Mi, 4. März 2009

New Hot Music Shit (5te Ausgabe)

Ein frisches Jahr, vollgestopft mit neuem heißen Scheiß, der uns die Dunkelheit vergessen lässt, uns gut tut und die Zeit verkürzt bis wieder Blümlein sprießen… Eine UK-Disco-Lolita, amerikanische Folkehepaare, Noise Rocker, die von Karen O. zur „religiösen Erfahrung“ geadelt wurden und kalkuliert coole Kosmopoliten. Und nicht die holländischen Psychodelic-Elektroniker zu vergessen… Ein bunter Eisblumenstrauß von allerhand Entdeckungen….

DEERHUNTER – Noise-Rock Weirdos

Hier keine Rede von Crack, Koks & Co. Auch nicht von Magersucht oder Bulimie. Schwer zu glauben beim Anblick des Deerhunter Frontmanns Bradford Cox, dem Spiegelbild des besten Kumpels von Amy Crack-house. Doch nichts dergleichen. Cox’s aufgrund einer angeborenen Krankheit (Marfan Syndrom) gewöhnungsbedürftiges Aussehen erregt Aufsehen, doch wen kümmert das? Er und seine Bandkollegen aus Atlanta, Georgia, bringen mit ihren ohrenbetäubenden Klängen den Atem der Musikkritiker auf beiden Seiten des Atlantiks zum Stocken und rufen Betitelungen a là „neue Sonic Youth!!“  hervor. Zu Recht, selbst wenn Cox und Freunde auf dem Album „Micsocastles“ zusätzlich noch die sanften Töne ihrer Nachbarn R.E.M. anklingen lassen. Live untermalt das Quartett diese musikalischen Gegensätze mit stimmlichen Experimenten, schrägen viktorianischen Kostümen und den schlaksigen Bewegungen von Cox. Deerhunter suchen ihresgleichen und heißen uns willkommen in der „New Weirdness“ im Jahr 2009!

Für Fans von: Sonic Youth, My Bloody Valentine 
www.myspace.com/deerhunter

EMPIRE OF THE SUN – Australische Superhelden

Empire of the Sun haben eine Mission. Gekleidet in psychodelische Star Wars-Roben befindet sich das Fantasy-Pop-Duo auf einer kosmischen Reise um den Globus auf der Suche nach Erleuchtung und Magie. „Wir sind Superhelden. Wir sind Kaiser Steel und Fürst Littlemore“, sagt der Sänger Luke Steel, sonst bekannt als Frontmann der Band The Sleepy Jackson. Gemeinsam mit Nick Littlemore, der mit Elton John, The Killers und Ladyhawke innige Freundschaften pflegt, will er mit dem achtziger Jahre inspirierten Synth-Pop etwas Größeres erschaffen als die Bands der letzte 20 Jahre und „mehr Unterhaltung, Farbe, Optimismus und Melodie“ zurückbringen. Endlich eine Ansage, mit der man was anfangen kann, finden wir. Die australischen Herzen haben sie mit der Top 10 Chartplatzierung bereits erobert – den Rest der Welt demnächst auch!

Für Fans von: MGMT, Ladyhawke
www.myspace.com/empireofthesunsound

zZz – Oranjes Strike Back

Was haben Holland und Österreich musikalisch gemeinsam? Leider nicht viel – außer den Mangel der international anerkannten Acts in den letzten Jahren. Gewisse Ähnlichkeiten könnten sich in den Trends der grottenschlechten „Gabba“ und „Krocha“ auffinden, doch zum Glück interessiert das hier keinen. Nun ist allerdings mit der musikalischen Bedeutungslosigkeit der Niederländer Schluss! Die Oranjes schicken ein großartiges neues Duo auf das musikalische Spielfeld: zZz. Ohne lange Bärte, dafür mit reichlich Pfeffer in der Orgel, feuern die Amsterdamer auf dem Album „Running With The Wild“ ein tanzbares Rockspektakel ab. Und das mit nur einem Schlagzeug und einem einzigen Keyboard. Dunkler Minimalismus, der sich auch gut in die Fiat-Werbung platzieren lässt – im Fall von Björn und Daan schreckt das nicht ab, sondern macht Lust auf mehr.


