Sa, 16. März 2013

New Hot Music Shit (29te Ausgabe)

Diese Ausgabe des New Hot Shit ist Eigenbrötlern versus Bands gewidmet.

Diese Ausgabe des New Hot Shit ist Eigenbrötlern versus Bands gewidmet.
Beides hat seine Vor- und Nachteile. Musiziert man solo, muss man sich weniger rumstreiten und erntet sowohl Lorbeeren als auch Groupies ganz alleine. Als Teil einer Band kann man sich lange Autofahrten mit blöden Insider-Schmähs verkürzen und erlebt Live-Konzerte in unvergleichlicher gemeinsamer Euphorie. Bei beiden Modellen ist eines wichtig: Das gute Musik herauskommt, die uns Hörer überzeugt!

FLUME

The Wonder from Down Under

Er ist gerade mal 21, mit dem Musik machen begann er im zarten Alter von 13, nachdem er als Goodie einer Frühstücksflocken-Packung an ein schlichtes Produktionsprogramm gekommen war. Der junge Australier legt gerade eine kometenartige Entwicklung hin, noch vor 1 ½ Jahren lungerte er zuhause rum, mittlerweile war er mit The XX, Four Tet und Totally Enormous Extinct Dinosaurs auf Tour. Die ollen One Direction kickte er mit dem Release seiner ersten EP Sleepless von der Spitze der australischen iTunes Charts. Es sind getragene, dahin wabernde Tracks voll Raffinesse und Eleganz, manchmal rein instrumental, dann wieder gespickt mit souligem Gesang von Jezzabell Doran oder Vocals des Rappers T.Shirt. Perfektionierter Ambient-Soul-Electro.

Für Fans von: Gold Panda, Flying Lotus, Hudson Mohawke 
Link: http://flumemusic.com

aktuelles Album: EP Sleepless, diverse Remixe, Mixtapes und Einzelrelease auf iTunes/soundcloud

RANGLEKLODS

Der schöne Däne mit der dunklen Seele

Esben Andersen alias Rangleklods macht schon alleine optisch ordentlich was her. Ähnlich wie Pantha du Prince oder Gesaffelstein hat er bei Live-Auftritten diese attraktiv-geheimnisvolle Aura, eine One-Man-Boy-Band elektronischer Musik. Hinzu kommt sein abwechslungsreicher Zaubertrank aus Beats, Dubstep-Elementen aber auch Einflüssen von klassischem House und knackigem Minimal Techno. Darüber legt sich wie ein sanfter Küstenwind seine sonore Stimme, manche Kritiker vergleichen sie gar mit Ian Curtis von Joy Division oder mit Jim Morrison von den Doors. Dafür ist wohl die Düsternis verantwortlich, die sich durch das Artwork wie auch die Lyrics zieht. Trotzdem hoffen wir inständig, dass der junge Mann in seiner Persönlichkeit gefestigter ist als diese beiden Ikonen der Rockmusik. 

Für Fans von: James Blake, The Knife, Pantha du Prince
Link: http://rangleklods.com
aktuelles Album: Beekeeper (Schoenwetter Records / Inkmusic)

LE1f FLY ZONE

HipHop Divaism

Der New Yorker Rapper und Produzent mit dem kaum auszusprechenden Künstlernamen ist offen schwul – immer noch ein großes Tabu in der HipHop Szene. Trotzdem hat er keinen Bock auf seine sexuelle Vorliebe reduziert zu werden und sieht seine Musik einfach als zeitgemäßen Gegenentwurf zur Welt der breitbeinig im Whirlpool sitzenden Hustler, die ihren Bitches Champagner über die drallen Pobacken gießen. Hinter den Reglern war er schon für Spank Rock und Das Racist tätig, solo überzeugt er mit fricklig-progressiven Beats und ironisch-sozialkritischen Texten. Seine Live-Performances sind sexy und energetisch, da bleibt kein Auge und kein Höschen trocken. Und für die skeptischen Hetero-Jungs hat er auch meistens eine heiße Tänzerin im Gepäck!

