Do, 12. Februar 2015

Ein Fritz für alle

Fritz Kalkbrenner im Interview

Das wird ein super Start ins Wochenende: Fritz Kalkbrenner spielt am kommenden Freitag live im Wiener Gasometer – mit seinem aktuellen Album ‚Ways Over Water‘ und einer neuen Bühnenshow. VOLUME hat den Berliner Gefühlselektroniker vor dem anstehenden Gastspiel gefragt, was er von seiner Rückkehr nach Wien erwartet, wie er seine Stimme schont und welcher Sound ihn auf seiner Tour begleitet.

Du spielst am kommenden Freitag live in Wien. Mit welchen Gefühlen kommst du zurück in die Hauptstadt?

Ich habe ein sehr gutes Gefühl, immerhin konnten wir uns ja steigern, was die Größe der Konzerthalle betrifft. 2013 habe ich in der Arena Wien gespielt, am Freitag gibt’s Fritz Kalkbrenner live im Gasometer Wien. Es freut und motiviert mich sehr, dass wir diese Vergrößerung in kurzer Zeit geschafft haben.

Auf was kann sich das Publikum gefasst machen? Von einem Raumschiff aus Licht und Bass ist in diversen Konzertkritiken die Rede…

Schön, wenn auch die Presse von meiner Show begeistert ist. Wir haben ja auch viel Geld und Grips in das neue Bühnendesign investiert. Aber von einem Raumschiff aus Licht und Bass zu schreiben bzw. zu sprechen, finde ich doch etwas übertrieben. Das klingt ein wenig so, als ob Robert Plant von Led Zeppelin oder die Jungs von Pink Floyd auf Besuch kommen. Ganz so mächtig ist unsere Produktion dann doch nicht…

Wer ist verantwortlich für deine neue Bühne?

Das Team von Gunther Hecker – CUE Design heißt die Firma. Zu den Kunden gehören neben mir auch Showgrößen wie Die Fantastischen Vier, Helene Fischer oder Die Ärzte – ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und fühle mich da oben sehr wohl.

Du hast bereits einige Shows im neuen Gewand gespielt. Dein bisheriges Highlight der aktuellen Tour?

Hamburg und Köln sind bis dato ganz weit vorne. Obwohl es sich hierbei um vollkommen subjektive Eindrücke handelt. Denn es kann schon vorkommen, dass die Wahrnehmungen zwischen mir und meiner Produktionsleitung auseinandergehen. Was daran liegt, dass ich da oben stehe und nicht viel mitbekomme, was im Publikumsbereich abgeht oder auch nicht.

Welcher Soundtrack begleitet dich aktuell auf deinen Konzertreisen?

KhruangBin finde ich super – das ist ein obskures Thai Funk Trio aus Texas. Vor allem der Song ‚A Calf Born In Winter‘ ist echt stark, bekannt aus dem Sampler ‚Late Night Tales‘ von Bonobo. Ich habe mittlerweile ein paar Lieder von der Band gesammelt, die ich feier. Darum freue ich mich auch schon sehr auf das Album von KhruangBin, welches bald auf Late Night Records erscheinen soll.

Ganz wichtiger Teil der Show: deine Stimme! Wie hältst du dieses Instrument fit?

Rauchen ist natürlich Gift, aber es wird immer weniger bei mir. Ehrlich! Ich achte mittlerweile auch wesentlich mehr auf meine Stimme als früher, habe immer GeloRevoice im Gepäck – das ist die Pille danach für den Sänger bzw. die Sängerin. Außerdem schwöre ich auf Hausmittelchen wie Ingwertee mit Honig.

Deine aktuelle Singe heißt ‚Void‘, auf Deutsch ‚Leere‘ – wie viel Autobiografie von Fritz Kalkbrenner steckt darin?

Natürlich gibt es auch zu diesem Song einen persönlichen Hintergrund, nur will ich den Assoziationen und Interpretationen meiner Hörerschaft freien Lauf lassen. Ich habe mich schon sehr früh in meiner Karriere darauf geeinigt, keine Deutungshoheit zu besitzen. Mir ist es viel wichtiger, dass jeder seine eigene Beziehung zu meinem Sound entwickelt. Dann können alle etwas davon haben!

Es gibt auch ein fesches Video dazu – wo sind die Aufnahmen entstanden?

Das Video zu ‚Void‘ haben wir am Genfer See gedreht – auf der französischen Seite, genauer gesagt im Städtchen Évian-les-Bains. Die Einstellung mit dem Adler hat bestens funktioniert, angeblich hätte ich auch das Potenzial, als professioneller Falkner zu arbeiten. (lacht) Zumindest behaupten das die Jungs und Mädels vom verantwortlichen Filmteam, die anscheinend schon wesentlich unbegabtere Kollegen vor der Kamera hatten.

Wie fühlt es sich an, einen ausgewachsenen Adler auf dem Arm zu tragen?

Ein doch sehr erhabenes Gefühl! Aber gar nicht so leicht, der Kollege – dementsprechend auch eine kleine Herausforderung für die Arme.

‚Here Today, Gone Tomorrow‘ – ‚Sick Travellin‘ – ‚Ways Over Water‘ – alle Albumnamen haben etwas mit Bewegung zu tun. Absicht oder Zufall?

Rückblickend erkenne ich natürlich diese Parallelen, muss aber offen gestehen, dass dahinter kein Kalkül steckt. Die Albumtitel reflektieren ganz einfach Themen, die mich bewegen – um beim passenden Wort zu bleiben.

Wie würdest du deine eigene Weiterentwicklung von Album zu Album beurteilen?

Der Sprung vom Debütalbum zum Nachfolger ist definitiv größer gewesen als der Sprung jetzt vom zweiten auf das dritte Album. Aus künstlerischer Sicht liegen Anspruch und Realität aktuell sehr nahe beieinander. So kann es also ruhig weitergehen!

Apropos: Was macht Fritz Kalkbrenner, wenn die aktuelle Tour im März ein Ende hat?

Ohne mich jetzt zu sehr loben zu wollen, aber ich bleibe fleißig und umtriebig. Es sind Shows in den Vereinigten Staaten und in Ozeanien geplant, außerdem sammle ich schon wieder neues Soundmaterial. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf mein Gastspiel am kommenden Freitag – um im Hier und Jetzt zu bleiben!

Die Freude ist ganz auf unserer Seite – bis Freitag bei Fritz Kalkbrenner live im Wiener Gasometer.