Di, 24. März 2020
Stimmen aus der Branche – KünstlerInnen #2

Stimmen aus der Branche – KünstlerInnen #2

Wie geht's der heimischen Kulturszene?

Seit 10. März befindet sich die heimische Kultur- und Veranstaltungsbranche im Ausnahmezustand. Konzerte, Vorstellungen, Partys und Ähnliches dürfen bis auf Weiteres nicht mehr stattfinden. Zunächst ging es nur um Veranstaltungen über 100 Menschen, doch seit Montag, dem 16. März 2020, bleiben alle Venues und Clubs ausnahmslos geschlossen. Dass diese wichtige Sicherheitsmaßnahme tief greifende Auswirkungen auf die gesamte Branche hat und im schlimmsten Fall existenzbedrohend werden könnte, sei hier nur der Form halber noch einmal erwähnt. Doch wie geht es den Kulturschaffenden Österreichs seit dem Cultural Shutdown?

Wir haben bei Konzert- und Party-VeranstalterInnen, PromotorInnen, LabelbetreiberInnen, Venue- und ClubbetreiberInnen, ManagerInnen und KünstlerInnen nachgefragt und bereits einige Antworten bekommen, die dem Ernst der Lage mit Realismus, Hoffnung, Durchhaltevermögen und Optimismus begegnen. Weitere Updates und Stellungnahmen folgen.

Mathea

(c) Kidizin Sane

Wie geht’s dir?

Mir geht‘s gut. Meine anfängliche Panik wegen Corona hat sich zum Glück wieder etwas gelegt.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf deinen künstlerischen Alltag aus?

Ich konzentriere mich gerade mehr auf Instagram, TikTok und Co. und arbeite viel Organisatorisches vom Laptop aus ab.

Welche Maßnahmen musstest du bereits ergreifen?

Ich habe mein Studio-Zeugs (Mikro, usw.) in mein Schlafzimmer gesiedelt, um trotzdem weiter an neuen Songs arbeiten zu können.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für dich als Künstlerin tragbar?

Boaah, das ist eine schwere Frage. Im schlimmsten Fall könnte ich es schon noch eine Weile aushalten und würde vielleicht über mehr Online-Konzerte nachdenken, aber ich hoffe, dass sich die Lage bald bessert und wir alle schon bald wieder in unseren Alltag zurückkehren können.

Hast du irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Ja, gerade entwickeln wir einen Mathea-Instagram-Story-Filter und haben zusätzlich eine Challenge ganz nach dem Motto meiner neuen Single „Wollt dir nur sagen“ gestartet.

Wie vertreibst du dir die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Ich höre gerade viel Musik, schreibe neue Songs und plane bis zu den nächsten Shows das Konzept für diese.

Wie blickst du in die Zukunft?

Sehr, sehr positiv auf jeden Fall. Ich freue mich auf die Zeit nach der Quarantäne, weil ich glaube, dass es uns allen einen enormen Push geben wird, wenn wir wieder „alles“ machen können.

Onk Lou

(c) Carina Antl

Wie geht’s dir?

Ich bin ein sehr guter Koch, insofern geht‘s mir eigentlich immer gut.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf deinen künstlerischen Alltag aus?

Lustigerweise habe ich mich anscheinend mein ganzes künstlerisches Schaffen über auf so etwas vorbereitet … für Wochen zuhause bleiben, Bier trinken und nur zum Einkaufen rauszugehen, ist eigentlich mein „Work Mode“, wenn ich schreibe. Jetzt schreib ich einfach weiter.

Welche Maßnahmen musstest du bereits ergreifen?

Naja, eigentlich sollte ich gerade mit Mainfelt, einer Band aus Südtirol, unterwegs sein. Außerdem hätte es quasi nur noch ein paar wenige Sessions gebraucht, um mein nächstes Album fertigzustellen. Die Tour-Dates wurden abgesagt bzw. verschoben und ein Großteil der Recording Sessions findet momentan übers Internet statt.

Angenommen, die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für dich als Künstler tragbar?

Monetär: nicht ewig, aber auf Risiko noch ein bisschen. Generell: ICH WILL SPIELEN!!!

Hast du irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Jap.

Wie vertreibst du dir die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Coolerweise haben die meisten Musiker heutzutage die Möglichkeit, bei sich zuhause aufzunehmen – und viel Zeit. Das heißt, es könnten da schon einige E-Kollabos zustande kommen bzw. mache ich auf diese Weise jetzt mein Album fertig. Außerdem wollte ich mich sowieso einem neuen musikalischen Projekt widmen. Mir wird also eh nicht fad.

