Fr, 20. März 2020
Stimmen aus der Branche – KünstlerInnen #1

Stimmen aus der Branche – KünstlerInnen #1

Wie geht's der heimischen Kulturszene?

Seit 10. März befindet sich die heimische Kultur- und Veranstaltungsbranche im Ausnahmezustand. Konzerte, Vorstellungen, Partys und Ähnliches dürfen bis auf Weiteres nicht mehr stattfinden. Zunächst ging es nur um Veranstaltungen über 100 Menschen, doch seit Montag, dem 16. März 2020, bleiben alle Venues und Clubs ausnahmslos geschlossen. Dass diese wichtige Sicherheitsmaßnahme tief greifende Auswirkungen auf die gesamte Branche hat und im schlimmsten Fall existenzbedrohend werden könnte, sei hier nur der Form halber noch einmal erwähnt. Doch wie geht es den Kulturschaffenden Österreichs seit dem Cultural Shutdown?

Wir haben bei Konzert- und Party-VeranstalterInnen, PromotorInnen, LabelbetreiberInnen, Venue- und ClubbetreiberInnen, ManagerInnen und KünstlerInnen nachgefragt und bereits einige Antworten bekommen, die dem Ernst der Lage mit Realismus, Hoffnung, Durchhaltevermögen und Optimismus begegnen. Weitere Updates und Stellungnahmen folgen.

Folkshilfe

(c) Pertramer

Wie geht’s euch?

So weit, so gut. Momentan sind wir alle gespannt, wie es weitergeht, halten uns an die Regeln und bleiben so weit wie möglich zuhause.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf euren künstlerischen Alltag aus?

Wir wären ab 19. März auf großer Österreich- und Deutschland-Tour gewesen. Die wurde leider (völlig verständlich) abgesagt – momentan hoffen wir sehr stark, dass zumindest die Festivals im Sommer wieder stattfinden werden. Das heißt, momentan passiert nicht viel und wir schauen gerade, wie wir unser Stream-Konzert am 28. März im kleinen Rahmen zustande bringen.

Welche Maßnahmen musstet ihr bereits ergreifen?

Wie bereits erwähnt: Shows verschieben, absagen, Set-Up-Session verschieben … eigentlich verschieben wir gerade alles bzw. werden einige Veranstaltungen abgesagt.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für euch als Band tragbar?

Momentan würden wir ohne Überbrückungskredite bis Juni durchkommen.

Habt ihr in nächster Zeit irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Yes, unser Stream-Konzert am 28. März. Ansonsten konzentrieren wir uns auf unsere nächste Single „Simone“, die am 16. April erscheint.

Wie vertreibt ihr euch die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Man hat endlich Zeit für Buchhaltung, Telefonate, Wohnung putzen, Sachen planen und am eigenen Set-Up tüfteln bzw. Songwriting.

Wie blickt ihr in die Zukunft?

Ein bisschen angespannt, dennoch optimistisch und voller Vernunft! Gemeinsam schaffen wir das!

Gnackwatschn

(c) Kiki Heindl / www.capturetheshow.at

Wie geht’s euch?

Ganz ehrlich: Sehr gut! Wir glauben, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in den letzten Tagen großartig war. Wir hoffen, dass diese herausfordernde Zeit bald vorbei ist. Und dann geht’s wieder weiter!

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf euren künstlerischen Alltag aus?

So ehrlich muss man sein: Das gemeinsame Proben im Proberaum lässt sich nicht ersetzen. Und das geht uns schon ab. Wir versuchen trotzdem, uns online so gut es geht auszutauschen. Zum Beispiel bei Songwriting-Sessions in Videokonferenzen. Außerdem ist der Robert, unser Sänger, über eine Stunde auf Facebook live gegangen und hat ein Mini-Akustik-Konzert gespielt. Die Reaktionen waren ein Traum, die Fans haben echt interagiert mit ihm. Wir werden das weiterhin machen!

Welche Maßnahmen musstet ihr bereits ergreifen?

