Schauspiel unter falscher Flagge

Mondlandung

Der goldene Aluhut #75

Sie ist vermutlich eine der bekanntesten Verschwörungstheorien der Welt, wenn nicht sogar eine der ältesten überhaupt: die vermeintliche Mondlandungslüge. Obwohl sie auch eine der am besten und umfangreich widerlegtesten Schwurbeleien ist, glauben heute noch viele Menschen, dass die Amerikaner nie auf dem Mond waren.

Da war er also: Der berühmte große Schritt für die Menschheit, als Neil Armstrong vor nahezu 50 Jahren als erster Mensch den Mond betrat. Und hätte es damals schon soziale Medien gegeben, so wären die Kommentarspalten der Berichterstattung innerhalb von Minuten mit Verschwörungstheorien überflutet worden. Sicherlich wäre auch der ein oder andere Flacherdler darunter gewesen, der die Bilder der Erde als computergeneriert abgetan, die NASA als Zionisten beschimpft und darauf bestanden hätte, dass der Mond ein Hologramm sei, auf dem man gar nicht landen könne. Es überrascht euch sicher nicht, wenn ich jetzt sage, dass diese Hologrammsache heutzutage tatsächlich in einschlägigen Kreisen als Argument gegen die erfolgreiche Mondlandung angeführt wird. Genauso, wie dass die Nazis hinter’m Mond sicher nicht erfreut gewesen wären, wenn die USA in ihrem Vorgarten landen.

Wer im Internet nach Schwurbel zum Apollo-Programmsucht, wird nicht enttäuscht. So finden wir immer noch die gleichen und längst tausendfach widerlegten Verschwörungstheorien über wehende Fahnen, fehlende Sterne, Strahlung und federleichte Astronauten. Ein echter Dauerbrennerist auch die Behauptung, die Amerikaner hätten die Mondlandung in Hollywood gedreht. Regie führteStanley Kubrick, Armstrong und Co wären lediglich Schauspieler gewesen und die Inszenierung diente allein der Ablenkung vom brutalen Vietnamkriegund dem Dreck vor der eigenen Haustüre. Ein gigantisches Medienspektakel, das nicht nur die eigenen Leute, sondern vor allem die Russen an der Nase herumführen sollte. Die Mockumentary „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ (2002) von William Karel basiert übrigens großteils darauf.

Ein echter Dauerbrenner ist auch die Behauptung, die Amerikaner hätten die Mondlandung in Hollywood gedreht.

Dass aber sogar die Sowjets die erfolgreiche Mondlandung der USA bestätigten, wird von aluminiumummantelten Geistern bis heute nicht nur gekonnt ignoriert, sondern sehr gerne auch als Teil der Verschwörung abgetan. Hätten auch nur die geringsten Zweifel daran bestanden, dass die Signale tatsächlich vom Mond kamen (man besaß sehr wohl die dazu nötige Technik, um die Quelle der Funksignale der Apollo-Kommandokapsel zu ermitteln), wäre dies für die Sowjetunion eine willkommene Gelegenheit gewesen, sich nicht mit einer Niederlage im Rennen um die erste bemannte Mondlandung zufriedengeben zu müssen. Da man es nicht tat, ist die ehemalige UdSSR einfach Teil des Plans. Aber selbst, wenn es so wäre, dass die Mondlandung ein Kubrick-Film ist, so muss ich sagen, war er gut gemacht. Und sicher verdammt teuer. Denn, das wissen wir ja, Stanley Kubrick war Perfektionist und drehte am liebsten an Originalschauplätzen

Giulia Silberberger ist 35 Jahre alt, aus Berlin, Ex-Zeugin Jehovas, Skeptikerin, Gründerin vom Aluhut und Aktivistin gegen Verschwörungstheorien, Sekten und Extremismus. facebook.com/DerGoldeneAluhut