Wie blickst du in die Zukunft?

Brillenlos in High-Definition! Nein, Spaß. Sich dazu zu entschließen, vom Musikmachen zu leben, bringt immer wieder Höhen und Tiefen mit sich. Ich glaube, ich habe da einen (vielleicht naiven) grundoptimistischen Blick auf die Zukunft. Ich wünsche uns allen das Allerbeste und auf dass wir bald alle wieder gemeinsam abrocken können!

Please Madame

(c) Arne Müseler

Wie geht’s euch?

Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Wir sind zum Glück noch nicht so hart betroffen wie einige Kolleginnen und Kollegen von uns. Wir haben schon bittere Tränen mitgeweint – es ist das bitterste ganze Touren abzusagen oder zu verschieben, das zerrt schon an der Psyche. Wir hätten eigentlich auch einen fixen Release-Plan für eine neue Single gehabt – das hat sich jetzt vorerst um ein Zeiterl nach hinten verschoben. Nicht, weil wir nicht gern releasen würden, sondern weil wir gerade keine Musikvideos geschweige denn Fotoshootings machen können. Ansonsten aber alles gut. Wir sitzen brav zuhause und schauen, dass wir Social Distancing betreiben. Funktioniert bis jetzt ganz gut.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf euren künstlerischen Alltag aus?

Wir sind derzeit sonst eigentlich extrem viel im Studio – das fällt gerade aber natürlich auch flach. Wir warten auf neue Entwicklungen, damit wir das dann besser abschätzen können. Jetzt ist es aber in erster Linie wichtig, dass wir auf uns alle aufpassen, damit wir nicht dieselben Zustände bekommen wie beispielsweise in Italien. Das ist einfach grade unsere Verantwortung – gerade die jüngere Generation kann sich jetzt auszeichnen. Party und Co. ist alles super – wir sind die Letzten, die dazu normalweise „Nein“ sagen, wie man vielleicht weiß – aber jetzt gerade gibt es Dinge, die sehr viel wichtiger sind.

Welche Maßnahmen musstet ihr bereits ergreifen?

Wir arbeiten jetzt halt alle von Zuhause aus. Das Gute an unserer Branche ist, dass man sich Studio-Mixes, Songs und Revisionen super hin und her schicken kann. Live-Termine sind bis dato zum Glück nur ein paar verschoben oder abgesagt worden – und das, bevor wir sie überhaupt angekündigt haben. Ein bisschen gemeinsame Studiozeit wäre jetzt allerdings doch noch wichtig. Wir sind zum Glück schon sehr weit mit den Recordings, aber der letzte Feinschliff ist noch ausständig.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für euch als Band tragbar?

Um es ganz ehrlich zu beantworten: nicht lange. Wir sind von Konzerten abhängig. Die Menschen kaufen nicht mehr wirklich viel Musik, deshalb ist Live einfach unsere Haupteinnahmequelle. Wenn uns das dann noch länger wegfällt, wird kein Geld da sein, mit dem wir die Pläne für unser anstehendes neues Album verwirklichen können. Gerade jetzt sind wir umso mehr auf Initiativen und Förderungen wie beispielsweise den Musikfond angewiesen.

Habt ihr irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Wir haben schon einige Dinge gebrainstormed – Playlists, Livestreams, ein paar tiefere Einblicke in unseren Writing-Prozess, etc. soll es geben. Generell möchten wir einfach schauen, dass wir schönen Quarantäne-Content raushauen: 1. damit den Leuten nicht fad wird und 2. uns auch nicht. Haha! Vielleicht gibt es auch das ein oder andere Cover auf unseren Socials zu sehen, für so etwas hat man im „normalen Betrieb“ eh immer nur schwer Zeit – jetzt also die perfekte Zeit dazu.

Wie vertreibt ihr euch die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Es ist derzeit viel Organisatorisches zu erledigen mit den ganzen Terminen, die gerade verschoben oder abgesagt werden. Man merkt schon irgendwie eine große Angst in der ganzen Szene. Da hoffen wir natürlich, dass sich das bald legt und versuchen, so gut es geht, auch allen Kolleginnen und Kollegen unter die Arme zu greifen. Ansonsten die Classics: Netflix steht hoch im Kurs, Musikhören ist sowieso immer dabei, die alten Nintendo64-Klassiker werden wieder ausgepackt. Gamen ist generell ein super Zeitvertreib. Außerdem kann man die Zeit super nutzen um zu re-evaluieren, welche Dinge denn wirklich zählen im Leben. Diese Zeit ist sehr besonders – vielleicht gibt es danach eine kleine Wende in der Gesellschaft. Dort und da wäre das definitiv wünschenswert.

