Mi, 29. August 2018

Break & Lake Festival: Last Minute sei Dank!

Dominic Fuchs und Peter Kremayr im Interview

 

Diesen Wochenende geht Österreichs einziges Drum’n’Bass-Festival in die erste Runde: Das Break & Lake Festival am Stausee Klaus (OÖ). Verwunderlich, da kaum ein anderes Genre über eine so große Community hierzulande verfügt, wie die 160 bis 190 BPM-Klänge. Was macht die heimischen Breiten so interessant für den einst vorrangig im Underground beliebten Sound? Wir haben mit Dominic Fuchs und Peter Kremayr, den beiden Headmastern des Break & Lake darüber gesprochen. So viel sei vorab gesagt: Platz für Bad Blood gibt es im Drum’n’Bass keines..

Bei uns gibt es übrigens noch 3×2 Festivalpässe zu gewinnen!

Drum’n’Bass erfreut sich vor allem in Österreich bereits seit Jahren großer Beliebtheit – woher kam nun der Anstoß für’s Break & Lake?

Dominic Fuchs: Vor zwei Jahren haben wir beim Event „Sea & Sand“ gemeinnützig mitgearbeitet, da sind wir auf den Stausee Klaus als Location aufmerksam geworden. Heuer ging es dann weiter mit der Planung. Wir haben uns dazu entschieden, nicht auf dem Wasser, aber Open Air etwas zu veranstalten. Als dann das Nu Forms Festival abgesagt wurde, hatten wir die Idee, etwas Mehrtägiges zu organisieren. Ansonsten gibt es ja kein heimisches Drum’n’Bass-Festival, leider. Das hat uns allerdings auch die Sicherheit gegeben, dass wir genügend Leute erreichen werden.
Peter Kremayr: Natürlich ist es auch einfach der Traum eines jeden Veranstalters, ein mehrtägiges Festival zu veranstalten. Da war die Idee dann geboren.

Das Projekt ist relativ kurzfristig entstanden?

Dominic: Mehr Vorlaufzeit wäre natürlich besser gewesen. (lacht) Hier am Land ist man oft überfordert mit großen Veranstaltungen, weil das einfach nicht so häufig vorkommt. Im Dezember begann es eigentlich schon mit der Planung, aber erst letzte Woche haben wir die schriftliche Bewilligung von der Gemeinde bekommen. Aber wir haben ein so motiviertes Team, das ist ein Wahnsinn. Alle arbeiten voll rein.
Peter: Man kann es als ein Last-Minute-Festival bezeichnen. (lacht).

Was macht den Stausee Klaus als Location so besonders?

Peter: Der Stausee Klaus befindet sich mitten in einem großen Tal. Man ist ein bisschen abgekoppelt, da man erst über die Staumauer fahren muss, damit man überhaupt herkommt. Man hat daher auch keine Nachbarn hier. Das muss man wirklich mal selbst gesehen haben.
Dominic: Der Stausee ist ja mit der Steyr verbunden, was ein irrsinnig cooles Naturjuwel ist. Ich bin an der Steyr ausgewachsen und kenne kaum einen Fluss, der so viel Wasser führt und so klar ist, wie die Steyr. Der See schimmert blau-grün, wenn die Sonneneinstrahlung passt. Das hat einfach eine tolle Wirkung auf die Location. Im Hintergrund von der Mainstage sieht man außerdem das Schloss Klaus, was eine tolle Kulisse bietet.

Welche Crews sind mit an Bord?

Peter: Ich komme ja vom Basskollektiv Vor.laut, Dominic steckt hinter Phase One und gemeinsam mit Partnercrews veranstalten wir das Festival. U.a. haben wir da von Wien Contrast vertreten, von den Grazern ist Massive Playgrounds dabei, ehrliches Bum Bum und Beatsurpreme dabei, dann sind Morphed, Moshbit Records, Nu:Vision und Guerilla Warfare Music vertreten, sowie Ruhestörung aus Tirol.
Dominic: Diese Crews sind alle Freunde von uns und superstoked, dass sie Teil vom einzigen Drum’n’Bass-Festival in Österreich sein können.

Wieso war es euch wichtig, dass man bzw. auch Yoga oder Grafitti-Workshops bei Euch machen kann?

Dominic: Weil meiner Meinung nach einfach zu einem Festival mehr dazugehört, als dass man nachmittags am Campingplatz sitzt und sich betrinkt. Vor allem hier, wo man auch Bootfahren kann. Leider hat uns der Verantwortliche für’s Bungee-Jumping abgesagt, aber das wollen wir nächstes Jahr auch anbieten. Teilweise stellen wir auch Wegweiser auf, damit man das Gebiet um den Stausee erkunden kann. Fünfzehn Minuten wandern und man gelangt zu einem richtig coolen Tümpel!
Peter: Außerdem wollen wir ja auch kulturfördernd arbeiten. Das, was wir lieben, wollen wir auch an eine nächste Generation weitergeben. Daher bieten wir am Break & Lake auch Dj-Workshops an.