Für Fans von: Pendulum, Late of the Pier
www.myspace.com/zzz

THIEVES LIKE US – Diebisch Gut

Nicht nur ergibt der Titel dieses Debütalbums („Play Music“) zusammen mit dem Bandnamen ein nettes Wortspiel, auch versetzen mich die Songs in eine sehr spezielle Stimmung. Die minimalelektronischen Kompositionen des in Paris lebenden schwedisch-amerikanischen Trios blubbern dahin und erzeugen mit gleichgültiger Coolness ein Großstadtgefühl von Freiheit und Modernität, das an keiner Stelle langweilig wird. Der aufs Erste unmotiviert wirkende Gesang fesselt einen durch Melodiösität und düstere, melancholische Texte. Die Gelassenheit ist absolut Programm. Berlinmusik, Parismusik, ja auch Wienmusik und wieso zum Teufel nicht auch Grazmusik: Mit „Play Music“ im Ohr wird jedes Kuhkaff zur Weltstadt. Was auch dem Pariser Stylolabel Kitsune nicht entging, das den Burschen ihren ersten Release auf einer der enorm gehypten Compilations bescherte (Single: Drugs in my Body). Umso schöner, dass das Album nun beim heimischen Indielabel Seayou Records veröffentlicht wurde. Plug in and feel weltmännisch!


Für Fans von: Lo-Fi-Fnk, Surkin
http://www.myspace.com/thieveslikeus

BODIES OF WATER – Hippie High Hey

Oh ja, selbst wenn wir es bisher noch nicht wussten, wir haben auf diese Platte gewartet. „A Certain Feeling“ streichelt unsere Seele so zärtlich, wie wir es gerade um diese Jahreszeit brauchen. Alle, die Arcade Fire toll finden, ihr werdet sie lieben, die Hymnen, die sich das in L.A. lebende Ehepaar David und Meredith Metcalf plus Gesellen da aus dem Ärmel schüttelt. Mehrstimmiger hymnischer Gesang, Streichersätze, durchdrehende und hypnotisierende Hammondorgeln, die gen Himmel streben. Manche Stücke schleichen sich langsam von hinten an und nehmen uns dann in den emotionalen Würgegriff, während andere wie „These are the Eyes“ simpler gestrickt sind und schlichtweg mitreißen. Die Arrangements sind so überraschend und raffiniert wie eine heiße Stripperin, die aus Omas Schwarzwälder Kirschtorte hüpft.´Auch sei erwähnt, dass die Protagonisten neben dieser tollen Musik noch viel anderen kreativen Output in den Orbit schleudern – Gemälde, Fotografien, Videos u.v.m. (siehe Homepage). Ich prophezeie, dass Bodies of Water groß rauskommen werden und sich dann auch mal auf Europatour begeben. Das Album hilft, die Wartezeit zu überbrücken!


Für Fans von: Arcade Fire, The Rosebuds, Fleet Foxes
http://www.bodiesofwater.net/
http://www.myspace.com/bodiesofwater

LITTLE BOOTS – Kleine Stiefel, Großer Sound

Als Erstes setzt der Annett-Louisan-Effekt ein. Sie ist klein, niedlich, blond und puppig. Doch natürlich täuscht dieser erste Eindruck stark. Zum Künstlernamen kam sie durch den besten Freund, der, nachdem er den Hollywoodschinken „Caligula“ (= lat. kleine Füßchen) gesehen hatte, anscheinend gewisse Parallelen zwischen der jungen Britin und dem römischen Tyrannen zog, außerdem war ihr Victoria Hesketh als Künstlername zu langweilig. Erste öffentliche musikalische Gehversuche machte sie in der Mädchen-Indie-Rock-Band Dead Disco, doch schon bald wurde ihr klar, dass die Little Boots auf Solopfaden besser unterwegs sind. So traf es sich gar wunderbar, dass Joe Goddard von Hot Chip anbot, sie zu produzieren und sie einen Sound fanden, der nach „Giorgio Moroder trifft Kylie“ duftet. Für noch mehr Glamour sorgt mittlerweile Produzent Greg Kurstin, der auch schon mit Lily Allen, Peaches und  Sophie Ellis–Bextor arbeitete. Da kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Reinster Retro-Synth-Pop, etwas dreckiger und versauter als seine kommerziellen Vorbilder, was den besonderen Reiz ausmacht. Böse Puppe!

Für Fans von: Robyn, Annie, Kylie Minogue
http://www.myspace.com/littlebootsmusic
aktuell: Arecibo EP (Iamsound)