Mi, 12. Dezember 2018

Wer billig kauft, kauft teuer

Vor uns die Sintflut #72

Kann ein Shirt wenig kosten und trotzdem aus hochwertigen Materialien fair produziert sein? Man muss kein Ökonom sein, um zu verstehen, dass das schlichtweg unmöglich ist. Irgendjemand muss für unsere Billigprodukte bezahlen. Und zwar nicht nur mit Geld.

Wir häufen Waren an, die nicht nur billig sind, sondern auch qualitativ kostengünstig produziert werden. Das Shirt hat nach dreimal waschen schon Löcher und das neue Gadget eigentlich nie wirklich funktioniert. Hauptsache billig, Hauptsache ein Schnäppchen. Geiz ist geil!

Leider verstehen die Wenigsten, dass wir dafür am Ende des Tages doppelt draufzahlen: Denn wir brauchen nicht nur Ersatz, sondern müssen auch für die Entsorgung aufkommen und die nötigen Straßensanierungskosten finanzieren, die tonnenschwere Laster, die tagtäglich Waren quer durch Europa karren, verursachen. Oder woher kommen etwaige Finanzspritzen, die heimische Landwirte benötigen, weil billige Milchprodukte und Obst aus dem Ausland den lokalen Markt überschwemmen? Die zahlt der Staat. Mit unseren Steuergeldern.
-> HIER BEZAHLEN AM ENDE DES TAGES ALSO WIR.

Während das österreichische Sparschweinderl Steuern hin- und herschiebt, bezahlen aber auch andere Menschen für unsere Billigprodukte. In China zum Beispiel herrschen ganz andere industrielle Richtlinien und Umweltstandards als in Europa. Damit die importierten Elektrowaren möglichst wenig Geld kosten, wird dort zum Beispiel mit Kohlestrom produziert.
-> HIER BEZAHLT DIE CHINESISCHE BEVÖLKERUNG MIT IHRER UMWELT.

Die Geschichte geht noch weiter. Das Kapitel von billiger Kleidung ist eine berühmtberüchtigte. In Ländern wie Bangladesch herrschen andere Gesetze, weshalb große Textilkonzerne dort billig produzieren lassen können. Wo Arbeiter keine Pausen machen dürfen und es keine Arbeiterkammer gibt. Wo die 60-Stunden-Arbeitswoche und schlechte Arbeitsbedingungen sowie Entlohnung an der Tagesordnung stehen. Ganz zu schweigen von Kinderarbeit und nicht vorhandenen Sicherheitskontrollen. Durch letztere passieren Unglücke wie der Einsturz des „Rana Plaza“ in Bangladesch, bei dem über 1.100 Menschen ums Leben kamen.
-> HIER BEZAHLEN DIE MENSCHEN MIT IHRER GESUNDHEIT UND IM SCHLIMMSTEN FALL SOGAR MIT IHREM LEBEN.

Und eine Gruppe, die für uns bezahlen muss, habe ich noch. Stichwort: Treibhauseffekt, CO2-Emissionen, giftige Schadstoffe durch billige Herstellungsverfahren, das Vergraben von schädlichen Stoffen und die Verwendung von Kohlestrom.
-> HIER BEZAHLEN ZUKÜNFTIGE GENERATIONEN FÜR UNS.

Während wir also glauben, mit Billigprodukten ein Schnäppchen zu schlagen, ist der Preis in Wirklichkeit ein viel höherer. Denn die Konzerne verschenken nichts. Sie verlagern einfach die Kosten vom eigentlichen Nutznießer auf andere. Wir zahlen einen Bruchteil – und jemand anderer den Rest.

Und die Lösung? Wer für seine Kaufentscheidungen selbst die Gesamtrechnung begleichen will, muss natürlich nicht auf Konsum verzichten, sondern mit- und umdenken. Dem Billigklumpert abschwören. Vielleicht einmal Secondhandshoppen. Damit sparst du nicht nur Geld, es müssen auch keine neuen Rohstoffe für dich verbraucht werden. Zweimal überlegen, ob du das Shirt wirklich benötigst. Weniger ist mehr und mit dem Ersparten dann vielleicht sogar das ein oder andere Fairtrade-Produkt drinnen.

Zu wissen, dass man zumindest den Großteil der Kosten selbst getragen hat, ist eine feine Sache. Selbst für die Dinge, die man haben will, zu zahlen, bezahlen und verantwortlich zu sein, sollte unser Ziel sein. Denn wer billig kauft, kauft teuer.

Wenn du mehr Gutes tun möchtest, haben wir einen Website-Tipp für dich. Bei unseren Freunden von guterzweck.at findest du eine Übersicht über Organisationen, für die du spenden kannst.