Zagreb liegt nämlich nicht in Belgien...

Entbehrliches Wissen #29

Anstatt auf die Penis-App sollte der Flirtmeister in spe besser mal auf das Kapperl des potentiellen Konkurrenten aka Grenzpolizisten schauen, Zagreb liegt nämlich nicht in Belgien. Und dann sage noch einer, wir werden immer blöder.

Manchmal ist es wundervoll, wie leicht die Menschen zu unterhalten sind. Bei der Bier-App haben wir alle noch herzlich gelacht und das digitale Flaschendrehen fand unerwarteten Anklang im Großraumbüro. Gut, wer den „Penis Size Detector“ ernst nimmt, der anhand eines Fotos auf die Länge der männlichen Genitalien schließen „kann“ ist selber schuld, aber der Handy-Schwangerschaftstest geht dann eventuell doch zu weit. Dabei sind es nicht nur die Jungen, die sich mehr auf das Internet als auf ihr Hirn verlassen, die ihre Geschmacksnerven beim Fernsehen abgegeben haben oder denken, Aszendent ist eine Zahnpasta.
Die Weisheit, dass die Jugend immer dümmer werde, ist natürlich völliger Blödsinn, der bereits im 19. Jahrhundert für Laune unter den Greisen sorgte. Wenn wir heutzutage schon durchs Internet verdummen sollen, dann wenigstens alle gemeinsam: Erst kürzlich schenkte eine erwachsene Belgierin ihrem Navi soviel Vertrauen, dass es sie nach Zagreb anstatt zum Brüsseler Bahnhof brachte. Um 1400 km knapp verfehlt, ist halt auch daneben.
Viel nachvollziehbarer als eine mehrheitliche Verblödung ist jedoch, dass sich mit dem immer schneller und komplexer entwickelnden Fortschritt auch die Möglichkeiten vervielfachen und damit die Entscheidungen, die wir treffen können. Du musst dabei nicht einmal an sämtliche Straßen denken, die du fahren könntest, um an ein bestimmtes Ziel zu kommen. Gab es einmal ein bis zwei Sorten Schokolade im Geschäft, gibt es heute hunderte, ganz abgesehen von den tausenden (Selbsthilfe-)Büchern, Unterhosen, Skibindungen, Biersorten und -marken, Verhütungsmethoden und Lebensstilen, die uns alle versprechen, glücklich zu machen, weil wir sie dazu anscheinend dringend brauchen – die ideale Beziehung inklusive.
Allein in Österreich gibt es mehr als 500 Online-Börsen, Single-Portale und Seitensprung-Agenturen. Bestechend ist dabei nicht nur die Auswahl an Traumprinzen, -prinzessinnen und solche, die es werden müssen, weil sie es noch nicht sind, sondern auch das einschlägige Vokabular, mit dem man sich unbedingt vorab vertraut machen muss, um sich nicht als vollkommener Trottel zu outen. Bei einem klassischen Approach rät der PUA (Pick Up Artist) dem männlichen Hetero-Single zu einem Meinungs-Opener, wie: „Hey, du siehst aus wie eine Frau mit Geschmack, welches Parfum/Haargel/Buch kannst du mir empfehlen?“, um das Gespräch mit dem HB (Hot Babe) stilvoll zu eröffnen. Als Laie musst du aber stets auf der Hut vor dem Bitch-Shield, dem UFEA (Universal Female Excuse Archive) oder einem Shit-Test sein, sie könnte damit dein Selbstbewusstsein durcheinander bringen wollen. Bei einem Crash & Burn sei nicht traurig, sondern sieh’ es als Lernprozess: Du bist ein Player und ein Spieler darf auch mal verlieren.
Bei so gefinkelten und durchgeplanten Aufreißmethoden sind die Zeiten, in denen wir uns naiver Weise in den Nachbarsbuben ohne Flirtexperience verlieben und dann auch noch bei ihm bleiben, echt vorbei. Zu verlockend schreit die Welt, der/die Zukünftige sei irgendwo da draußen, die Wahl kann stets noch optimiert werden. Denn ein anderer Effekt der unbegrenzten Auswahl ist jener, nie mit dem, was man hat, zufrieden zu sein. Der amerikanische Psychologe Barry Schwartz beschreibt dieses Phänomen in seinem Buch „The Paradox of Choice: Why More Is Less“. Biologisch gesehen reicht nämlich ein Hoden auch völlig aus und mit nur einem Auge lässt es sich prima dreidimensional sehen.


 

In aller Kürze:

  • Nutella hat laut Duden keinen offiziellen Artikel, man kann die, das oder auch der verwenden.

  • Verheiratete Frauen und ledige Männer trinken mehr Alkohol als ledige Frauen und verheiratete Männer.

  • Benedikt IX wurde 1032 mit 12 Jahren jüngster Papst.

  • Wenn man zwei Eier aneinander schlägt, zerbricht immer nur eines.

  • Siebenschläfer haben eine Tiefschlafphase von 20-29 Tagen.

  • Albert Einstein arbeitete 1908 auf dem Oktoberfest und schraubte Glühbirnen in die Festzeltbeleuchtungen.

  • Im Schnitt konzentrieren sich Jugendliche sieben Minuten lang auf eine Sache.

  • Schimpansen vögeln etwa acht Sekunden lang.

  • Im Sudan gibt es mehr Pyramiden als in Ägypten.

  • Menschen denken 90% an andere Menschen und nur 10% an situative Zusammenhänge.

  • Prognosen treffen kaum häufiger zu, als wenn man einen Zufallsgenerator befragt.