Für Fans von: Azealia Banks, Das Racist, Mykki Blanco
Link: http://le1f.com
aktuelles Album: diverse free Mixtapes auf seiner Homepage

PALMA VIOLETS

Londons ehrliche Rock-Brüder

Gar nicht so leicht, wenn die Erwartungshaltung von Presse und Fans schon so hoch ist, wie bei diesen Jungs aus Südlondon. Erst Ende Februar erscheint in England ihr Debüt-Album, doch NME hat den Hype schon auf die Spitze getrieben. Es gab ein Cover-Shooting und Platz Eins der Jahres-Charts für die Band, die erst seit 2011 besteht. Palma Violets lassen das Image einer Band als Gang wieder aufleben, sie teilen sich ein (offenes) Haus, das gleichzeitig ihr Studio und Schauplatz ihrer ersten Konzerte war. Ihre erfolgreiche Single Best of Friends ist, zugegebenermaßen eine klassische Indie-Hymne, beschwört aber diese unwiederbringliche Stimmung wenn wir uns nach Bier müffelnd in den Armen liegen und glauben, alles erreichen zu können. Lederjacken. Dreckige Bars. Gemeinschaftsgefühl. Rock’n Roll.

Für Fans von: The Libertines, The Strokes, Echo&The Bunnymen
Link: http://www.palmaviolets.co.uk
aktueller Release: VÖ wahrs. März 2013 auf Rough Trade Records

FEATHERS

geballte Elfen-Schönheit

Die texanische Band Feathers besteht aus vier wunderschönen jungen Frauen. Laut eigener Aussage war es reiner Zufall, dass die Besetzung keine männlichen Mitglieder auflistet, mittlerweile ist man aber sehr glücklich mit dieser Ausgangssituation, da nicht nur die Stimmen sehr gut miteinander harmonieren. Verträumter Synthie-Pop mit unverkennbaren Anleihen von Pop-Prinzessinnen wie Kate Bush oder Stevie Nicks, der in direkter Nachbarschaft anzuordnen ist zu aktuellen Indie-Pop-Amazonen wie Lykke Li, Zola Jesus oder Grimes. Auch eine gehörige Portion New Wave ist unüberhörbar – gerade fängt man geistesabwesend zu tanzen an, im nächsten Moment covern sie „When Doves Cry“ von Prince und man möchte sofort anfangen zu weinen. Oder zu knutschen. Oder beides. Feathers scheinen ein bisschen wie nicht von dieser Welt, Mädchen, die einem nach einer enttäuschten Liebe den Glauben wiederschenken. 

Für Fans von: Grimes, Robyn, Lykke Li
Link:  http://feathers.fm
aktueller Release: If All Now Here (VÖ: 15.04.2013)

FOXYGEN

psychedelische Brüderschaft

Ab zwei Personen ist es eine Band. Jonathan Rado und Sam France kommen aus Westlake, Kalifornien und begannen bereits zu Schulzeiten gemeinsam Musik zu machen. Sie nahmen sich vor, so viele Instrumente wie möglich zu lernen und ohne Genrefestlegung zu agieren. So ist das aktuelle, zweite Album eine krude Mischung mit Einflüssen aus Psychedelic Rock, Merseybeat, Memphis Soul und unüberhörbar jeder Menge Rolling Stones. Während ihre Songs im einen Moment altmodisch-verkratzt klingen, wie eine für Jahrzehnte verschollen geglaubte Tonbandaufnahme, schlagen sie plötzlich spontan um in fröhliche Sound-Experimente à la Animal Collective. Foxygen sind Lo-Fi aus Überzeugung, aber langweilig wird es mit ihnen nie!

Für Fans von: Animal Collective, Deerhunter, Friends
Link: http://foxygen.bandcamp.com
aktueller Release: We Are the 21st Century Ambassadors of Peace and Magic (Jagjaguwar)