Di, 15. März 2011

Itchy Poopzkid im Interview: Frisch. Frei. Fröhlich.

Das dynamische, deutsche Trio namens Itchy Poopzkid meldet sich mit dem brandneuen Album ‚Lights out London‘ zurück im Musikgeschäft. Mittlerweile sind die drei Herren ihre eigenen Chefs – Max, Sibbi und Panzer haben gerade ihr eigenes Plattenlabel ‚Findaway Records‘ gegründet. Im Interview ziehen die Itchy Poopzkid ein frisches Resümee über ihren bisherigen Werdegang, lobpreisen ihre neu gewonnene künstlerische Freiheit und zelebrieren die fröhliche Vorfreude über ihre Konzertbesuche in Österreich.

Itchy Poopzkid feiern dieses Jahr ihr zehnjähriges Bandbestehen – ein Resümee in 160 Zeichen bitte?


Panzer:
Über 650 Konzerte, 14 verschiedene Proberäume, 68 im Backstageraum vergessene Lieblings-T-Shirts, 4 bärenstarke Alben, eine selbstgegründete Plattenfirma, 2800 Liter Freudentränen, 10 Milliliter echte Tränen wegen eines schmerzhaften Bänderrisses 2008 in Bern, 2 geplatzte Busreifen mit 140 auf der Autobahn, immer noch Lust auf 40 weitere Jahre mit dieser Band und zum Schluss die Hoffnung, dass das jetzt 160 Zeichen waren.

Sibbi: Kein Wunder dass Deine SMS Rechnungen immer so teuer sind…

Was meint ihr untereinander: Wie habt ihr euch in den vergangenen Jahren verändert bzw. welche Meilensteine habt ihr in eurem Musikleben erreicht – physisch und psychisch?

Sibbi: Ich glaube, ich kann für alle sprechen, wenn ich sage, dass wir uns eigentlich überhaupt nicht verändert haben. Wir lachen immer noch über die gleichen Sachen, meistens über uns selbst, und sehen auch immer noch fantastisch aus. Aber jetzt im Ernst: Wir sind total froh, dass wir schon seit so langer Zeit hauptberuflich Musik machen dürfen, unseren Traum leben, und einfach das ganze Jahr mit unseren Freunden in der Band und in der Crew unterwegs sind. Das nehmen wir nicht für selbstverständlich und sind sehr glücklich.

Sibbi und Panzer: Habt ihr euren neuen Drummer Max brav integriert? Welches Aufnahmeritual musste er über sich ergehen lassen?

Sibbi: Er musste sich nur das 50x30cm große ‚Eigentum von Itchy Poopzkid‘-Emblem auf den Rücken tattowieren lassen. Sonst sind wir da nicht so streng in der Hinsicht.

Panzer: Das Gute ist ja auch, dass Max schon seit über sechs Jahren Teil unserer Crew ist und wir dadurch sowieso schon unglaublich dicke Freunde sind. Die Entscheidung, ihn zu fragen, ist uns also nicht sonderlich schwer gefallen.

Max: Wie fühlt es sich an, für eine legendäre Punkformation ab sofort den Takt anzugeben?

Max: Die 1 Million Euro zum Einstieg haben mir natürlich gleich ein sehr gutes Gefühl gegeben! Spaß beiseite, es ist der absolute Wahnsinn für mich, im positivsten Sinne. Ich war zuvor ja schon viele Jahre mit den Jungs als Backliner und zuletzt als Lichttechniker unterwegs. Dabei sind wir sehr gute Freunde geworden. Jetzt mit den beiden zusammen Krach machen zu können, fühlt sich wie das beste der Welt an. Wahrscheinlich ist es das auch!

Die letzten dreißig Sekunden vor dem Auftritt der Itchy Poopzkid 2011 kann man sich jetzt ungefähr so vorstellen?

