Mi, 3. Dezember 2014

3 Städte, 3 Menschen

VOLUME Freeride Special

Wenig überraschend leben die meisten Freerider ihre Leidenschaft neben einem klassischen Brotberuf aus. Ebenso wenig überraschend findet sich nicht immer ein knackiger Zweitausender, im Idealfall lifterschlossen, vor der Haustür. Wie organisiert man also den Winter als Stadtkind, um trotzdem jede Saison auf eine ausreichende Zahl von Tagen voller Powder zu kommen? Drei Menschen aus Innsbruck, Wien und Graz berichten.

David Solbeck

Student und Barkeeper, Innsbruck

Berg, Schnee, Stille, es ist auf jedem Grat, an jedem Tag das Gleiche und dann auch wieder nicht. Was sich ändert, sind die Leute, mit denen man unterwegs ist, und das Terrain. Hallo, ich bin David und mich fasziniert der Winter in jeder Hinsicht, vor allem aber unverspurte Hänge, die Herausforderung und der Nervenkitzel beim Freeriden. Jede Saison treibt es mich in die Berge auf der Suche nach frischem Powder. Ich wusste schon immer, dass ich einmal in einer Stadt leben will, die unmittelbar in den Bergen liegt und so ist meine Entscheidung sehr schnell auf Innsbruck gefallen. Die Möglichkeiten als Freerider sind nahezu unbegrenzt und somit perfekt für mich und alle Schneebegeisterten, die hier leben. Diese Begeisterung für die Berge schlägt sich allerdings oft in Geldbeutel und Zeitmanagement nieder. Da ich nicht das Privileg eines Sponsors habe, muss ich mir meine Ausrüstung jedes Jahr aufs Neue zusammensuchen. Hierzu wird der komplette Bekanntenkreis in der Hoffnung abgegrast, dass jemand etwas günstig abzugeben hat. Wenn ich Glück habe, gibt es wieder irgendwo einen Ausverkauf, wo eine Hose und Jacke abgegriffen werden kann. Nächster Problempunkt ist das Zeitmanagement. Hier mal eine Auflistung meiner Prioritäten: Zuerst Freeriden, dann Uni und abgeschlagener Dritter: die Arbeit. Diese drei Punkte stehen oftmals in Konflikt zueinander, aber wenn es schneit, wird am Vortag bis in die Nacht gearbeitet, am nächsten Tag um 6 Uhr aufgestanden, auf den Berg gefahren und danach die Uni erledigt. Auch wenn so wie letzten Winter der Schnee im Norden dürftig war, kann ich als glücklicher Snowcardbesitzer schnell den Powder-Traum in Osttirol leben und die Prüfungen verschieben. Zwar ist mein Geldbeutel nach so einem Trip um einiges leichter, meine Beine sind von den Aufstiegen und Abfahrten umso schwerer, aber dafür ist mein Endorphinhaushalt ins Unermessliche gewandert. So gesehen ist Innsbruck ein gutes Pflaster für Freerider.
Die besten Skigebiete bei Innsbruck:
Hochfügen
Axamer Lizum
Obergurgl/Hochgurgl

