Manchmal hinterlassen Menschen Spuren, lange nachdem sie gegangen sind. Ein Gedanke, ein Satz, das Geräusch von vertrauten Schritten im Nebenzimmer. Dinge, die eigentlich längst vergangen sein sollten und trotzdem bleiben.
In seiner neuen Single „footsteps“, die am 26.06.2026 bei Ink Music erscheint, beschäftigt sich doppelfinger mit dem Spannungsfeld zwischen Nähe und Angst: dem Bedürfnis, jemandem näherzukommen, und sich gleichzeitig impulsiv wieder zurückzuziehen.
„footsteps“ beschreibt die knisternde Spannung zwischen diesen beiden gegensätzlichen Polen: anziehen, abstoßen, anziehen, abstoßen. Nicht als großes Drama oder endgültige Entscheidung, sondern als vorsichtige Akzeptanz, dass manche Gefühle sich nicht auflösen lassen.
Der österreichische Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist doppelfinger (bürgerlich Clemens Bäret) spielt nach ebendiesem Schema mit der Dynamik seines Songs: Aufbau und Einbruch, Streicherarrangement und Stille.
Besonders im Musikvideo, das der Künstler gemeinsam mit Regisseur Clemens Niel erarbeitet hat, wird diese Reibung deutlich spürbar: Paranoia jagt den Protagonisten durch die Szenen, er verliert die Fassung, sammelt sich erneut, kämpft gegen seine Emotionen und verliert. Blut tropft auf die Kamera. „Fuck“.
Der Aufnahmeprozess ist ein weiterer Spiegel des Inhalts: Gitarre und Gesang wurden gemeinsam live eingespielt. Seine charakteristische Akustikgitarre verbindet der gebürtige Oberösterreicher mit einem Streichsextett – Bögen, die sich spannen und wieder entspannen, dann überspannen und zerreißen.
Der Song pendelt zwischen Aggression und Trost, ohne sich jemals ganz für eine Seite zu entscheiden. doppelfinger ist ein selbsternannter Perfektionist und tüftelt gerne bis zur letzten Sekunde an seinen Arrangements. Dennoch wirkt hier nichts nachträglich geglättet oder zurechtgerückt. Ein Versprecher im Outro bleibt bestehen – so wird aus einem Fehler ein Teil der Erzählung: von den eigenen Gefühlen übermannt, orientierungslos und menschlich.
Bezeichnend für doppelfingers Musik sind die Grauzonen. Nicht nur mit seinen Artworks, auch im übertragenen Sinne reiht sich „footsteps“ hier ein: Mit der Phrase „every dream has its price“ verziert, lässt das Musikvideo einen mit noch mehr Fragen zurück – und gibt zugleich den Anstoß, sich selbst auf die Suche nach den eigenen Antworten zu begeben.
Sein Debütalbum „by design“ (2022 bei Ink Music) etablierte doppelfinger als eine der markantesten neuen Stimmen seines Genres und erzielte bis heute über sechs Millionen Streams auf Spotify.
Geprägt von einem Hintergrund aus Folk und Kammerpop erzählt der in Wien lebende Musiker intime Geschichten, die sich tief ins Gedächtnis seiner Hörer einschleichen. Er trat bereits beim Popfest Wien und beim Eurosonic Noorderslag in Groningen auf, gab ein ausverkauftes Konzert im ORF RadioKulturhaus und spielte zahlreiche Support-Shows in ganz Europa. Aktuell arbeitet er an seinem zweiten Album.
„footsteps“ markiert den Start in einen neuen Abschnitt von doppelfingers Werk. Der Song ist weniger eine abgeschlossene Geschichte als vielmehr ein flüchtiger Querschnitt durch ein Gefühl, das noch lange nachhallt, nachdem die letzten Schritte verklungen sind.
— Sebastian Juhn