Do, 30. Januar 2014

Rokko goes China

Rokko Ramirez rotzt (35te Ausgabe)

Hier ist sie nun, Teil 1 der wahnwitzigen Geschichte, die davon erzählt, wie sich Rokko Ramirez, Österreichs wahnsinnigster DJ aller Zeiten, aufmacht, um ferne Länder zu sehen, deren Menschen und Sitten zu erkunden und den Besuchern seiner Shows ordentlich eins hinter die Löffel zu geben. Es geht nach China, Shenzhen, zum Silvestergig, wo 2014 lautstark eingeläutet wurde.

Und damit er nicht ganz so alleine ist oder gar verloren geht, hat er seine Freunde Chris, Bene und Alex (ab sofort immer Trudl genannt) selbstverständlich immer dabei. Los geht’s!

Part I – Der Weg nach Hongkong – 我爱你们

Die wichtigsten zwei Dinge, die jeder Reisefreund noch vor dem Abflug erledigen sollte, sind triftige Recherchen, ob und wo man im schönsten Gastgeberland rauchen darf.  Check, ist gar kein Problem, weder in Hongkong noch in Shenzhen gibt es dazu restriktive Vorschriften. Hätte der gute Chris allerdings keinen Weltreisestecker besorgt, dann hätten wir blöd geschaut.

Der Schwechater Flughafen erscheint in komplett neuem Glanz. Einfach immer gerade ausgehen, dann kommt man fix ans Ziel. Während wir noch über die Müßigkeit des Anstellens hinter den bereits zahlreich erschienenen Mitreisenden diskutieren, öffnet eine freundliche Dame gekonnt das Absperrband und leitet uns zum First Class/Premium Check In. Welch ein Glück, leider ohne First Class Upgrade, man will aber auch nicht undankbar sein. Feine Fluglinie ausgesucht.

Zwischenstopp Dubai. Die Frisur hält. Heute machen wir mal keine Fotos von blitzblanken Lamborghinis und sündteuren Uhren, sondern fahren mit dem Förderband von einer Smoker’s Lounge zur anderen und dank der Zeitverschiebung schmeckt um 7 Uhr früh auch schon das erste Bier, weil es in der Lounge des Herstellers gratis W-Lan gibt. Dem Rokko quellen da schon ordentlich die Augen raus bei soviel Komfort.

Trotz Raucherhusten und einem etwas lästigen Mitreisenden geht der Flug von Dubai ohne weitere Zwischenfälle nach Hongkong. Wie am Flug zuvor wieder das Menü mit Huhn, doppelt hält besser, wer braucht schon Lamm? Gleich nach dem Aussteigen hat man diesen wunderbaren Geschmack von essigsaurer fauliger Erde im Mund, die erste Zigarette fühlt sich dagegen wie pure Sauerstoffzufuhr an. Smog eben, herzlich Willkommen. Rokko muss seine Kappe abnehmen. Der örtliche Gesundheitsminister brüllt wie am Spieß. Smog verändert die Wahrnehmung und so glaubt der Gute wohl, wir hätten ein paar Viren unter dem Hut. Gut.

Im Hongkonger Flughafenuntergrund haben auch die Sitze Ohren. In der Lehne des Vordermannes ist die Lautstärkenregelung integriert. Chinesische Werbung mit chinesischen Untertiteln am Schirm, aber komplett leerer Waggon. Wo sind die vielen Chinesen? In Hongkong wohl nicht.

Nach einer entspannten, kurzweiligen Taxifahrt im Hotel angekommen. Für gut befunden und zum Schutze der Privatsphäre keine Fotos gemacht. Der Rezeptionist hat wohl seine Englischkenntnisse mit der Übergabe der Staatshoheit an die Volksrepublik China den Gulli hinuntergekippt. Wir finden voller Tatendrang trotzdem wieder zurück auf die Straße. Vorsicht! Linksverkehr!

Das Navigationssystem für Mobilfunkgeräte vom Chris kennt das Hard Rock Café in Hongkong punktgenau, nur die eingebaute Kamera will nicht scharf stellen. Alle im Land befindlichen Touristen befinden sich in einer schmalen Gasse. Die Herren benehmen sich, die Damen kotzen miniberockt und stöckelunbeschuht in die Gehsteigrinne. Man wird doch wohl von Weihnachten bis Silvester durchsaufen bzw. feiern können, oder?

Im Café selbigen Namens spielt eine bislang unbekannte Hardrock Band. Bei „Bed Of Roses“ von Bon Jovi kann sich der Sänger nicht mehr halten und tarnt sich mit einer US-italienischen Gesangsperücke. Wir erkennen ihn trotzdem und suchen das Weite, bevor man uns zwingt, auch Rock zu tragen und uns ebenfalls in den Rinnstein zu knien. Wo ist eigentlich der Smog, wenn man ihn braucht?

Nach einem eindrucksvollen Abend machen sich Rokko und Chris schnurstracks retour auf den Weg ins Hotel. Gottseidank ist alles gut beschildert, somit kann fast nichts mehr schief gehen. Wo sind eigentlich Trudl und Bene? Ach ja, sie fliegen ja über Frankfurt und Bejing, somit kommen sie erst morgen an. Die Vorfreude steigt, die vier Musketiere sind bald wieder zusammen.

Auch in den geräumigen und deshalb wohl fast menschenleeren Einkaufszentren trägt der Teufel Prada. Hier ist der endgültige Beweis.

Hongkong von seiner schönsten Seite. Angenehme Temperaturen, leicht gräuliche Luft und ein äußerst schmucker Hafen. Den ganzen Tag wundern wir uns, warum kein einziger Einheimischer trotz der übergebührlichen Einstrahlung Sonnenbrillen trägt. Ein Geheimnis, das wir bislang zu lüften nicht im Stande waren. Die Solidarität ist aber durchaus erkennbar. Bald geht es auf nach Shenzhen, die Vorfreude steigt.

 
Was bringt man eigentlich als Geschenk, wenn man in China zu Gast ist? Das eine oder andere Leitungsrohr? Eine Fünf-Sterne-Klobrille mit generös zugehöriger Exklusivmuschel? Hier ein Bild vom adäquaten Souvenirhändler unseres absoluten, hochachtungsvollsten Vertrauens. Leider hat das Abflussrohr dann doch nicht in den Van gepasst, der Wille zählt aber bekanntlich für’s Werk. Shenzhen wir kommen. Bald gibt es die ersten Rokko Shows auf volksrepublikanischem Boden. Wir sind guter Dinge. Bene und Trudl mittlerweile auch, nur nicht im Bild.

Schalten Sie auch nächstes Mal wieder ein, wenn Sie Bene im Volume Printmagazin sagen hören: „ Ni Hao Shenzhen, 我爱你们“