Panzer: Also ich werd immer extrem müde und zeitgleich denk ich immer, dass ich gleich kotzen muss. Irgendwie wird das mit dem Lampenfieber auch nicht besser mit der Anzahl an Shows. Zu allem Überfluss haben wir auch noch so eine blöde Tradition, dass wir kurz bevor wir auf die Bühne rennen noch zusammen nen Kräuterschnaps trinken den keiner mag. Nicht grade förderlich, wenn’s einem eh schon übel ist. Sobald wir dann aber den ersten Ton gespielt haben wird alles Negative gegen Adrenalin und ein durchgetretenes Gaspedal eingetauscht.

Und die letzten dreißig Sekunden von euerer Show?

Panzer: Da denken wir natürlich: ‚Geil, gleich Feierabend!‘ Dann hauen wir die Stechkarte in das Gerät am Bühnenrand und setzen uns im Jogginganzug vor den Fernseher, schauen Marienhof und zählen unser nie enden wollendes Geld.

Mittlerweile seid ihr ja nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz bekannt, sondern tourt auch durch Europa, beispielsweise durch England, Irland und Schweden: Welche besonderen Erlebnisse habt ihr aus diesen Ländern in Sachen live spielen mitnehmen können?

Sibbi: Es ist einfach immer total spannend, rauszukommen und andere Menschen, Länder und Mentalitäten kennenzulernen. Wir brauchen das irgendwie. Es ist eine echte Herausforderung die ganzen Leute, die einen ja nicht kennen, in der Zeit, in der man auf der Bühne steht, zu überzeugen. Das erinnert wieder an die Anfänge unserer Band. Ist jedenfalls immer total spannend und interessant.

Panzer: Ich fand zum Beispiel das Publikum in England sehr skurril und besonders. Diese Mischung aus 13jährigen Mädchen in Miniröcken und 40jährigen Altpunks mit Knasttattoos auf den Fingerkuppen hatte schon was ganz eigenes…

Zu eurem neuen Material: Wo habt ihr eure neuen Ideen umgesetzt und aufgenommen, welche Inspirationsquellen haben euch dabei ans Ziel geführt?

Panzer: Ideen umgesetzt haben wir, wie immer, bei uns zu Hause und in unserem unaufgeräumten Proberaum. Wenn wir beginnen Songs für eine neue Platte zu schreiben, ist das ein sehr intensiver und zeitaufwendiger Prozess. Alles andere wird dann hinten angestellt und teilweise sitze ich bis morgens um sieben Uhr vor meinem Kassettenrekorder und nehme Gitarrenriffs auf, bis mich endlich was umhaut und packt. Das ist auch die Zeit, in der meine Nachbarn dann im Treppenhaus nicht mehr grüßen, weil sie die ganze Nacht nicht schlafen konnten. Inspiration holen müssen wir uns eigentlich gar nicht bewusst. Es gibt viel zu viele Dinge, die einen berühren und beschäftigen. Auf ‚Lights out London‘ geht es um viele Themen, die uns persönlich betreffen oder auch zu schaffen machen. Fernweh, Rastlosigkeit….und ein Lied wie ‚Mute Somebody‘ hat auch einfach nur die Aussage: Halt doch mal bitte die Schnauze jetzt.

Welche Bedeutung haben, wörtlich übersetzt, die Lichter aus London?

Sibbi: Als wir damals in London waren, wo wir auch unser Video zu ‚The Lottery‘ gedreht haben, wollte ich nachts schlafen, konnte aber nicht, weil das Licht noch an war. Da wir zu dem Zeitpunkt aber einen englischen Butler hatten, dessen Vorname lustigerweise auch noch ‚London‘ war, habe ich ihn einfach aufgefordert, das Licht auszumachen.

