Di, 14. April 2015

Herzattacke

:aexattack im Interview

Irgendwo im schönen Ottakring. Eine unscheinbare Tür und ein paar steile Treppen führen zum Kreativzentrum der österreichischen Band :aexattack. :aexattack sind Axl, Heli, Liwi Li, Maurice und Candy. Fünf Freunde, die sich einst von der geschützten Heimat Kärnten verabschiedeten, um sich in die große weite Welt – Wien – zu wagen. Nach acht Jahren präsentieren sie nun ihr Debutalbum ‚Stay Young‘. Zwischen Verstärkern, Schlagzeug und jeder Menge Gitarren hat VOLUME mit dem Quintett über Wutattacken, Kärntner Kasnudeln und die geringe Frauenquote im Musikbusiness gesprochen.

:aexattack klingt so brutal, dabei seid ihr doch ganz handzahm. Wie passt denn das zusammen?

Axl: Stimmt, das haben wir uns auch schon gedacht. Klingt so nach einer Heavy Metal Band, oder? Tatsächlich entstand der Name im Studio. Ein Produzent hat uns mal so genannt und dann sind wir nicht mehr davon weggekommen. Aber hey, vielleicht sind wir ja gar nicht so nett, wie es scheint.

Sondern?

Axl: Mhm…

Das ist eure Chance euch ein Image zu kreieren!

Axl: Der Maurice sagt immer, dass ich der Bad Boy bin, Liwi Li ist der liebe, sanfte Typ, der Heli ist so der witzige und der Candy ist der Boygroup Typ…
Maurice: Und ich bin der Entzugstyp.
Axl: Aber echt, da hätten wir uns wirklich was Geiles einfallen lassen können. Da haben wir nicht drüber nachgedacht…

Weil wir gerade beim attackieren sind. Was macht euch so richtig wütend?

Maurice: Boa, da gibt’s echt viel. Alles, was so in die homophobe, rassistische Richtung geht. Und Gewalt gegen Frauen. Da kriege ich dann schon einen richtigen Schleim. Und wenn ich Ja, Panik höre…
(Alle lachen)
Axl: Was hast du gegen Ja, Panik?
Maurice: Nichts eigentlich. Ich liebe diese Band, aber die Musik macht mich einfach extrem aggressiv.
Axl: Komisch, wobei ich hab auch solche Bands…Nickelback zum Beispiel! Ganz ganz schlimm. Und kleine Kinder und alte Menschen an der Kassa. Das halt ich so gar nicht aus…
Heli: Ich könnte auszucken, wenn ich im Auto sitz‘ und im Radio läuft mein Lieblingslied und dann kommt dieser blöde Verkehrsfunk! Da zuck‘ ich aus! Ich schwör’s dir. Da ist alles vorbei. Da ist jeder andere Schuld.

Und was ist dann das Mittel gegen die Aggression?

Axl: Zuerst rauch‘ ich mal Eine und dann ruf‘ ich meistens den Liwi an und quatsch‘ mit ihm 20 Minuten über das Problem.
Liwi Li: Was mich dann oft grantig macht, weil du mich immer in den blödesten Momenten erwischt. Wenn ich gerade koche oder aus der Dusche steige oder am Klo sitze…

Warum hast du dein Handy am Klo mit?

Liwi Li: Naja, spielst du nie Solitär am Klo?

Wenn, dann lese ich was…

Axl: Das mache ich auch. Schlechte Noisey Artikel zum Beispiel. Das ist übrigens auch was, was mich aggressiv macht. Schlechte Noisey Artikel, die einfach nur sinnlos sind.

Themawechsel. Wie sehr profitiert ihr vom momentanen Hype um Musik aus Österreich?

