Di, 17. September 2013

The New Cool

New Hot Music Shit (32te Ausgabe)

Manche musikalischen Genres benötigen alle paar Jahre eine Frischzellenkur, so wie Kate Moss, bevor sie wieder mal ein Nackt-Shooting absolviert. Die abgestorbenen Soundschichten werden kräftig abgerubbelt und mit einer feinen Kanüle spritzt der Beat-Doktor jugendlichen Esprit und eine gute Dosis Zeitgeist unter die Epidermis. Anschließend massiert er noch ein paar gute Reime über die Kopfhaut ins Großhirn und schon erstrahlen HipHop, Electro-Pop und R&B in neuem Glanz…

Rizzle Kicks

Two Is A Gang

Jordan „Rizzle“ Stephens und Harley „Sylvester“ Alexander-Sule waren Sandkastenfreunde in London, verloren sich später aus den Augen um sich auf einem Fußballfeld in Brighton wiederzufinden. Als Teenager entdeckten sie gemeinsam ihre Liebe zum HipHop und begannen über die Samples ihrer Lieblingsrapper zu reimen. Sie perfektionierten ihre Skills und stellten Videos ins Netz – es folgte ein Plattenvertrag! Ihre federleichten Upbeat-Tracks erinnern an die von Mike Skinner, als er sich noch The Streets nannte und kein Drogenproblem hatte. Rizzle Kicks vollführen Reimspaziergänge auf melodiösen Bass Lines, singen Songs über Summer Love und reißen popkulturelle Referenz-Späßchen – einfach Gute Laune-Musik für freshe B-Boys und heiße Chicks. Im Herbst erscheint das, in Großbritannien bereits massiv gehypte, zweite Album Roaring 20s. Burschen, bleibt’s sauber!

Für Fans von: The Streets, Dizzy Rascal, Roots Manuva, Professor Green
Link: www.rizzlekicks.com
aktuelles Album: Roaring 20s ( VÖ: Herbst 2013/ Island Records)

AlunaGeorge

raffinierter Mainstream

Man kann schon von einem Perfect Match sprechen, möchte man die Entscheidung bewerten, dass Sängerin Aluna Francis und Produzent George Reid beschlossen haben, gemeinsame Sache zu machen. Die zwei machen R&B. Gerade war dieses Genre noch verschrien als Weichzeichner-Soundtrack für die Fummelstunden schmieriger Möchtegern-Gigolos, da tauchten aus dem zartrosa Meer des Schmalzes unerwartet Lichtgestalten auf, die auf Namen wie Frank Ocean oder The Weeknd hörten und bewiesen, dass es etwas düsterer gleich besser klingt.
AlunaGeorge sind da zuckriger – wenn die wunderschöne Aluna Francis mit fast kindlicher Stimme von ihren Begierden singt, entsteht eine seltsame Spannung, die zwischen Unschuld und Verführung changiert. Auch der Geschichte der Insel, die seit jeher die musikalischen Einflüsse der Karibik zu spüren bekam, ist es zu verdanken, dass britische Acts immer ein bisschen exotischer und experimenteller klingen, als ihre Kollegen auf der anderen Seite des Ozeans.
Music to make love to!

Für Fans von: Frank Ocean, Shade, The Weeknd, Drake
Link: www.alunageorge.com
aktuelles Album: Body Music ( bereits veröffentlicht)

Mariam The Believer

episches Ausmaß

Mariam Wallentin trat erstmals gemeinsam mit ihrem Mann als Teil des Duos Wildbirds and Peacedrums in Erscheinung. Ihre Liebe zu Pathos und großer Geste ließ sich schon da erahnen, unter dem Namen Mariam The Believer zieht sie nun solo zu Felde und beglückt uns mit epischen Stücken, die als perfekter Soundtrack eines jeden Lars von Trier-Filmes durchgehen würden.
Ihre tiefe Stimme erinnert durch den melancholisch-bauchigen Schleier manchmal an Florence Welch, ist aber so abwechslungsreich, dass man in einem Augenblick vom feuchten schwedischen Waldboden in eine verrauchte Bar in der Lower Eastside anno 1966 katapultiert wird. Mariam ist eine Diva, die mit allen Sinnen komponiert und Stimmungen in sich aufsaugt, eine Naturgewalt, wie eine Windböe, die so kraftvoll ist, dass man sich dagegen lehnen kann, ohne weggeweht zu werden – einfach fallen lassen, let it bleed!