In dem Video zu ‚Why still Brother‘ greift ihr in Zusammenarbeit mit der ‚Whale and Dolphin Conservation Society‘ ein sensibles Tierschutzthema auf – wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Sibbi: Wir haben die Leute der WDCS auf der Premiere zum Film ‚The Cove‘ kennengelernt. Sie haben uns von ihrer Arbeit und unter anderem auch vom sehr großen, aber leider kaum bekannten Problem des Unterwasserlärms erzählt, der von Militär und Ölindustrie verursacht wird. Da wir schon immer einen sehr engen Bezug zum Meer hatten, haben wir schnell gemerkt, dass das eine Sache ist, für die wir uns engagieren möchten. Also haben wir zusammen mit der WDCS die SONARSUCKS.COM Kampagne ins Leben gerufen, die auch schon sehr erfolgreich angelaufen ist.

Welche Rolle spielt Tierschutz in eurem täglichen Leben?

Panzer: Ich bin seit einigen Jahren Vegetarier, Mitglied bei peta und achte einfach bewusst darauf, dass mein Leben und Konsumverhalten so verläuft, dass dadurch keine Tiere leiden müssen. Ich finde aber nicht, dass man zwingend kein Fleisch essen darf, um sich für Tierschutz einzusetzen. Wichtig finde ich aber, dass sich jeder mit dem Thema auseinandersetzt und sich selbst hinterfragt.

Was sollte sich eurer Meinung gerade im Schutz von Delphinen und Walen ändern?

Sibbi: Im Bereich des Unterwasserlärms müssen z.b. die Schutzzonen eingehalten und andere Methoden der Sonartechnik angewandt werden. Den Tieren wird durch den Lärm einfach der gesamte Lebensraum entzogen und niemand nimmt das Problem wirklich wahr. Aber auch der Walfang ist immer noch eins der größten Probleme überhaupt, der einfach verboten werden muss.

In Österreich wurden kürzlich Tierschützer, die vor einem Bekleidungsgeschäft gegen dessen Pelze protestierten, verhaftet. Einige haben dadurch ihren Job verloren und es wurde sogar ein eigenes Gesetz verabschiedet, um Tierschützer radikaleren Strafen zu unterziehen. Stichwort ‚Terrorismus‘. Ein kurzes Statement dazu von Itchy Poopzkid:

Panzer: Ich frage mich immer wie die Einsatzkräfte das vor sich selbst rechtfertigen, wenn sie aktiv gegen Leute vorgehen müssen, die sich für eine gute Sache stark machen. Wie kann man denn abends vor dem Spiegel stehen, mit sich im reinen sein und dabei denken ‚Guter Tag, heute habe ich 200 Nazis, die das dritte Reich zurück wollen, beschützt‘? Diese Vermischung von den Begriffen ‚Terrorismus‘ und ‚linkem Aktivismus‘ ist auch völliger Unsinn und wird einfach nur benutzt, um populistische Aussagen zu rechtfertigen und so hart gegen friedliche Demonstranten vorzugehen. 

Euer neues Album Lights out London ist gerade erschienen, welche Freiheiten hattet ihr dadurch, dass diese Veröffentlichung erstmals auf eurem eigenen Label ‚Findaway Records‘ rausgekommen ist?

Sibbi: Wir konnten einfach vom Anfang der Produktion, also den Aufnahmen, bis zum letzten Detail in der Promotion etc. alles selbst bestimmen. Das haben wir bei unserer alten Plattenfirma natürlich auch so gut es ging gemacht, aber dieses Mal ging es ohne lange Diskussionen und Streitereien, was echt ein gutes Gefühl ist. Wir sind und waren schon immer eine Band, die bei allem mitreden und das letzte Wort haben möchte, was für eine Plattenfirma schon relativ anstrengend sein kann (lacht). Jetzt sind wir unsere eigenen Chefs und können machen, was immer wir wollen.

Zum Abschluß: Poetische Worte der Vorfreude an eure Fans in Österreich.

Sibbi: Wir freuen uns am besten gleich, auf unsere Fans in Österreich.
Panzer: Oh man.

Danke sehr und auf bald!