Rokko Ramirez Rotzt (6te Ausgabe)

Wenn Erich Moritz von Hornbostel einfach nur Chemie studiert und sich nicht später der Musikethnologie zugewandt hätte, dann wären wir vielleicht alle von diesem elendigen Dreck verschont geblieben, den Musikverständnislose aus aller Welt mit dem Oberbegriff „Electro“ behaftet haben. Sorry, liebe „Minimal Techno“–Freaks, aber das hat mehr mit Umweltgeräuschen wie Türknarren, Schienenquietschen, Autorückfahrwarnanlagen und Ähnlichem zu tun und dementsprechend wenig mit Musik. Dieser Schas, der da aus den Boxen quirlt, ist schlichtweg zu vergessen, danke! Aber dieser Erich hat doch tatsächlich gemeint, dass, wenn man bei einer Melodie die Tonhöhe und die Länge der Noten verändert, deren ursprüngliche Gestalt trotz alledem erhalten bleibt. Natürlich ein gefundenes Fressen für alle Electrodeppen, die jetzt einfach ein paar seismologisch unbedenkliche Kurven aus ihrem Designerlaptop in die Anlage nageln und schon zucken tausende Leiber spastisch einher, dass man sich genieren muss. Dazu gibt’s jede Menge „Visuals“, um von dem unzumutbaren Gepiepse abzulenken. Wenn das nicht hilft, dann kann noch auf Hirnnarkotika zurückgegriffen werden, die sich so mancher im Halbminutentakt reinpfeift um die Denkzentrale der Musik anzupassen. Beeeeeeep.

In welch vollbedenkliche außergewöhnliche Bewusstseinszustände muss sich erst der Besucher eines Festivals begeben, das sich URBAN ART FORMS nennt und drei Tage lang zu ungezügeltem Hardcorewahnsinn aufruft? Möchte man Stimmen aus dem Backstageumfeld Glauben schenken, dann hat man dort prinzipiell mit völlig durchgeknallten Typen zu kämpfen, die nebst ihrer vollkommenen Fertichkeit auch noch mühsam zu händeln sind. Ach so, dass sind ja dann die DJs und VJs, denn von einem Live Act wird ja schon dann gesprochen, wenn neben zwei rotierenden Herdplatten noch gleichzeitig 2 Tasten einer Computertastatur und/oder sogar eines Keyboards (das mit schwarzen und weißen Tasten) bedient werden.


Ich als Altrocker hab da ja prinzipiell lieber Instrumente (Schlagzeug, Bass, Gitarre usw…) auf der Bühne und freue mich über jede Art von wirklicher Musik. Aber eines muss man euch Electrofanten lassen: mit dem URBAN ART FORMS habt ihr ein geiles Festival auf die Beine gestellt. Trotzdem: Wenn ich ein echter Osterhase wäre, dann würde ich dem Hornbostel die Eier ausreißen, des is fix! Rock’N’Roll!