Für Fans von: Florence + The Machine, Austra,
Link: http://mariamthebeliever.blogspot.co.at
aktuelles Album: Blood Donation (VÖ: 04.10.2013/ Moshi Moshi)

Oh Land

Körpersprache

Eigentlich wollte Nanna Øland Fabricius Primaballerina werden. Die blonde Dänin zog als Kind von Kopenhagen nach Stockholm, um dort ihre Tanzausbildung zu absolvieren. Als sie im Alter von 18 Jahren eine schwere Rückenverletzung erlitt, platzte der Traum, doch ein neuer wurde geboren. Unter dem Pseudonym Oh Land (in Anlehnung an ihren Zweitnamen) fing Nanna an, Songs zu schreiben. 2008 veröffentlichte sie ein Album, das ihr in Dänemark erste Achtungserfolge einbrachte. 2009 spielte sie auf dem als Talentschmiede berüchtigten SXSW-Festival und landete bei Epic Records. Seitdem arbeitete sie für zwei weitere Alben mit Produzenten wie Pharrell Williams oder Dave McCracken zusammen, zog nach New York und ging u.a. mit Katy Perry auf Tour. Nanna singt mit solcher Leichtigkeit wie es wahrscheinlich nur eine ehemalige Ballerina vermag, sie tänzelt durch ihre Videos und verbreitet so viel Lebensfreude wie frisch geschlüpfte Schmetterlingsbabies an einem sonnigen Frühlingsmorgen!

Für Fans von: Lykke Li, Goldfrapp, Little Boots
Link: www.facebook.com/OhLandMusic
aktuelles Album: Wish Bone (VÖ: 11.10.2013/ Federal Prism“,ADA/ Warner)

Woods

Stadt Wald Fluss

Na gut, diese Jungs aus Brooklyn, New York, haben jetzt weder das Rad noch den Rock’n Roll neu erfunden, trotzdem macht ihre Musik die Welt einfach ein kleines bisschen besser und an dunklen Tagen legt sie sich wie ein kuscheliger Bademantel um niedergeschlagene Indie-Schultern. Auf den unverkennbaren Spuren traditioneller amerikanischer Folk-Legenden wie Lynyrd Skynyrd haben Woods einen Sound geschaffen, der gar nicht nach Big Apple klingt sondern vielmehr nach Sonnenuntergängen, der großen Sehnsucht nach Freiheit und der Möglichkeit eines nicht endenden wollenden Sommers. Wabernde Gitarren, plätschernde Drums und jede Menge Kopfstimmen-Chöre die von Liebe, Vergänglichkeit und Wein trinken erzählen. Manchmal so psychedelisch, dass man ganz vergisst wo vorne und hinten ist – aber auf eine durchwegs angenehme Weise!

Für Fans von: Devendra Banhart, Portugal. The Man, Sparklehorse
Link: www.woodsist.com/woods
aktuelles Album: Bend Beyond (bereits erschienen/ Woodsist Records)

Brian Smith

Wonderboy

Brian Smith aus Portland, Oregon, ist gerade mal 23. Stolz wird in seiner Biografie angeführt, dass er schon über 450 Songs aufgenommen hat und in über 35 Ländern aufgetreten ist! Eine beachtliche Bilanz für den feschen Vollblut-Musiker, der laut eigener Auskunft im Sommer 2012 eine endlose Welttour begonnen hat. „I am but a passenger in a life that has shown to be absolutely endless and full of mystery‘ ist wohl so etwas wie sein Lebensmotto, ein reisender Musikant auf hohem Niveau. Mit seiner Gitarre erzählt er von diesen Abenteuern, davon, dass er seinen Traum lebt und dass es verschwendete Zeit ist, auf Wunder zu warten, die nicht geschehen werden. Ein pragmatischer Romantiker, der die Freiheit im Gitarrenkasten trägt und uns erklärt, wie gut es manchmal sein kann, alles hinter sich zu lassen!

Für Fans von: The Tallest Man On Earth, Bon Iver, Fleet Foxes
Link: http://briansmith.bandcamp.com  
aktuelles Album: aktuelle Single „This Must Be Life“