Mo, 11. November 2019
Meh sein ist alles

Meh sein ist alles

Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokio 2020

Auf dem Papier ist es doch die perfekte Kombination: Nintendo und Sega kümmern sich gemeinsam um ein Partyspiel, das viele verschiedene Minispiele vereint und auch noch einen Storymodus oben drauflegt. Leider setzt auch Tokio 2020 die Tradition der mittelmäßigen Olympia-Spiele fort.

Tokio 2020 macht es nicht groß anders als die Vorgänger. Sega vereint die Charaktere aus dem Mario und aus dem Sonic-Universum und schickt sie im Rahmen aktueller Olympischer Spiele auf die Rennbahn, die Matte oder ins Stadion. Die unterschiedlichen Wettkämpfe dienen dabei als Vorlage für Minispiele, in denen ihr die verschiedenen Disziplinen stark vereinfacht nachspielen könnt. Vom Konzept und Aufbau her richtet sich die Reihe einerseits an jüngere Fans sowie an Partys, die ein bisschen Schwung brauchen. Funktionierts? Darauf ein herzhaftes „Meh“!

Die Traumspiele gehören zu den Highlights des gesamten Games.

Die Spiele an sich geben ihr Bestes. Insgesamt 34 davon hat Sega reingepackt, von Kanufahren über Skateboarden bis hin zu Weitsprung ist so ziemlich alles dabei. Eine besondere Rolle nehmen dabei die stark erweiterten „Traumspiele“ ein, die ihr so sicher nicht in Tokio sehen werdet. Außerdem gibt es zehn Spiele im Retrolook (den Grund dafür lest ihr dann später im Abschnitt über die Story). Die Spiele machen zumindest kurzzeitig Spaß und sehen schick aus. Wenn Wario zum Beispiel Shadow beim Boxen schick animiert eine reinballert, bringt einen das immer wieder kurz zum Schmunzeln. Dennoch setzt sich Sega oft genau zwischen die Stühle: Einerseits gehen die Minispiele oft nicht über simples Tastendrücken hinaus. Andererseits ist die Steuerung dann aber doch pro Spiel dermaßen unterschiedlich, dass einfach hinsetzen und spielen auch nicht funktioniert. Manche steuert ihr normal mit dem Controller, für andere geht auch Bewegungssteuerung. Das braucht alles eine gewisse Eingewöhnung. Und das ist für Partyspiele nicht gerade förderlich.

Apropos Partyspiel: Das Herzstück von Tokio 2020 ist der Multiplayer. Dafür fehlt aber eine große Sache. Ihr müsst die Spiele immer wieder einzeln und umständlich übers Menü anwählen. Es gibt keine Möglichkeit, sich selbst einen Ablauf zusammen zu stellen und am Ende einen Sieger zu küren. Dass diese Option fehlt, wirkt bei einem Spiel dieser Art mehr als seltsam. Spaß macht es zumindest für kurze Zeit trotzdem, vor allem, wenn ihr ein Spiel das zweite oder dritte Mal spielt und langsam die Steuerung verstanden habt. Langfristig bleibt’s aber nicht mehr als ein Snack zwischendurch.

Tischtennis: Spaßig, aber fast eine Spur zu simpel.

„Dann ist es ja gut, dass es einen Storymodus gibt, der eventuell längerfristig motivieren kann!“ wäre jetzt wahrscheinlich die natürliche Reaktion. Nur, dass der Storymodus der größte Reinfall im ganzen Spiel ist. Die Geschichte dahinter: Mario, Sonic und alle Anhängsel sind in Tokio, um sich die Olympischen Spiele anzusehen und wahlweise auch mitzumachen. Bowser und Dr. Eggman wollen die Gelegenheit nutzen, ihre Erzfeinde loszuwerden, und saugen sie in eine Retromaschine, die sie ins Jahr 1964 zurückversetzt (blöderweise saugen sie halt auch gleich sich selbst mit ein). Luigi versucht jetzt , seine Freunde wieder rauszukriegen, und läuft dabei durch Tokio, um sich Hilfe zu holen. In der Zwischenzeit wollen Mario und Sonic die Retrospiele gewinnen, denn der einzige Ausweg führt über Goldmedaillen. Natürlich erwarten wir uns von einem Partyspiel keinen Drehbuchoscar, aber es ist schon extrem schwer zu schlucken, wie hirnrissig das Ganze zeitweise wird. Luigi ist verzweifelt und braucht Hilfe von seinen Freunden, die so „Ja kein Stress, erst mal 100 Meter Lauf“. Gut, das wär alles noch hinzunehmen, wenn es nicht dermaßen sterbenslangweilig wäre. Der Storymodus besteht gefühlt zu 97 Prozent aus elendslangen, unlustigen und seltsamen Dialogen, unterbrochen von einem Spielchen hie und da. Und da weder die Geschichte selbst noch die Spiele richtig fesseln können, wird’s schnell sehr krampfig.

Die Gesichtsausdrücke sagen alles darüber, wie spaßig der Storymodus ist.

Was bleibt also? Ein paar nette Minispiele, kurze Unterhaltung, eine Mario-typisch wahnsinnig knuffige Präsentation mit Charme. Das wäre ja an sich ganz ok, würden nicht zwei Tatsachen gegen Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokio 2020 sprechen. Erstens: Nintendo und Sega verlangen dafür tatsächlich den Vollpreis von 60 Euro. Und zweitens: Das eindeutig auf Multiplayerspaß ausgelegte Spiel gibt es für die Switch. Und für die Konsole gibt’s bereits Mario Kart, Mario Party und Super Smash Bros. Und daran kommt Tokio 2020 sicher nicht vorbei und wird es wahrscheinlich auch 2028 noch nicht.

— Martin Hammerl

6

Das Gute

- zumindest kurzfristig gesehen spaßiges Partyspiel

- Hohe Abwechslung bei Minispielen

- knuffig-süßer Nintendostil

Das Schlechte

- furchtbar langweiliger Storymodus

- Steuerung teilweise zu einfach, teilweise zu kompliziert

- keinerlei Langzeitmotivation

Shortcut Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokio 2020
Release 8. Nov 2019
Studio Sega
Publisher Sega
Alles in Allem Okay