Mi, 3. Dezember 2014

Split it - Die Geschichte des Splitboards und wofür es gut ist

VOLUME Freeride Special

Das Ehepaar Jagl lebt in St.Pölten mit Katze und Pferd. Sie (die Jagls, nicht die Tiere) pendeln täglich nach Wien, um im Medienbereich zu arbeiten, pflegen die feine Klinge der Ironie im alltäglichen Umgang miteinander und sind begeisterte Snowboarder. Seit ein paar Jahren nutzen sie die Möglichkeiten, die ein Splitboard bietet, zum Freerideorientierten Tourengehen (Roman hat damit sogar die Alpen überquert). Ihre Erkenntnis: ein Splitboard und Freeriden gehören zusammen.

Aufblende. Sonnenaufgang über den Bergen der Steiermark. Es ist sieben Uhr früh. Wir haben uns gerade aus unseren Hüttenschlafsäcken und einigen Decken geschält und versuchen, das Feuer im Ofen in Gang zu bringen. Über Nacht ist es kalt geworden. Wir wollen Schnee schmelzen, um uns waschen und Tee kochen zu können. Gemütlich richten wir uns den Frühstückstisch her. Viele Gaben hält er nicht bereit, aber die schmecken oben in den Bergen umso besser. Wir essen unser Vollkornbrot mit Schokoaufstrich und nippen am noch viel zu heißen Tee. Wir befinden uns im Winterraum des Guttenberghauses, hoch über Ramsau an einer Südseite des mächtigen Dachsteins gelegen. Wir packen unsere Rucksäcke für eine Tagestour und marschieren los. Einige Stunden später werden wir erschöpft, aber glücklich zurückkehren. Hinter uns liegen etliche bewältigte Höhenmeter im Aufstieg, eine grandiose Rundum-Sicht vom Gipfel des Eselsteins und eine abwechslungsreiche, wenn auch nicht pulvrige Abfahrt am Weg retour. An unseren Füßen tragen wir Splitboards. Diese teilbaren Snowboards erlauben es, wie mit Tourenski aufzusteigen. Am Gipfel angekommen baut, man die Bretter wieder zusammen und kann eine Snowboard-Abfahrt genießen.

Was ist ein Splitboard?
Ein Splitboard ist kein neues, trendiges Wintersportgerät. Die ersten tourentauglichen Bretter wurden schon Ende der 80er Jahre in Bayern entwickelt. Allerdings waren die Materialien und die Technik dahinter noch nicht ausgereift.
Es handelt sich um ein der Länge nach teilbares Snowboard, das durch spezielle Halterungen für Bindungen, den Bindungsplatten und Haken, stabil verbunden ist. Durch das Lösen dieser Bauteile und dem Umsetzen der Bindungsplatten erhält man quasi Tourenski, mit denen man durch das Aufziehen von Fellen bergauf gehen kann.
Neben dem verbreiteten 2-teiligen Board wurden auch 3- oder 4-teilige Bretter entwickelt, da vor allem die zu hohe Breite der einzelnen Bretter in einer klassischen Skitourenspur immer wieder Probleme machte. Durch die immer breiter werdenden Tourenski, vor allem im Freeride-orientierten Tourenbereich, ist dieser Unterschied allerdings nicht mehr so groß, wie noch vor einigen Jahren.

Bis zur Jahrtausendwende war das Splitboard eher Individualisten und Bastelfreaks vorbehalten. Seriengefertigte Boards waren teuer und schwierig zu bekommen – und der Selbstumbau, bei dem ein normales Freeride- Board der Länge nach in der Mitte durchgesägt wird, für die Bindungsplatten Löcher gebohrt und Schrauben befestigt werden und danach alle noch offenen Kanten und Löcher mit Kunstharz verschlossen, ist nicht einfach und sehr arbeitsintensiv. Mitte der 90er entwickelte eine amerikanische Firma namens Voilé ein spezielles Bindungssystem, das den Umbau der Bindung wesentlich vereinfachte. Ein Meilenstein, denn dieses System ging in Serienproduktion. Durch die Erweiterung und Distribution in Europa konnte die Firma ihr patentiertes System für Splitboards weltweit verbreiten und wurde zu einem Standard für Splitboards, auf den viele Hersteller heute ihre Boards auslegen.
Da der Freeride- und Tourenhype der letzten Jahre an der Snowboard-Industrie auch nicht spurlos vorbei gegangen ist, hat sich in den Bereichen Innovation, Verarbeitung und Verfügbarkeit sehr viel getan. Neue Bindungssysteme kleiner spezialisierter Firmen, neue Boardshapes und industriell gefertigte Boards mit bereits integrierten Gewindebohrungen (Inserts) für verschiedenste spezielle Splitboardbindungen, Marketing und Testtage haben auch die letzten SkeptikerInnen davon überzeugen können, dass die Boards punkto Fahreigenschaften und Handling durchaus was hergeben.

Stephanie Jagl-Posch/Roman Jagl