Namen, Museen und Bärte

Entbehrliches Wissen #36

Kann der Bierschaum im Bart das Zünglein an der Waage sein, wenn es darum geht, das Backenhaar besonders naturell aussehen zu lassen? Wahrscheinlich nicht, aber solange du nicht Popo heißt, hast du möglicherweise trotzdem ganz gute Gewinnchancen.

Es soll zwar nie zu spät für eine glückliche Kindheit sein, der Aufwand für Eltern den Nachwuchs im restlichen Leben zu strafen, ist trotzdem gering. Ein beliebtes Mittel die eigene vernachlässigte Individualität bei den Kindern auszuleben, ist die Namensgebung. In Österreich regelt zwar ein Gesetz was man offiziell als Namen eintragen darf, das endgültige Urteil hängt jedoch von der subjektiven Laune des verantwortlichen Standesbeamten ab. So fanden in Österreich bereits die Namen Eimer und Marijana einen Eintrag, regelmäßig abgelehnt werden Polizei, Doktor und Bier als Vornamen.

Die Deutschen sind in dieser Hinsicht etwas liberaler, so dass zwischen Dirk und Emma der kleine Popo in der Sandkiste sitzt, während Godpower und Pepsi-Carola schaukeln gehen. Die Vorliebe für englische Namen treibt seltsame Blüten. Die von Obstsorten (Apple) Windrichtungen (North West) oder Wochentagen (Sunday) inspirierten Namen amerikanischer Superstars sind in der englischen Originalfassung auch in Deutschland erlaubt. Dagegen klingen die Sandys, Maiks, Stevens und Kevins der 80er Jahre fast schon banal. Die englischen Namen waren vor allem in der ehemaligen DDR ein Trend der Mittelschicht, bis sozial niedrigere Schichten diese Mode imitierten. Hinter dem Spott gegen die Jessicas und Justins, wie auch in der Vorliebe für Sozialpornos, steckt vor allem eine Sozialschichten-Arroganz. Wie eine Studie herausfand, können die mit dem Namen verbundenen Vorurteile zu einem Bildungsnachteil führen, da die Kinder stärker mit Verhaltensauffälligkeiten und Leistungsschwäche in Verbindung gebracht werden. Die im Internet für dieses Phänomen kursierenden Bezeichnungen „Chantalismus“ oder „Kevinismus“ machen aus dem Namen eine Diagnose. Die Mehrheit der Österreicher geht jedoch trotz Internationalisierung klar in Richtung Altbewährtes. Traditionelle, oft biblische Namen geben derzeit den Ton an, so hält sich Lukas seit 1996 konsequent an erster Stelle der beliebtesten Bubennamen, bei den Mädchen wechseln sich Anna, Julia und Sarah ab.

Nicht nur in Sachen Namen zeigt sich der Fortschritt im Rückschritt und in der Bewahrung der guten alten Zeit. Wer die Öffentlichkeit an der eigenen Leidenschaft teilnehmen lassen will, gründet einfach ein Museum. Neben Schnaps- und Kondommuseum widmet sich mit dem Bierkrügelmuseum seit 2006 eine weitere Sammlung den Freuden des Alltags. Die Exponate aus den letzten fünf Jahrhunderten sind neben originellem Kunsthandwerk vor allem ein Dokument des innigen Verhältnisses zwischen Mensch und Alkohol. Wer sich von den Stücken angusteln lässt, sollte aufpassen, dass ihm der Schaum nicht die Gesichtsfrisur zerstört und im intensiv aufgezwirbeltem Moustache hängenbleibt. Die nächste Europameisterschaft der Bärte findet nämlich bald statt. Im Unterschied zu den Deutschen und den Schweizer Schnauz- und Bartfreunden, die seit Kurzem auch eine Homepage haben, finden sich die Österreicher in keiner eigenen Vereinigung zusammen, dafür ist der Austragungsort der nächsten Bartweltmeisterschaft 2015 Leogang in Salzburg. Der Verbund Deutscher Bartclubs, gegründet 1992, richtet jedes Jahr eine andere Veranstaltung zum Thema Bärte aus. Wer sich beeilt und zeitig zum Stehen lassen anfängt, für den geht sich eventuell noch die Teilnahme in der Unterkategorie „Schnauzbart Dalí“ oder „Vollbart Garibaldi“ aus. Teilweise sind Hilfsmittel, wie Bartwichse, Haarlack und Schaumfestiger erlaubt, bei den „Naturalen Bärten“ soll das Haar jedoch natürlich und wie gewachsen aussehen. Der Bart darf auch nicht in weitere Frisuren integriert sein. Die Sieger werden mit einem Diplom und einem Bierkrug prämiert. Prost mit Schaumbart!


In aller Kürze:

  • Die olympischen Spiele in Sotschi waren die ersten Winterspiele in einer subtropischen Stadt.
  • In Österreich ist es nicht verboten aus dem Gefängnis auszubrechen.
  • Löwen fällt nach der Kastration die Mähne aus.
  • Liechtenstein ist der einzige Staat mit Deutsch als alleiniger Amts- und Landessprache.
  • 2014 ist das internationale Jahr der kleinen Inselentwicklungsstaaten.
  • Nelson Mandela war Hobby-Boxer.
  • Coca Cola war anfangs grün.
  • Bei manchen Musikautomaten kann man drei Minuten Stille kaufen.
  • 1992 wurde die erste SMS verschickt.
  • Eine Excel-Tabelle geht bis Zeile 1.048.576 und Spalte XFD.
  • Schweden ist das einzige europäische Land, in dem Telefonieren am Steuer nicht verboten ist.
  • Eine der lukrativsten Einnahmequelle des Inselstaates Tuvalu war der Verkauf der Top Level Domain .tv
  • Die Internationale Organisation für Normung (ISO) existiert seit 1947.