Wir hatten eine Liveprobe geplant, mit Tontechnik, Lichttechnik, auf der Bühne im HOT Mürzzuschlag. Da das HOT aber auch ein Jugendzentrum ist und wir alle anreisen hätten müssen, haben wir das abgesagt. Was wär das für ein Wahnsinn, wenn wir den Virus durch ganz Österreich tragen? Wir wollen die Situation nicht auf die leichte Schulter nehmen. Abgesagt bzw. auf unbestimmte Zeit verschoben wurde leider auch unser Auftritt in der Szene Wien am 26. März.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für euch als Band tragbar?

Wir sind als Einzelpersonen „glücklicherweise“ nicht vom Einkommen der Band abhängig. Aber trotzdem haben wir Fixkosten und noch ein paar alte Rechnungen zu zahlen. Bis Ende April wäre es für uns tragbar, aber wenn die Sommersaison ausfällt, müssen wir aus der eigenen Tasche zahlen. Wir hoffen mal, dass das nicht passiert.

Habt ihr irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Wir wollen regelmäßig live auf Facebook Minikonzerte spielen. So wie schon am Montag, mit Interaktion mit unseren Fans.

Wie vertreibt ihr euch die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Songwriting-Sessions, aus dem Fenster spielen, einfach so musizieren. Und zwischendurch auch einfach mal nix tun. Darf auch sein.

Wie blickt ihr in die Zukunft?

Positiv. Mit ein wenig Sorge. Wir hoffen sehr, dass diese Situation der Musik- und Kreativbranche nicht allzu schlimm zusetzt. Und hoffen, dass es für Extremfälle genügend staatliche Unterstützung gibt. Man muss immer bedenken: An der Musikbranche hängt viel dran. Viele Leute, die da mit ihrem Herzblut mitarbeiten und finanziell von Live-Konzerten abhängig sind, wie TontechnikerInnen, LichttechnikerInnen, VideoproduzentInnen, ManagerInnen und noch viele mehr. Wir wünschen unseren Kolleginnen und Kollegen alles Gute!

Elis Noa

(c) Vilma Pflaum

Wie geht’s euch?

Uns geht‘s gut, danke der Nachfrage. Wir beobachten die momentane Situation und bleiben jedenfalls zu Hause. Wir finden es jetzt wichtig, wirklich diszipliniert zu sein und unseren Alltag auf diese Situation umzumünzen. Also: Stay home, everyone!

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf euren künstlerischen Alltag aus?

Wir arbeiten zuhause weiter. Wir haben das gesamte Album („What Do You Desire?“ VÖ: 01.05.2020) im Homestudio geschrieben und aufgenommen – insofern nutzen wir die Möglichkeit, Musik zu machen und produktiv zu bleiben.

Welche Maßnahmen musstet ihr bereits ergreifen?

Wir wären momentan in intensiver Probephase für die Release-Tour des Albums, können aber nicht proben momentan, da jede/r in den eigenen vier Wänden festhängt. Es ist auch unklar, ob wir die geplante Tour in der Form und im geplanten Zeitraum spielen werden. Der Release eines Albums und die Tourplanung ist mit monatelanger Vorarbeit verbunden. Wir hoffen natürlich, so wenig wie möglich daran ändern zu müssen.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für euch als Band tragbar?

Das hängt auch davon ab, wie lange es so bleibt. Abhängig von den Entwicklungen, werden wir uns anpassen und Wege finden, kreativ zu bleiben, zu arbeiten und die Musik an die Menschen zu bringen. Gerade fokussieren wir uns auf den Release des Debütalbums, an dem wir seit ziemlich genau einem Jahr gearbeitet haben und das nur darauf wartet, endlich ins Freie gelassen zu werden.

Habt ihr in nächster Zeit irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Wir arbeiten momentan an einer Home-Live-Version unserer beiden Singles. Es wird sicher bald was auf unseren Social-Media-Kanälen zu sehen sein.

Wie vertreibt ihr euch die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Arbeiten, schreiben, lesen, meditieren, diskutieren, Rasen mähen.

Wie blickt ihr in die Zukunft?

Es wird kommen, wie es kommt. Wir sind entspannt. Wir bleiben wach und positiv. Wichtig ist es, jetzt, fokussiert zu bleiben und die gewonnene Zeit positiv zu nutzen. Wir nehmen es Woche für Woche. Alles was wir tun müssen, ist zuhause zu bleiben, und dadurch alle, die jetzt auf Hochtouren arbeiten müssen, zu unterstützen.