Wie blickt ihr in die Zukunft?

Es wäre gelogen, wenn wir nicht sagen würden, es wäre alles ein bisschen ungewiss. Aber wir versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht mit 9829384 Klopapierrollen unter dem Arm herumzulaufen. Besonnenheit ist das Stichwort. Positiver Outlook hilft auch immer – das kriegen wir schon alles gemeinsam hin. Jetzt müss ma einfach alle am selben Strang ziehen, dann schaffen wir das schon. Da sind wir uns sicher!

Pippa

(c) Hilde van Mas

Wie geht’s dir?

Danke, ganz gut. Ich habe das Gefühl, ich gewöhne mich immer mehr an die Situation und beginne, meine Pläne loszulassen bzw. flexibler zu gestalten.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf deinen künstlerischen Alltag aus?

Ich bringe Ende Mai mein zweites Album „Idiotenparadies“ heraus, an dem ich über ein Jahr intensiv gearbeitet habe. Mein Team und ich hatten davor natürlich einiges geplant. Dieser ganze Plan ist jetzt quasi hinfällig, niemand weiß, wie und ob sich z.B. Promo-Termine noch umsetzten lassen werden. Meine Befürchtung ist natürlich, dass ich es schwer haben werde mit dem Album durchzukommen. Aber wer weiß.

Welche Maßnahmen musstest du bereits ergreifen?

Meinen nächsten Single-Release („EGAL feat. Nora Mazu“) habe ich drei Wochen nach hinten geschoben. Meine Release-Show, die am 28. Mai im B72 stattfinden soll, steht auf sehr wackeligen Beinen.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für dich als Künstlerin tragbar?

Ich bin nicht nur Musikerin, sondern arbeite auch am Theater und als Sprecherin. Mir brechen nicht nur Live-Gigs, sondern auch alle anderen Veranstaltungen und Jobs weg, die meinen Lebensunterhalt zahlen. Insofern kann ich nur sagen, ich müsste mir bald Lösungen überlegen. Ein weiterer Punkt ist auch die Live-Umsetzung meines neuen Albums. Meine Band und ich hätten uns nächste Woche ein Haus am Land gemietet, um dort intensiv die neuen Stücke zu erarbeiten. Das wird natürlich nicht gehen, was echt blöd ist. Wir wollen natürlich, sobald wie möglich wieder live spielen, aber können grad nichts proben!

Hast du irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Ich werde sicher mit meinem Freund Hans Wagner von Neuschnee, der Teil meiner Live-Band ist und mein Album produziert hat, die ein oder andere Wohnzimmer-Session machen.

Wie vertreibst du dir die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Die letzten Tage haben wir uns ein kleines Set-Up in unserem Studio aufgebaut. Wir erarbeiten uns jetzt ein kleines Programm für besagte Wohnzimmer-Sessions. Ich finde das mit dem Live-Streaming auch gar nicht so unkompliziert, wenn man auch eine gute Soundqualität haben will. Alle streamen jetzt und man muss da mithalten, um überhaupt noch irgendwie wahrgenommen zu werden. Ich bin eher der analoge Typ, liebe das Live-Moment mit Publikum. Aber es ist auch irgendwie cool, sich neue Möglichkeiten zu erobern.

Wie blickst du in die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass wir aus dieser Zwangspause lernen. Das sich vielleicht die Erde ein bisschen erholen kann und sich die Prioritäten etwas verschieben – von „viel“ auf „sinnvoll“. Für uns Musikschaffende wünsche und hoffe ich auf unbürokratischere Unterstützung und dass gesehen wird, dass Kunst nicht nur der Freizeitbeschäftigung dient, nicht nur „Entertainment“ ist, sondern jede Gesellschaft ganz substanziell trägt und damit unverzichtbar ist.

Avec

(c) Kidizin Sane

Wie geht’s dir?

So weit ganz gut. Ich bin gerade zuhause in Oberösterreich.

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf deinen künstlerischen Alltag aus?

Ich mache weiter – von zuhause aus. Die geplante Promo zum Album-Release mache ich via Skype oder Telefon und Mail. Es wurde viel umdisponiert, was anders geplant war aufgrund der derzeitigen Situation. Mit ein bisschen Flexibilität geht das aber auch alles.