Axl: Wir können uns echt glücklich schätzen, dass es Bilderbuch und Wanda gibt. Und dass wir genau jetzt unser Album rausgebracht haben. Hätten wir das vor drei Jahren gemacht, wie es ursprünglich der Plan war, hätten sich lange nicht so viele Türen für uns geöffnet, wie das jetzt der Fall ist. Es muss immer ein paar Vorreiter geben. Und wenn die dann dazu führen, dass Radiosender und Magazine hellhörig werden und sich auch nach anderen Bands umschauen, ist das perfekt. Wir tun uns durch die beiden Bands definitiv leichter. Und das ist schön und wir sind dankbar dafür.

Und hat das eurer Meinung nach auch mit Wien speziell zu tun?

Axl: Kann schon sein. Aber vielleicht passiert in Deutschland gerade nichts Spannendes. Ein Freund von mir, der auch Musik macht, fliegt immer irgendwo hin um seine Songs zu schreiben. Der braucht dann immer sechs Jahre für ein neues Album. Wer weiß, vielleicht sind grad alle deutschen Musiker auf irgendeiner Insel und schreiben Songs und deshalb hat Österreich gerade Vorrang. Oder es hat seit Falco einfach nichts G’scheites aus Österreich gegeben. Und jetzt hat sich das geändert und plötzlich schaut einfach jeder auf Österreich. Nicht zuletzt wegen Conchita Wurst.
Heli: Ich glaub‘, dass die Musik immer schon gut war. Die Perspektive und das Bewusstsein hat sich einfach geändert.

Möglich. Apropos Song Contest, was haltet ihr von den Makemakes?

Heli: Ich kenne das Lied nicht mal.
Axl: Mhm, wie wir die finden…
Maurice: Eh liab!
Axl: Coole Band. Ich bin gespannt, was die da rausholen und wie das weitergeht. Ich hoffe, dass sie zu dem stehen, was sie in den Interviews sagen und sich treu bleiben.

Wo wollt ihr mit :aexattack hin? Zum Songcontest vielleicht?

Axl: Also ich hätte gerne mal ein Leben wie einer von den Backstreet Boys. Das fände ich voll geil. Als ich damals beschlossen habe, Musiker zu werden, wollte ich immer sein wie die.
Candy: Bei mir war das East 17.
Axl: Aber mal ernsthaft. Für uns ist es schon toll, wenn man uns kennt und wenn wir von den Leuten gehört werden. Das kippt jetzt gerade ganz stark. Uns gibt’s jetzt schon acht Jahre und jeder hat immer gesagt, dass da nichts passiert. Und plötzlich ist das Album da und innerhalb von drei Monaten ändert sich alles. Das geht dann echt Schlag auf Schlag.

Warum hat es denn so lange gedauert?

Axl: Weil das alles irgendwie nie so wirklich geplant war. Wir haben einfach mal gemacht und der Rest ist dann so passiert. Die Songs sind auch ewig alt.

Gehen einem die Songs dann nicht irgendwann extrem auf die Nerven?

Axl: Voll! Aber wenn man die Songs dann wieder probt, dann kommt es einem vor, als würde man sich selbst covern. Ich weiß gar nicht, wann ich unsere Platte das letzte Mal gehört habe…
Maurice:…letzte Woche beim Release vielleicht?
(Alle lachen)

Heißt das, dass wir jetzt wieder acht Jahre warten müssen, bis zum nächsten Album?

Axl: Nein, das ist eigentlich schon alles geplant…

Alles schon fertig?

Axl: Genau, wir haben in den letzten Jahren sieben Alben aufgenommen und veröffentlichen die jetzt Jahr für Jahr. Wir müssen eigentlich nichts mehr machen.
Nein, es gibt schon Material und einen Plan. Aber was ganz wichtig für uns sein wird, ist, dass wir uns musikalisch und vom Style her so richtig finden. Das würden wir gerne schaffen.

