Sa, 19. September 2009

New Hot Music Shit (8te Ausgabe)

Blutige rote Rüben, Lippen-Kauer, Delphisch, Ball-Schlag-Spiel, weiße Jeans und Dunkler meine Liebe. Das alles sind Bandnamen. Klingt ganz schön bescheuert auf Deutsch. Zum Glück singen, klingen und heißen die hier vorgestellten neuen Sound-Sahneschnitten im englischen Original um Welten besser. Ozapft is!

CHEW LIPS – Mehrtagsfliegen

Bei dieser Erfolgsstory mag so manch heimischer Musiker wahrscheinlich am liebsten gleich vom Balkon springen:
Chew Lips gründeten sich im Frühjahr 2008. Bald nachdem sie ihr erstes Demo aufgenommen hatten, wurden sie in diversen Fachblättern über den grünen Klee gelobt, ein Jahr später haben sie ihren ersten Release auf Kitsuné hinter sich und sind dieses Jahr in den Line Ups aller coolen Festivals vertreten.
So ist das in England. Fast Fame – Fast Fall. Aber diese schwersympathische Combo hat durchaus das Zeug zur Mehrtagsfliege. Chew Lips sind zwei Burschen an der Elektronik und eine Sängerin mit Glasklirr-Stimme, die volle Breitseite auf die neue Emotional-Disco-Synth-Welle aufgesprungen sind. Obwohl es sich prinzipiell um elektronische Musik mit melancholischer Grundstimmung handelt, gewinnt das Ganze durch den eindringlichen Gesang eine gewisse Rockröhren-Attitüde, was den Stücken etwas Raues, Ungehobeltes gibt. Sommertau-Musik die auch für Herbst und Winter geeignet ist.

Für Fans von: Glass Candy, La Roux, Bat for Lashes, YeahYeahYeahs
http://www.myspace.com/chewlips

WHITE DENIM – Rockmusik mit Hirn

Diese Band muss die ganze Welt kennen. Vor allem jene, denen Rockmusik das Blut schneller durch die Venen fließen lässt, und ausnahmslos jeder Einzelne, der glaubt, seit den 70er Jahren wurde keine vernünftige Rockmusik mehr gemacht. White Denim belehren uns eines Besseren. 
Dabei müssen wir dankbar sein, dass der Sänger James Petralli die Famillientradition einer Baseball-Karriere an den Nagel gehängt hat, weil seine Liebe zur Gitarre stärker war. Seitdem produziert er mit seinen zwei Bandkollegen die faszinierendsten Rock’n’Roll-Klänge, die die Ohren seit 1979 gehört haben. Das Trio aus Austin, Texas kombiniert die psychodelischen Riffs von Jimi Hendrix mit der rohen Energie der The Stooges und des reduzierten Blues-Rock von White Stripes. Augen, Ohren und Körper tanzen gleichzeitig zu diesen brilliaten und abwechselungsreichen Klängen, die das Wort Dirt-Rock neu definieren und das Universum beruhigen: Rock’n’Roll is alright – again. 
http://www.myspace.com/whitedenimmusic
Für Fans von: Wolfmother, Jet

DARKER MY LOVE – Shoegazers United

Lange Jahre haben Tim Presley und seine Kollegen ihr Talent in anderen bekannten Bands – wie zB. The Fall – versteut und sich in deren Schatten versteckt. Nun trauen sie sich mit ihrem eigenen Schaffen an das Licht der Öffentlichkeit und legen sich dafür einen womöglich beschützend wirkenden, dunklen Namen zu – DARKER MY LOVE. (Der Name stammt übrigens aus dem gleichnamigen Song der kalifornischen Punkband TSOL.)
Und siehe da – es lohnt sich.
Mit ihrem Debutalbum mit dem einfallsreichen Namen „2“ beweisen die fünf Californiere von Darker My Love ein Faible für psychodelischen Shoegaze und besondere Kenntnisse des Smack-Rocks der Black Rebel Motorcycle Club / Brian Jonestown Massacre Richtung.
Wer White Lies letztes Jahr ins Herz geschlossen hat, wird heuer an Darker My Love nicht vorbeikommen – spätestens am 10.11. in Wiener Arena als White Lies Toursupport.
www.myspace.com/darkermylove
Für Fans von: Black Rebel Motorcycle Club, Kasabian