Dame

(c) Samuel Colombo

Wie geht’s dir?

Auch wenn anstrengende Wochen hinter und vor uns liegen, geht es uns dennoch außerordentlich gut. Natürlich hoffen wir, dass alle gesund bleiben und die Krise gut überstehen, dennoch ist es schön zu sehen, wie unser Land und die Bürger reagieren und wie viel Liebe, Solidarität und Menschlichkeit wir hier in Österreich erleben dürfen. Nicht nur die Regierung handelt in einem beachtenswerten Tempo, auch die hier lebenden Menschen helfen, wo sie können, gründen Initiativen, um den gerade in der Risikogruppe lebenden und betroffenen Leute unter die Arme zu greifen. Außerdem merke ich, dass gerade die Jugend das Thema ernst nimmt, was mich sehr stolz macht.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf deinen beruflichen Alltag aus?

Natürlich massiv! Auch wir haben unsere Tour durch Deutschland abgebrochen und danken allen für das Verständnis. Als uns der Ernst der Lage klar geworden ist, wäre es unverantwortlich gewesen, noch weitere Konzerte zu spielen. Gerade die Veranstalter, Cateringdienste, Licht, Tontechniker und Stagehands, die uns tagtäglich zur Seite stehen, trifft es extrem hart, da Termine auf die sie angewiesen sind, für über ein gutes halbes Jahr auf unabsehbare Zeit abgesagt wurden. Wir wünschen ihnen viel Mut und hoffen, dass Sie sich von diesem harten Schlag erholen werden. Damit es auch in Zukunft wieder Veranstaltungen gibt, bei denen Menschen zusammenkommen und gemeinsam Musik genießen dürfen.

Was für Maßnahmen musstest du bereits ergreifen?

Auch wir haben den Virus anfangs unterschätzt, trotzdem als Crew schon zu Beginn der Tour entschieden, dass wir aus Sicherheit den Fans und auch uns gegenüber keine Autogramme geben werden. Als dann die Eilmeldungen ins Haus flatterten, haben wir gemeinsam entschieden, die Tour abzubrechen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Viele Projekte, Songwritercamps etc. wurden abgesagt, und wir versuchen einfach dennoch, die Leute weiterhin mit Musik zu begeistern. Ich bin mir sicher, dass sich in Zeiten von Social Media etliche neue Wege auftun werden, die dies auch ermöglichen.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für dich als Künstler tragbar?

Ob tragbar oder nicht, in Zeiten wie diesen stehen materielle Dinge und Erfolg für mich im Hintergrund. In erster Linie geht es darum, die ältere Generation zu schützen. Darüber hinaus greift Österreich bereits vielen Firmen unter die Arme, sogar die Strom- und Wasseranbieter zeigen sich kulant, wenn es bei Menschen finanziell zu Engpässen kommt. Wenn auch im Moment vielleicht noch etwas Ratlosigkeit herrscht, geht klar die Gesundheit vor und Österreich, so wie auch die Länder untereinander, müssen zusammenhalten, damit sich die Welt, wie wir sie kennen, auch morgen noch dreht.

Hast du irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Wie schon gesagt, in Zeiten von Social Media werden sich etliche Wege auftun, wie man den Leuten in ihren Wohnzimmern etwas Freude und Mut schenken kann, sein es neue Songs, Livestreams oder einfach aufmunternde Worte. Auch in solchen Zeiten spenden Humor, Anteilnahme und vor allem der Kontakt zu den Bekannten und Familienmitgliedern Hoffnung.

Wie vertreibst du dir die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Ich persönlich werde die Zeit zum Schreiben und, sobald wieder möglich, zum Produzieren nutzen. Auch finde ich es gut, dass sich die Menschen wieder etwas mehr auf die wesentlichen Dinge konzentrieren und etwas entschleunigen. Angesichts der Krise wird einem schnell bewusst, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Für mich ist die Krise bereits jetzt eine Erfahrung, die mit Sicherheit negative, aber auch gute, und in jedem Fall einschlägige Spuren hinterlassen wird.