Betrifft das vielleicht auch die Sprache, in der ihr singt? Ihr singt auf dem Album ja auch einen Song auf Deutsch…

Axl: Deutsch zu singen, ist verlockend, weil es einfach die Muttersprache ist und man viel mehr Möglichkeiten hat sich auszudrücken. Aber das würde auch bedeuten, dass ich mir echt alle Texte merken müsste. Im Englischen geht das mit dem Drüberschummeln viel besser.

Du bräuchtest einen Teleprompter.

Axl: Voll. Es klingt echt peinlich, aber nach all den Jahren habe ich die Texte echt wieder neu lernen müssen. Aber schauen wir mal. Deutsch und Englisch zu mischen, ist ja auch nicht verboten. Im Deutschen müssen deine Texte einfach viel besser sein, weil sie jeder versteht.

In eurem Pressetext beschreibt ihr :aexattack als ‚Herzensbekenntnis mit Augenzwinkern‘. Wie ist das gemeint?

Maurice: Das ist wie einen Gin Tonic bei einer hübschen Kellnerin zu bestellen.
Candy: Genau. Das Ganze nimmt sich einfach nicht so ernst. Weniger Hirn und mehr Herz würde ich sagen. Einfach viel Leidenschaft und Spaß.
Axl: Unser Motto ist alles etwas naiv und mit diesem kindlichen Blick zu sehen. Sich im Leben nicht so schnell entzaubern zu lassen und offen für alles zu sein.

Warum seid ihr nicht in Kärnten geblieben und macht dort Kärntner Kasnudeln?

Axl: Keine Ahnung, weil ihr euch eingebildet habt, unbedingt studieren zu müssen. Und dann hab‘ ich halt die Schule abgebrochen und bin mitgezogen. Und seither sind wir alle in Wien. Und ich hab‘ dann auch noch studiert. Naja, wir kennen uns alle schon aus dem Kindergarten…
Maurice: Ich bin erst später als Fan eingestiegen.
Axl: Stimmt. Als wir damals auf unsrer Facebook Seite verkündet haben, dass wir einen neuen Schlagzeuger suchen, haben wir tatsächlich 230 Nachrichten von Leuten bekommen, die bei uns spielen wollten…
(Alle lachen)
Heli: So ein Bullshit!
Axl: Na geh, ich wollt das jetzt echt durchziehen…

Ich hätte es dir auch fast geglaubt!

Axl: Na, wir hatten dann fünf Bewerber und der Maurice war der, der bis am nächsten Tag durchgehalten hat. Also beim Saufen…und das war’s!

Als reine Männerband: Wenn man am diesjährigen Frequency Line Up alle Bands wegstreicht, in der keine Frau spielt, würden nur mehr eine Handvoll übrig bleiben. Warum glaubt ihr gibt es so wenig Frauen in Bands?

Heli: Was? So heftig? Das hätte ich gar nicht gedacht.
Maurice: Ich finde das total schade. Ich hab‘ keine Ahnung, woran das liegt.
Candy: Dabei gibt es so großartige Frauenbands. Das ist total seltsam. Ich spiele sogar mit Frauen Eishockey. Warum also nicht auch in der Musik?
Axl: Ich glaube, dass es genauso viele gute Musikerinnen gibt wie unter den Männern. Ich glaube einfach nur, dass es sich Mädels einfach nicht so zutrauen, wie Burschen. Warum auch immer.
Heli: Weil Mädels einfach nicht so dumm sind wie wir. Die sind clever und machen Karriere und verschwenden nicht ihre Zeit mit Musik machen, so wie wir!
Axl: Aber ich finde es total schade. Ich hätte im Nachhinein voll gerne ein Lied mit einem Mädl drauf gehabt. Vielleicht machen wir noch einen Remix oder ein Feature. Hast du Lust?

Schauen wir mal. Sag niemals nie.

Maurice: Dafür kann man sagen, dass das Album den Mädels gewidmet ist.
Axl: Stimmt, das ist ja schon mal ein Anfang. Mal sehen, was da noch kommt…