Markus Klausz

Softwareentwickler, Graz

Graz, die Murmetropole. Gelegen an den südöstlichen Ausläufern der Alpen und Heimat einiger bekannter Bergsteiger und passionierter Hobbyfreerider. Durch die Nähe zu einigen hervorragenden Ski¬ und Tourengebieten bietet der Grazer Raum ein perfektes Verhältnis zwischen Nähe zu den Bergen und städtischem Flair. Bei Neuschnee sind Gebiete wie die Tauplitz, die Planneralm, oder der Dachstein mit dem Auto schnell zu erreichen. Will man die Abfahrt selbst erarbeiten, bieten sich die Tourengebiete um den Hochschwab, Eisenerz, oder das Gesäuse an. Somit sind sämtliche Variationen, die den Begriff Freeriden prägen und ausmachen, vertreten: alpine Abfahrten, Skitouren abseits vom üblichen Trubel, Treeruns in hüfthohem Schnee oder auch das Schaufeln von Kickern im Backcountry. Für mich geht’s beim Freeriden einfach darum, eine gute Zeit mit Freunden am Berg zu verbringen. Die Anreise ins Gebiet wird, wenn möglich, über eine Fahrgemeinschaft organisiert. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern hebt auch den Spaßlevel im Auto. Beifahrer kann man sich auch online organisieren, sei es über eigene Mitfahrbörsen oder soziale Netzwerke. Mir geht es nicht um extreme Touren, oder Abfahrten, sondern einfach darum, nach unberührten Hängen zu suchen und den besten Schnee zu finden, also den Massen in den Skigebieten etwas zu entkommen. Sich im Vorhinein in entsprechende Literatur einzulesen oder Karten für das Gebiet zu besorgen, ist also das Mindeste an Vorbereitung. Ebenso gehört eine einwandfreie Ausrüstung aus LVS, Schaufel und Sonde in den Rucksack. Noch besser ist es, wenn man die sündhaft teure Ausstattung auch noch richtig bedienen kann.Es empfiehlt sich daher, einen Kurs bei einem der alpinen Vereine zu besuchen. Auch hebt es das skifahrerische Level, wenn man mit motivierten Kollegen unterwegs ist. Und nichts schlägt das Gefühl, nach einem Tag mit Neuschnee und klarem Himmel auf der Hütte zusammenzusitzen und die Abfahrten des Tages Revue passieren zu lassen.
Die besten Skigebiete bei Graz
Hochschwab
Tauplitz & Planneralm
Dachstein

Victoria Weiler

Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, Wien

Als Kind haben unsere Eltern meine vier Geschwister und mich am Freitagabend ins Auto gesteckt, um mit uns ins nächste Skigebiet zu einem Skirennen zu fahren. Bald habe ich gemerkt, dass mit steigender Entfernung von der präparierten Rennstrecke zwar die Zeit im Ziel schlechter wird, der Spaß dafür überproportional steigt. Ohne lange Überlegung habe ich die Stoppuhr durch ein Lawinenverschüttetensuchgerät (kurz LVS) ersetzt, die Rennski durch breite Latten. Während des Studiums war es nicht schwer, durchs Skilehrern auf genug Skitage pro Saison zu kommen, erst der Eintritt ins Berufsleben hat einiges verändert. Umso mehr versuche ich, jede freie Minute im Schnee zu verbringen. Von Dezember bis April heißt das jedes Wochenende Freeriden oder Skitouren. Am Freitagabend geht’s Richtung Westen. Die Gebietsauswahl richtet sich nach den vielversprechendsten Schnee- und Wetterbedingungen. Wer mitkommt, ist genauso flexibel. Meistens sind es vier bis sechs Personen. Das Quartier organisieren wir während der Fahrt, das reicht von Jugendherbergen bis Wellnesstempel, ab und zu ist auch eine Isomattennacht bei Freunden am Boden dabei. Nicht selten sitzen wir zu viert in einem Auto mit 12 Paar Ski – eingepackt wird alles, was potenziell Verwendung finden könnte. Am Abend wird dann bei Bier die Grobplanung für den nächsten Tag gemacht. Retour geht’s am Sonntag – nie vor Liftschluss, Ankunft zu Hause gegen Mitternacht. Dann wird schnell noch das Auto ausgeräumt und die Vorfreude aufs nächste Wochenende beginnt. Für mich ist der Winter wie ein langer Skiurlaub mit fünftägigen Arbeitsunterbrechungen in Wien. Bei Freeride Camps fahre ich sehr gerne mit, um neue Gebiete kennenzulernen. Am wohlsten fühle ich mich, wenn die Gruppe homogen ist, wobei die Sympathie und der Spaß mindestens genauso zählen, wie das sportliche Können. Wichtig ist, dass der Schmäh rennt.
Die besten Skigebiete bei Wien
Hochkar
Schneeberg
Rax