Do, 29. Oktober 2009

Rokko Ramirez Rotzt (9te Ausgabe)

Das schönste an der Quadratur des Kreises ist die Tatsache, dass man dieses klassischste aller geometrischen Probleme nicht mit Hilfsmitteln wie Lineal und Zirkel allein lösen kann. Mit dieser Erkenntnis ausgestattet, lässt sich auch ein
weiteres Rätsel klären: warum so viele Musiker und ihre selbstgebastelten Karrieren in unserer Heimat zum Scheitern verurteilt sind. Wer die Gitarre wie ein Lineal spielt und Drumsticks mit ’nem Zirkel verwechselt, wird an der Quadratur seines musikalischen Erfolges relativ lange erfolglos integrieren. Sämtliche Petzibären und Bühnenhühner, die nach der Matura glauben, dass ihre erfolgreichen Schulfestkonzerterln das Sprungbrett zum Weltruhm sind, sollten sich eines vor Augen halten: Ewige Studenten, die im Hörsaal tagtäglich ihren Proberausch ausschlafen und allnächtlich im Übungsloch den ganz großen Tag herbeisaufen, gibt es bereits genug. Um das zu wissen, muss ich nicht einmal Castingshows angucken. In der Wirtshausglotze läuft aber dankenswerter Weise eh nur Fußball. Zum Österreichischen lassen sich ebenfalls Parallelen ziehen: wer läuft wie ein Zirkel und ein Ballgefühl hat wie ein Lineal, der wird auch an der Quadratur des Fußballs ewig dribbeln.
Aber zurück zur Musik: Wer so dämlich ist selbige zu studieren, schießt sowieso den Vogel ab. Tibetologie und Buddhismuskunde wirft da schon im ersten Studienabschnitt mehr Kohle ab, gestzt der Fall man hat das Erfolgssystem begriffen, nämlich hackeln gehen! Und nicht mit der Wandergitarre ums Eck
vom Billa sitzen. Aber daran ist das globale Pfadfindersyndikat schuld mit ihren Lagerfeuern und der verdodelten Romantik. Hier beginnt sich auch der Schwanz in die Katze zu beißen: denn neben den Standing Ovations der Billa-Mitarbeiter bringen auch sämtliche Auftritte in den modrigsten Jazzspelunken nix, wenn aus der Anlage nur selbstgedüdelte Fäkalien rausrinnen. Da brauchen wir uns nix vormachen. Talent vorausgesetzt: Ernsthaft üben, üben, üben. Doch auch dann wird der teure Abendfummel für den „Amadeus – Austrian Music Award“ nicht vom Plattenlabel gelöhnt. Denn bei den Labels sitzen ebenfalls nur Menschen herum – halb in den Wahnsinn getrieben – und warten minütlich darauf, dass irgendeinem Deppen bei uns endlich der Knopf aufgeht und dem musikalischen Loch Österreich ein frischer Wind entfleucht
– seit 20 Jahren Fehlanzeige, wie wir wissen. Außer natürlich du bist Beuteargentinier oder Ex-Mechanikerlehrling, dann bringt’s was – in der volkstümlichen Musik … Aber wollen wir mal ja nicht unsere jodelnde
Lederhosentradition mies machen. Nur sollten wir dann auch gleich über eine Großhirnrindentransplantation nachdenken, denn dort, so haben US-Wissenschafter schon 2005 festgestellt, liegt das musikalische Gedächtnis. Also weg damit, wir haben in den letzten Jahrzehnten eh nix Wichtiges dort speichern müssen.

Weiter üben, liebe Freunde, euer Rokko Ramirez