Mo, 1. Oktober 2012

Hubert von Goisern im Interview

Goisern ist anders

Rocken tuats guat: Hubert von Goisern spielt mit Band und seinem preisgekrönten Album ‚Entwederundoder‘ gerade ein ausverkauftes Großkonzert nach dem anderen – wohlgemerkt im gesamten deutschsprachigen Raum. Diesen November wird der grenzenlose Weltmusiker aus Oberösterreich 60 Jahre jung, davor gibt es ein feierliches Gastspiel in der Wiener Stadthalle am 25. Oktober. VOLUME hat Hubert von Goisern zu Wien, täglicher Fingerpflege und leidenschaftlicher Geldverbrennung befragt.

Am 17. November feiert Hubert Achleitner seinen sechzigsten Geburtstag – hat deine Heimatstadt Bad Goisern schon angekündigt, wann sie dir ein Denkmal bauen? Welche Beziehung pflegst du generell zur Marktgemeinde in Oberösterreich?

Hubert von Goisern: Ich habe mich mit Bad Goisern versöhnt, und ich glaube, umgekehrt ist es auch so. Aber ein Denkmal zu Lebzeiten – das wäre mir richtig peinlich.

Apropos runder Geburtstag: Wo und wie feiert der Globetrotter Hubert von Goisern sein persönliches Lebensjubiläum?

In Österreich – näher kann ich es noch nicht eingrenzen.

Im Salzkammergut, da kammer gut lustig sein: Welchen See bzw. welchen Berg liebst du besonders? Und wo gibt’s das beste Wirtshaus?

Das behalte ich am besten alles für mich – oder sage es nur meinen engsten Freunden. Nicht, dass ich dann keinen Platz mehr bekomme, wenn ich an den See, auf den Berg oder ins Wirtshaus gehe.

Musik beschäftigt dich seit deiner frühen Jugend, über die Jahre hast du dir im Selbststudium viele unterschiedliche Instrumente beigebracht. Welches Musikgerät willst du in diesem Leben unbedingt noch lernen?

Eigentlich beherrsche ich keines. Ich kann die meisten spielen, aber ich bin auf keinem Instrument ein Virtuose. Insofern sind die Aufgaben noch recht groß…

Quetschn bis die Hände bluten: Welches Heilmittel empfiehlst du für ramponierte Fingerkuppen?

Ich habe mir ja vorgenommen, dass ich mal in ein Nagelstudio gehe und frage. Ganz oben auf meiner Liste steht ein Superkleber für die Nägel. Ich brauche lange Fingernägel für die Gitarre, die mir bei der Ziehharmonika oft im Wege stehen – wenn einer bricht, ist das schlecht. Sicher ist: Nagellack funktioniert nicht als Stabilisator.

‚Entwederundoder‘ ist als ‚Album des Jahres‘ mit dem österreichischen Musikpreis Amadeus prämiert worden und hat mittlerweile Platinstatus erreicht – was auch immer das heißt. Welche Alben bzw. Musiker stehen in deiner persönlichen Rangliste 2012 ganz weit oben? Eine aktuelle Jahresempfehlung von Hubert von Goisern:

Ich bin da ich nicht so auf dem neuesten Stand der aktuellen Veröffentlichungen. Was mir konkret in den Sinn kommt, ist Adele. Es ist ein unglaubliches Geschenk, dass diese Platte das meistverkaufte Album 2011 war – so ein Meisterwerk wie „21“ vor allen anderen Tonträgern im Verkauf, nicht nur in der Gunst des Feuilletons. Das lässt hoffen oder bestätigt, was ich sowieso schon lange denke: Nämlich, dass der Konsument zu Qualität greift, wenn er sie bekommt.

Von wegen ‚Brenna tuats guat‘: Hast du eine Leidenschaft, für die du gerne Geld ‚verschwendest‘?

Wenn ich Essen gehe, dann schaue ich nicht aufs Geld. Andererseits kann es auch passieren, dass ich hungrig bleibe, weil ich nichts Gescheites finde.

Stimmt es, dass du auf Tour immer einen Flaschenöffner dabei hast? Weiß oder rot? Was den Wein betrifft…

Beides, Hauptsache schmecken tuats guat. 

Dieses Jahr stehen über hundert Konzerte auf deinem Tourneeprogramm, 2013 ist eine Auszeit geplant – kann ein umtriebiger Künstler wie du überhaupt komplett abschalten? Wenn ja, wie?

Ich schalte nicht ab, ich schalte nur um. Und zwar von Öffentlichkeit und Bühne auf nicht-öffentlich. Ich arbeite dennoch, ganz privat bin ich nicht – komponieren, schreiben, reisen, Begegnungen, Kontakte pflegen oder Bücher lesen.

Weit, weit weg – momentan zieht es dich für diverse Musikprojekte verstärkt in den Norden. Wie wäre es mit einer Konzertreise auf einem Eisbrecher? Erfahrungen mit musikalischen Schiffsreisen hast du ja anlässlich von Linz09 bereits gesammelt.

Es gab Überlegungen – nicht von mir, aber von einem Freund – mich mit Band auf einer Eisscholle auszusetzen und uns musizierenderweise gegen Süden abtreiben zu lassen. Dagegen ist die Idee mit dem Eisbrecher ja harmlos.

Von wegen Eis brechen: Wien ist anders, und nicht jeder Österreicher bzw. jede Österreicherin fühlt sich wohl in der Hauptstadt. Wie verstehen sich Wien und Hubert von Goisern?

Wir verstehen uns sogar sehr gut, weil ich auch anders bin. Wien ist meine Lieblingsstadt. Weltweit.

Am 25. Oktober spielst du in der Wiener Stadthalle – Heimspiel, Routine oder jedes Mal eine neue Herausforderung?

Alles andere als Routine – ich glaube, ich habe vor 18 Jahren das letzte Mal in der Stadthalle gespielt. Große Vorfreude also!

Ebenfalls – alles Gute und bis bald in der Stadthalle!