HOCKEY – Punkiger Dance

„We couldn’t give a puck about band buzz“ sagt der Sänger von HOCKEY oft und gerne, doch meistens wenn er auf die Ähnlickkeit mit den Charts-Stürmern MGMT angesprochen wird. Die Fragen nerven ihn bestimmt, da sie eher mit der gemeinsamen Vorliebe zu Bandana, als mit den musikalischen Gemeinsamkeiten zu tun haben. Allerdings gibt er zu, dass Hockey wie eine Mischung „zwischen The Strokes und LCD Soundsystem klingen“. Musikalische Identitätsprobleme versteckt in Suchrätseln? Mag sein, doch der Fakt ist: die New Wave Band aus Portland, Oregon ist zur richtigen Zeit am richtigen Planeten, wo tanzbare soulige Pop-Musik, die früher Indie oder New Wave genannt wurde, nicht mehr aus den  Charts wegzudenken ist. Vom berühmtesten Radio DJ Englands Zane Lowe entdeckt, beim Major Label unter Vertrag und für die größten Festivals gebucht  – eine Bilderbuchkarriere für HOCKEY im Jahr 2009.    
Am 03.09. sind sie im Wiener Chelsea zu sehen und hören. Wer clever ist, erwischt sie jetzt, vor der nächsten Großhallentour.
http://www.myspace.com/hockey
Für Fans von: MGMT, The Rapture

THE BLOODY BEETROOTS – Blutig & Wahnsinnig

Wer in den letzten 2 Jahren als DJ unterwegs war, gerne in Musik-Blogs stöbert oder sich für die elektronischen Tracks interessiert, zu denen er des Nächtens abgeht, der ist um dieses Phänomen wohl kaum herumgekommen: 2007 von Bob Rifo (a.k.a. DJ Sir Bob Cornelius Rifo), einem fadisierten Italiener gegründet, live mit dem Kollegen Tommy Tea aufgepeppt, tourten die Herrn, zumeist kryptisch verkleidet, bald um den ganzen Erdball. Die nach dem stark triefenden roten Gemüse benannten Wahnsinnigen machten sich schnell, vor allem durch Remixe, einen Namen. Beim Konsumenten stellte sich flink das Gefühl ein, es gäbe zu jedem halbwegs aktuellen Hit einen Bloody-Beetroots-Remix.
Der Mainstream erkannte den Hype, es folgten Song-Adaptionen für C.S.I. Miami oder zur Untermalung diverser Computerspiele wie Need For Speed, Fifa ’09,…
Herr Rifo selbst bezeichnet sein Werk als uneheliches Kind von the Misfits und Daft Punk, genau das macht den Sound so einzigartig. Das Rohe, der Punk, verbunden mit kuriosen Samples von Science Fiction-Geschwurbel über Hip Hop bis hin zu klassischer Musik.
Und warum fällt das dann immer noch in die Rubrik neuer heisser Scheiss, wenn der Geheimtipp-Status offensichtlich schon perdü ist? Weil jetzt das erste richtige Album erscheint: „Romborama“. Weltruhm, dann Platte – auch nicht schlecht! Justice – zieht euch warm an!

Für Fans von: Justice, Daft Punk, Crookers, Boys Noize
www.myspace.com/thebloodybeetroots

DELPHIC – Dancefloorkracher

Sphärisch. Ein schrecklich abgedroschenes Wort zur Beschreibung jener Musik, die eben genau so klingt. Also jene, die einen nicht beim ersten Hören in den Beinen juckt, sondern bei mehrmaligem Genuss Suchterscheinungen auslöst und zu extatischen Sinneszuständen führt.
So wie die Songs von Delphic. In der Tradition großer Könner wie New Order schaffen sie es spielerisch Rock-Elemente mit Dance-Vibes zu vermengen. Den drei Boys aus Manchester hört man ihre Herkunft definitiv an und das ist gut so.
Was als Internet-Geheimtipp begann, hat mittlerweile seine Kreise gezogen, die renommierten Kitsuné und Modular Records sind auf den Zug aufgesprungen, man durfte Bloc Party supporten und hat ein beeindruckendes Video zur ersten Single vorgelegt.
„This Momentary“ entstand in Tschernobyl und verdeutlicht was die Jungs uns mit ihrer Musik mitteilen wollen. Die bedrückenden Bilder verlassener Orte zusammen mit der Keyline „Let’s do something real“ werden auf einem Synth-Beat-Bett transportiert, das Flügel verleiht. Hier geht es nicht um laut-bunte Dancefloor-Kracher, Delphic sind erwachsene, ernsthafte Musiker von massiver Nachhaltigkeit.

Für Fans von: New Order, Underworld, Basement Jaxx,

http://www.delphic.cc/