Di, 5. August 2008

Highway to Hell

7 Schritte in den Rock Olymp

Du hast dein erstes 
‚Kiss‘-Video
gesehen und Opas Münzsammlung verscheuert, um damit deine erste Gitarre zu kaufen? Fast geschafft. Hier die sieben Stationen, die jedem angehenden Rockstar blühen…
1. Der erste Proberaum
Meist ein versiffter Keller, behaftet mit jeder Menge Leichengeruch. Sturzbesoffene Bandkollegen, die ihre Instrumente kaum halten können, falls sie überhaupt welche ihr Eigen nennen. Der Bassist ist ein Arschloch, er hat gestern meine Alte gevögelt. Gut, sie wars nicht wert. Genialer Text, den ich gerade zu Bierdeckel gebracht habe. Der Typ ist raus aus der Band, die Alte hat sich sowieso nicht mehr blicken lassen, die Rechnung im Lokal begleiche ich in keinem Fall. Frust ist Auslöser der Musikkarriere, auf die ich ewig gewartet habe. Warum hinkt der Schlagzeuger schon wieder so dermaßen dem Takt hinten nach? So ein Idiot! Ich kann nicht mehr und die Bierkiste ist schon wieder leer…Der Hit lässt nicht mehr lange auf sich warten. Versprochen, Alter!
2. Der erste Gig
Scheiße, unser Equipment passt nicht in den Bandbus. Jetzt haben wir dem Onkel von unserem Roadie (ein Typ, den wir erst seit gestern kennen, keine Ahnung wie er heißt) den VW-Bus abgeschnorrt. Die verwixte Bassbox geht schon mal gar nicht rein und das Schlagzeug schafft‘s nie und nimmer. Bier. Noch eins. Nachdrücken, macht Finger blutig und die Illusion war noch nie so nah. Ab zum Konzert. Drei Songs für ein Hallelujah. Verdammt, wie geht jetzt noch mal die zweite Strophe. Egal, einfach sechs Mal das gleiche, kann ja nicht so schwer sein. Bier. Equipement raus. Bier. Anlage spielt nicht. Bier. Gott. Bier. Raus jetzt, die Leute warten auf unseren Auftritt. Metallica-Riff versemmelt. Bier. Traumkonzert, welchen Song haben wir zu Ende geschrammelt? Bier. Bianca aus der Parallelklasse hat Supertitten.
3. Die erste Tour
Du steigst nach stundenlanger Fahrt aus dem abgetakelten, viel zu geringmotorisierten Bandbus. Es regnet selbstverständlich und du wunderstdich, warum dein T-Shirt vollgekotzt ist. Zielsicher führt dich ein Mitarbeiter des Clubs, in dem du heute Abend noch auftreten
sollst, in deine Garderobe. Dein erster Blick streift einen milchigen Spiegel, doch
glücklicherweise erkennst du dich dank deiner verspiegelten Sonnenbrille nicht wieder. Die Frage, wer denn dieser versiffte Typ gegenüber ist, bleibt
dir im Halse stecken, denn du entdeckst die Objekte deiner Begierde: jede Menge Alkohol – Whiskey, Vodka, Gin, Tequila und jede Menge Bier – allesGebräue der Götter, die dir heute noch das genialste Konzert deiner  Karriere bescheren werden. Die Menge wird toben und dafür nimmst du maleinen kräftigen Schluck aus dem nächstgelegenen Gebinde. Und nichtvergessen: Das Cola immer mit der genügenden Menge Rotwein mischen.
4. Die ersten Drogen
Lysergsäurediethylamid – alle Macht den Halluzinogenen! LSD ist in den letzten Jahren zwar etwas aus der Mode gekommen, zaubert dir aber denpsychodelischen Teufel ins Gesicht und fördert die differenzierte Wahrnehmung. Vorsicht: Wenn du die Musik siehst und nicht hörst, hast du sie zu früh eingeworfen. Liegen im Backstagebereich noch andere Pillen rum? Wirf
sie dir ein, wird schon gut gehen…Indoalkaloide aka Psilocybin – die alten Azteken können nicht irren. Weit weniger lang anhaltend als LSD, trotzdem mit
dem nötigen Kick. Vorsicht! Wenn die Wirkung zu schnell nach lässt, kann man seine eigene Musik nicht mehr richtig genießen. Sofort die Dosis erhöhen! Mehr kann oft zu wenig sein.
5. Der erste Sex
Neben Alkohol und Drogen darf natürlich das dritte Element im Leben eines Rockmusikers nicht fehlen: Groupies, Groupies, Groupies! Am besten leicht geschürzt und hilfsbereit, denn wer soll dir wohl sonst die Alkoholvorräte auffüllen und neue Drogen besorgen? Sämtliche fleischlichen Gelüste nicht ausgeschlossen. Sollten die Kräfte schwinden, helfen die bereits erwähnten Pillen – dieses Mal aber nur die Blauen nehmen, alles klar?
6. Der erste Tonträger
Warum gibt es Software, die niemand versteht, geschweige denn sinnvoll benutzen kann? Meine Gitarre klingt, wie wenn man einen Häuselbesen ineinem Kübel mastert. Der Schlagzeuger kann keinen Takt halten, den Drum Computer niemand programmieren und Vier-Spurgeräte, mit denen man sich ja prinzipiell auskennen würde, gibt’s nicht mal mehr am Flohmarkt. Der Nachbar hat einenApple und will Kohle. Sicherheitshalber haben wir ihn gestern imStammlokal mit Bier geduscht. Wasserfolter nennt man das – sie wirkt. Seitdas Demo fertig ist, haben wir schon fünfzig Kopien verkauft. Gut, wenn man eine große Verwandtschaft hat. Die erste große Kohle. Reicht für eine Kiste Bier. Geil das Teil.
7. Der erste Alltag
Drogen, Alkohol, erfrischende Liebesdienste durch selbsternannte, mehr- oder minderjährige Weiblichkeit, Schlägereien bis hin zur Selbstaufgabe. Wer es im Musikbusiness zu etwas gebracht hat, der fühlt sich wohl in der großen weiten Welt des Rock ’n’ Roll. Aber soweit sind wir ja noch lange nicht. Erst müssen wir mit Pete Doherty in der selben Lacke baden. Voll fett, voll zu, voll fertig. Undsomit geht die Story weiter. Der Weg zum Star. Der Weg zum Ruhm. Der Weg durch die Hölle und retour. Ein Weg, den nur ‚Helden‘ gehen.