Daher lautet Euer Motto auch REACHING FOR NEW WAVES.

Dominic: Für uns als Crew sagt das einfach aus, dass wir diese Bewegung weiterbringen und diesen Standard-Electronic-Festival-Vibe in Österreich, der bisher meist schlicht und einfach gehalten ist, irgendwie in eine andere Richtung treiben, indem wir auch Nachmittagsprogramm und vieles mehr anbieten. Ich habe heuer als Produktionsleiter am Rock im Dorf gearbeitet und da konnte ich einige Ideen dazu sammeln.
Peter: Wir wollen mit unseren Side-Events auch einfach diesem 08-15-Vibe entkommen. Und wie bereits gesagt wollen wir Kulturförderung betreiben. Unser Festival ist mehr als ein reines Besäufnis (lacht).
Dominic: Und auch einfach mehr als eine audiovisuelle Show. Wir wollen die Leute einfach mit ihrer Emotion packen – mit dem Gesamtpaket unseres Festivals.

Peter Kremayr an den Decks. Bei Vor.Laut hat er das Sagen.

Why Is Austria Such An Exciting Country For Drum & Bass? Fragt sich beispielsweise UKF. Warum ist die österreichische Drum’n’Bass-Community nicht kleinzukriegen?

Dominic: Gute Frage.
Peter: In den letzten Jahren gab es einfach einen wahnsinnig großen Aufstieg des Drum’n’Bass; wirklich brutal mitanzuschauen. Zu einem gewissen Grad sicherlich auch wegen Acts wie Camo & Krooked, die Drum’n’Bass einfach massentauglicher gemacht haben.
Dominic: Österreich hat auch einfach ein riesengroßes Repertoire an guten Artists. Von Body&Soul über Disazst. Wir sind einfach ein Aushängeschild für Drum’n’Bass-Künstler, -Artists und -Produzenten. Wir haben also viele Vorbilder, das ist einmal das eine. Die Leute, vor allem die Jugendlichen, sind auch einfach interessiert am Auflegen. Vor allem in diesem Genre kenne ich viele Leute, die einfach am Auflegen interessiert sind, ohne dabei zwingend auf einer großen Bühne stehen zu wollen. Wir haben es hier einfach mit einem Movement zu tun, das auch manchmal vom großen zum kleinen Bruder weitergeben wird. Das Genre hat sich einfach sehr stabil etabliert und wird heimisch von Generation zu Generation weitergegeben.
Peter: Man darf auch nicht die Vielseitigkeit von Drum’n’Bass vergessen. Es gibt so viele Subgenres. Ich kann beispielsweise etwas in Richtung Liquid, wie etwa die Hybrid Minds, meiner Mum vorspielen, und das taugt ihr. Das Facettenreichtum, das Drum’n’Bass mittlerweile hat, in Kombination mit den guten Artists und der Promotion, die hier einfach gut funktioniert, wirkt.
Dominic: Die Szene ist auch einfach sehr groß und freundlich. Ich wüsste kaum Momente, wo ich Schlechtes mit Drum’n’Bass verbinde. Das ist, glaube ich, was die Leute sehr mögen an diesem Genre.

Dominic Fuchs ist der Mastermind hinter Phase One. Gemeinsam mit Peter hat er das Break & Lake Festival ins Leben gerufen.

Trendprognose: Welches Subgenre wird am meisten an Aufmerksamkeit gewinnen?

Peter: In Oberösterreich geht der Trend gerade in sehr deepe, viby Drum’n’Bass-Sounds. Lange Zeit war das harte Geballere in, jetzt wird er wieder experimentell und deep.
Dominic: Die Leute werden auch immer offener dafür. Ich denke auch, dass Liquid auch wieder mehr im Kommen ist. Auch poppy Sachen mit Vocals, wie das etwa Hybrid Minds liefern.

Was wünscht Ihr Euch für die österreichische DnB-Szene?

Peter: Aus Veranstaltersicht sehen wir, dass das Genre immer massentauglicher wird und die Veranstaltungen eigentlich immer gut besucht sind. Wünschenswert ist, dass das weiterhin so bleibt und wächst. Aus persönlicher Sicht ist es einfach ein geiles Gefühl derzeit. Die Connection untereinander ist österreichweit einfach extrem gut. Ich kenne eigentlich kein böses Blut hier.
Dominic: Man kann sich auch wünschen, dass Jump Up in Österreich nicht den Status erreich wie in Belgien (lacht). Nein, das ist natürlich Geschmackssache. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Das fänden auch wir wünschenswert. Auf ein lautes Festival!