Welche Maßnahmen musstest du bereits ergreifen?

Wir mussten schweren Herzens die Album-Release-Tour zu „Homesick“, welche im April stattgefunden hätte, in den Herbst (September) verschieben, was mich sehr traurig macht, da ich mich schon irre darauf gefreut habe. Aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude!

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für dich als Künstlerin tragbar?

Ich denke, es ist einfach wichtig, jetzt positiv zu denken und zu bleiben. Wir müssen zusammenhalten – nur so werden wir das Ganze gemeinsam durchstehen. „Tragbar“ ist diese Situation, glaube ich, für niemanden, aber wir werden das schaffen!

Hast du irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Mein Album „Homesick“ wird wie geplant am 27. März rauskommen. Es gibt ein paar Wohnzimmer-Konzerte (FM4, EgoFm) und es wird auch eine Art Q&A zum Album geben.

Wie vertreibst du dir die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Ich mache viel Musik, schreibe und produziere neue Sachen, aber ich sehe die aktuelle Situation auch als Chance, wieder etwas zu uns selbst zurückzufinden, zu reflektieren und sich vor Augen zu halten, was eigentlich wirklich zählt!

Wie blickst du in die Zukunft?

Positiv und optimistisch! Bleibt gesund und schaut auf euch!

Alf Peherstorfer – Kommando Elefant

(c) Andreas Jantsch

Wie geht’s dir?

Hier ist alles gut soweit!

Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf deinen künstlerischen Alltag aus?

Aktuell bin ich viel am Theater. Da wurden natürlich die Vorstellungen abgesagt. Ansonsten arbeiten wir mit Kommando Elefant gerade am neuen Album. Hier sind alle Aufnahmen im Kasten und der Rest wird nun im Heimstudio am Computer fertiggemacht. Da ich abseits der Live-Gigs sowieso immer im Studio sitze, hat sich im Arbeitsalltag nicht viel geändert. Nur das After-Work-Bier im Café Romeo fehlt …

Welche Maßnahmen musstet ihr bereits ergreifen?

Wir hatten noch keine Online-Probe, aber bereits Online-Besprechungen, welche allerdings bald in eine Online-Party ausgeartet ist.

Angenommen die Situation bleibt so, wie lang wäre diese für euch als Künstler tragbar?

Da ich seit ein paar Jahren als selbstständiger Musiker arbeite und lebe, ist die Situation für mich kritisch, da meine Einkünfte sehr von der Live-Situation abhängen. Also wenn im Herbst die Situation anhält, wird es wirklich schwierig.

Habt ihr irgendwelche besonderen Aktionen geplant?

Mit Kommando Elefant jetzt nicht, da wir mitten in den Arbeiten für das nächste Album stecken, aber ich betreibe noch andere Projekte. Mit meinem Elektro-Projekt „Alfred Oslo“ möchte ich ab nächster Woche jede Woche bis zum Ende der Krise einen Track releasen – frei nach dem Motto „Stay at Home. Make House Music”. Am Ende soll es dann das „Quarantäne“-Album als Gratis-Download geben. Mit meinen Schlagerprojekt „Alf & DJ Mike“ soll es in absehbarer Zeit auch ein Online-Konzert geben.

Wie vertreibt ihr euch die Zeit bis zur nächsten Live-Show?

Zu tun gibt es genug! Eben mit der Fertigstellung des nächsten Elefanten-Albums bis hin zur Weiterentwicklung anderer Projekte. Fad wird‘s nicht! Die nächste Live-Show von Kommando Elefant ist allerdings erst im Herbst geplant – konkret am 15. Oktober wird es (hoffentlich) in unserem „Wohnzimmer“, dem Chelsea, unsere Release-Party geben.

Wie blickst du in die Zukunft?

Ich hoffe, dass wir bald aus dieser Krise herauskommen und ja klingt blöd, aber daraus lernen. Aus egoistischer Sicht blicke ich positiv in die Zukunft, da ich glaube, dass nach der Krise die Menschen vermehrt Lust auf Kultur, Musik, Gesellschaft haben werden. Und bei aller Tragik – die Entschleunigung, die nun bei manchen stattfindet, hat schon sein Gutes.

Wir bedanken uns bei allen, die sich in sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten, obwohl die Prioritäten derzeit natürlich wo anders liegen. Wir wünschen allen Beteiligten nur das Beste und hoffen, dass wir bald wieder gemeinsam laut sein können!


Headerfoto: Heimo Spindler