Altes Spiel, wunderhübsch neu verpackt - Octopath Traveler

Es kann sicher nicht schaden, die Nostalgiebrille aufzusetzen, bevor ihr Octopath Traveler spielt, denn das Rollenspiel weckt Erinnerungen an die Glanzzeit der JRPGs in den Neunzigern. Warum das Spiel aber nicht nur für Oldschool-Fans interessant ist, sondern an vielen richtigen Stellen Verbesserungen bringt, zeigt unser Test.

Rundenbasierte Kämpfe. Charaktere in 16 bit Optik. Epische Storylines, die sich über stundenlange Zwischensequenzen hinziehen. Auf den ersten Blick wirkt Octopath Traveler, als wäre ein SNES-Spiel aus dem Jahr 1996 in die Switch gehüpft. Entwickler Square Enix hat sich für sein neuestes Werk massiv an der Goldenen Ära der JRPGs orientiert, Erinnerungen an Bravely Default werden wach: Wer dieses 3DS-Highlight mochte, wird Octopath Traveler lieben.

Wie schon im Namen angedeutet wird, steuert ihr in Octopath Traveler acht Heldinnen und Helden. Jeder der Charaktere erlebt seine ganz eigene Story, die sich über jeweils vier Kapitel in einer riesigen Welt hinzieht. Dabei geht es um die unterschiedlichsten Zugänge: Händlerin Tressa etwa zieht durch den Kontinent, um ihr Handwerk aus neuen Blinkwinkeln zu erleben; Ritter Olberic sucht seinen alten Kollegen aus Armeetagen, um ihn für seinen Verrat zur Rechenschaft zu ziehen. Bei den Geschichten wird so gut wie kein Klischee ausgelassen: Die naive und religiöse Heilerin, der überschlaue Gelehrte, der den Gegnern Elementarzauber auf die Nuss gibt, die Jägerin, die mit dem Wald eins sein will – all das und noch mehr scheint direkt aus dem „Handbuch für JRPGs“ zu hüpfen. Lange und teilweise vertonte Zwischensequenzen erzählen die Geschichte weiter, wers komplett authentisch mag, schaltet auf Japanisch um.

Die teilweise arg vorhersehbaren Wendungen macht Octopath Traveler mit den sympathischen Charakteren wett, die euch über die volle Dauer für die einzelnen Storys motiviert halten. Hier verbirgt sich aber auch eines der größten Mankos des Spiels: Die Geschichten bleiben genau das, nämlich einzelne Storys. Warum sich Dieb Therion etwa mit Händlerin Tressa zusammen tut, obwohl die beiden eigentlich Erzfeinde sein sollten, bleibt unbeantwortet, und das ist nur einer von vielen Logikfehlern. Octopath Traveler trennt die Geschichten klar voneinander, die Party reagiert nur in einzelnen Dialogfetzen auf das jeweilige Geschehen rund um die anderen Mitglieder. Eine epische Gesamtstory sieht anders aus.

Warum das Spiel trotzdem ein Highlight für die Switch ist, liegt an anderen Punkten: Einer davon ist das Kampfsystem. Die klassische Party von vier Charakteren schnetzelt sich durch Zufallskämpfe. Diese bleiben vor allem durch die Boost Points dynamisch, bekannt schon aus Vorgängerspielen wie etwa Bravely Default. Jede Runde sammeln die Charaktere einen Punkt, diese könnt ihr dann einsetzen, um öfter anzugreifen oder einen besonders starken Angriff loszulassen. Außerdem gibt es noch Schwachstellen jedes Gegners, die ihr erst mal finden müsst, ansonsten bleiben eure Attacken relativ wirkungslos. Stumpfes Knopfhämmern führt also nicht zum Ziel. Dadurch bleiben die teilweise sehr langen Kämpfe jederzeit dynamisch und herausfordernd. Und kämpfen müsst ihr viel, denn bis ihr die jeweiligen Levelempfehlungen für ein Gebiet mit allen Charakteren erreicht, vergeht viel Zeit beim Grinden. Jeder der Charaktere besitzt außerdem eine sogenannte „Path Action“ – mit dieser könnt ihr NPCs zum Beispiel um Gegenstände erleichtern, sie zum Duell auffordern oder nach Details ausfragen. Octopath Traveler bindet diese Aktionen in jedes Storykapitel ein, das wirkt aber manchmal arg an den Haaren herbeigezogen.

Die Grafik ist eine Mixtur aus 16 bit Ära und hochaufgelösten Umgebungen. Es ist gerade anfangs schwierig, sich an den Mischmasch zu gewöhnen, aber wenn es dann soweit ist, bietet sich euch eine der schönsten Spielwelten, die die Switch auf Lager hat. Wie vom Entwickler gewohnt, ist auch der Soundtrack herausragend und gehört zu den bisher besten Spielsoundtracks des Jahres. In jedem Gebiet und in jeder Situation erwarten euch wunderschön arrangierte Orchesterstücke, die das Spiel perfekt untermalen. Grafik und Musik in Verbindung mit stellenweise großartigen Charaktermomenten sorgen für echtes Gänsehautfeeling.

Fazit

Octopath Traveler wird bei Fans der 90er-JRPGs wie Lufia oder Final Fantasy 6 Freudensprünge auslösen, so sehr atmet dieses Spiel den Geist der alten Zeit. Für jüngere, die mit dieser Ära überhaupt nichts mehr zu tun haben, bietet sich trotzdem auch genug: Das spannende Kampfsystem, der knackige Schwierigkeitsgrad oder die wunderschöne Präsentation. Auf der Negativseite stehen die fehlende Verbindung der Storys oder auch der massive Zeitaufwand, der für Octopath Traveler notwendig ist – aber irgendwo gehört ja auch genau der zu der zu dieser Art von Spiel dazu.

8

Das Gute

+ forderndes und frisch bleibendes Kampfsystem

+ sympathische Charaktere, mit denen man mitfiebert

+ wunderschöne Grafik und Musik

+ großer Nostalgiefaktor

Das Schlechte

- massiver Zeitaufwand für Grinden

- Einzelstorys bleiben ohne verbindenden roten Faden

Shortcut Octopath Traveler
Studio Square Enix Business, Division 11, Acquire
Publisher Nintendo