauf sein.

War eure Do-It-Yourself-Mentalität mitunter ein Schlüssel zum Erfolg?

CS: Sie ist ein Teil davon.
BS: Wir haben natürlich super Leute um uns und sind ein gutes Team – da steckt schon eine Kraft dahinter.
CS: Wir haben uns fähige Menschen für unser großartiges Team ausgesucht. Wir haben nie bei einer großen Firma unterschrieben, sondern die Firma einfach selbst gegründet. Sowas machen wir gern: Abrissunternehmen, Filmfirma, Label – wir haben alles.
BS: Einen Verlag haben wir auch.
CS: Und eine Firma, die regelmäßig unsere CDs kauft. Deswegen ist unser Debüt auch das 11. erfolgreichste Album.

Jeder Schritt, jeder Handgriff kam von uns – da kann man richtig stolz darauf sein.

Bevor eure nächste Tour wieder losgeht: Was ist die nervigste Angewohnheit des anderen?

BS: Ach, ich glaube, wir haben uns schon ganz gut zusammengelebt bzw. auseinandergelebt. Wenn wir uns recht am Arsch gehen, dann hat jeder sein Platzerl.
CS: Es hat auch jeder sein eigenes Zimmer.
BS: Jeder kriegt den Freiraum, den er braucht. Wir gehen uns deshalb nicht oft am Arsch.
CS: Geht auch gar nicht. Im Tourbus hat er da sein Zimmer, dann kommen die Kojen und dann ist dort mein Zimmer. Er sperrt zu, ich sperre zu und dann ist eine Ruhe. Auf Tour ist man zwar irgendwie eine Kinderrasselbande, aber man ist doch schon über 30 und denkt sich manchmal, was tu ich da eigentlich.
BS: Es ist wie in einer schönen Beziehung. Wenn du eine Freundin hast, willst du sie auch nicht 24 Stunden am Tag sehen. Jeder hat seinen Freiraum.
CS: Darf ich mit anderen reden? Das ist aber lieb!
BS: Naja, recht ist es mir nicht, aber ok.

Und für welche Eigenschaft des anderen seid ihr besonders dankbar?

CS: Wie gesagt, er hat sein Zimmer da, ich meins dort.
BS: Er sperrt zu und rührt sich den ganzen Tag nicht – das mag ich!

(c) Oliver Topf

Am 14.06.2018 verlegt ihr euren Firmensitz erneut nach Nickelsdorf. Wie hat’s euch eigentlich letztes Mal am Acker, der die Rockwelt bedeutet, gefallen?

BS: Für mich als alten Nova Rock Festivalbesucher war es natürlich hervorragend, einmal selber da oben stehen und runter rocken zu dürfen. Das war ein Wahnsinn!
CS: Es wird heuer aber noch großartiger!
BS: Stichwort Abrissunternehmen!
CS: Die Show damals war erst der Anfang. Wir haben seitdem extrem viel gespielt und haben eine sehr fähige Band hinter uns. Wir haben uns live seit damals sicher um zwei Level gesteigert. Mir taugt das Nova Rock, weil es dort in erster Linie um den Spaß geht – und das merkt man.

Was macht einen guten Festivalabriss aus?

CS: Das Publikum am Nova Rock weiß schon ganz genau, wie man das macht.

Auf welche Band freut ihr euch auch privat?

CS: Volbeat – die spielen nämlich immer! Weißt du eigentlich, wer heuer bei der Weltmeisterschaft das Eröffnungsmatch spielt? Frankreich gegen Volbeat.
BS: Die spielen überall! Auch auf meiner Hochzeit.
CS: Beim Urknall hat’s bei Volbeat damals die Anlage geschossen – deswegen gab’s überhaupt den Urknall.
BS: Sie sind der Chuck Norris der Musikszene.
CS: Die haben Tetris durchgespielt. Außerdem glaube ich nicht, dass das Nova Rock Volbeat bucht, sondern umgekehrt.
BS: Eine super Band!

But they are definitely not alone! Wir freuen uns auf einen gemeinsamen Abriss am Nova Rock Festival 2018.