Wie blickst du in die Zukunft?

Wie auch zuvor positiv, es hilft nichts in Selbstmitleid zu versinken, man sollte helfen wo man kann, Dinge hinnehmen, die man nicht ändern kann und versuchen den Alltag so gut wie möglich zu meistern. Gebt aufeinander Acht, lasst euch nicht in Panik versetzen und wenn jeder sein Ego zurückschraubt und auf seinen Nächsten Acht gibt, werden wir Covid-19, wenn auch mit sicherlich tragischen und einschneidenden Erlebnissen, dennoch gut überstehen.

Kreiml & Samurai

(c) Alex Dietrich

Wie geht’s euch?

Kreiml: In Zeiten wie diesen, den Umständen entsprechend gut. Hauptsache g‘sund …
Samurai: Eigentlich ganz gut. Zum Glück hab ich eine wundervolle Familie, mit der das Ganze viel einfacher ist. Man darf sich jetzt nicht unterkriegen lassen und muss das beste aus der beschissenen Situation machen.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf euren beruflichen Alltag aus?

Kreiml: Man muss die derzeitige Situation erst mal so richtig realisieren und seinen Modus entwickeln, um mit ihr bestmöglich umzugehen. Uns entgehen natürlich zahlreiche Auftritte und auch das damit einhergehende Geld. Dennoch versucht man, positiv zu denken und überlegt klarerweise, wie man aus dieser fatalen Situation das Beste macht. Sprich man wird die Zeit nutzen, um zu schreiben und weiter Musik zu machen.
Samurai: Konzerte können wir ja jetzt keine mehr spielen, außer im Livestream. Man hat dafür mehr Zeit, um kreativ an neuen Projekten zu arbeiten und einfach Musik zu machen.

Was für Maßnahmen musstet ihr bereits ergreifen?

Kreiml: Wir mussten den Rest unserer Tour absagen bzw. verschieben. Der bürokratische Teil und weitere Maßnahmen kommen erst nach und nach auf uns zu.
Samurai: Es sind, glaub ich, für alle dieselben einschneidenden Maßnahmen, wurscht, ob Musiker oder nicht. Soziale Kontakte aufs Minimum reduzieren und immer brav die Hände waschen.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lange wäre diese für euch als Band tragbar?

Kreiml: Es geht jetzt eigentlich nur darum, probieren positiv zu denken und seinen Teil zur Bekämpfung der Epidemie beizutragen, um so bald wie möglich wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Insofern will man sich im Moment nicht mit Worst-Case-Szenarien beschäftigen.
Samurai: Irgendwie drücken wir‘s schon durch, wurscht wie lange es dauert. Ois hod a End nur da Schweinehund hat kans.

Habt ihr irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Kreiml: Ja, wir werden statt dem Tourstop im Gasometer ein „Konzert“ spielen, das via Live-Stream im Internet übertragen wird. Womöglich werden wir uns auch noch weitere Aktionen überlegen …
Samurai: Wir machen stattdessen ein gratis Konzert via Livestream aus dem Bunker und sonst schauen wir mal, was uns noch so einfällt. Zeit zum Nachdenken hat man ja jetzt.

Wie vertreibt ihr euch die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Kreiml: Wir werden sicherlich beginnen, an neuen Tracks zu schreiben. Außerdem wird man natürlich probieren, seinen Alltag so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten – sei es durch sportliche Aktivität, Lesen oder vielleicht beginnen eine Fremdsprache zu lernen.
Samurai: Pfitschigogerln!

Wie blickt ihr in die Zukunft?

Kreiml: Wie gesagt, muss man probieren, positiv zu denken, um nicht zu resignieren. Ich hoffe, dass das Virus so schnell wie möglich besiegt wird, und die Gesellschaft in weiterer Folge auch positive Aspekte bzw. gewisse Lehren aus dieser Krise mitnimmt.
Samurai: Auf olle 4re!

Wir bedanken uns bei allen, die sich in sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten, obwohl die Prioritäten derzeit natürlich wo anders liegen. Wir wünschen allen Beteiligten nur das Beste und hoffen, dass wir bald wieder gemeinsam laut sein können!